Hilft Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie?

Hilft Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie?

Viele Patienten fragen sich, ob Sie sich mit Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie etwas Linderung verschaffen können. An vielen Stellen wird von großen Erfolgen durch die Alpha-Liponsäure berichtet. Allerdings ist es schwieirg, die Seriösität solcher Berichte zu bewerten.

Ich habe mir deshalb angesehen, welche Forschungsergebnisse es zum Thema gibt und welche Aussagen sich durch wissenschaftliche Daten belegen lassen.

Kurz Zusammengefasst:

Alpha-Liponsäure kann bei Polyneuropathie durch Diabetes helfen. Bei anderen Ursachen der Polyneuropathie ist die Datenlage etwas unklar. Sicher ist, dass Infusionen mit Alpha-Liponsäure bessere Erfolgsaussichten haben als Kapseln. Leider gibt es bisher nur Forschungsergenisse zur kurzzeitigen Anwendung. Wie die Langzeitwirkung der Alpha-Liponsäure ist ist bisher nicht geklärt.

Wissenschaftliche Quellen

Um eine verlässliche Antwort auf die Frage "Hilft Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie" geben zu können, habe ich die größte medizinische Datenbank "Pubmed" durchsucht.

Wichtig zum Thema Polyneuropathie ist zunächst die Frage: was verursacht die Polyneuropathie?

Denn die Ursache der Polyneuropathie ist natürlich auch für die Behandlung entscheidend. Werden die Nervenschäden durch Diabetes verursacht, muss natürlich auch eine andere Behandlung stattfinden, als wenn sie durch eine Chemotherapie oder durch Alkohol entstanden sind.

In der wissenschaftlichen Forschung findet die diabetische Polyneuropathie mit Abstand die meiste Aufmerksamkeit und deshalb gibt es dazu auch die besten Quellen.

Diabetische Polyneuropathie

Die beste Quelle zur Frage, ob Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie hilft, die ich finden konnte, ist ein Artikel aus der Zeitschrift der Amerikanische Hausärzte (American Family Physician).

Diese Zeitschrift hat den sogenannten "Help Desk", wo Ärzte Fragen an Spezialisten stellen können. Diese Experten geben dann eine Antwort auf der Grundlage der aktuellen Forschung.

Die Spezialisten berichteten, dass die intravenöse Gabe von Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie die Symptome nach drei Wochen etwas verbesserte. Auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 14,6 (dauernder Schmerz, Taubheitsgefühl, Brennen und Missempfindungen) wurde von einer Besserung um 2,8 Punkte berichtet. Dabei wurden täglich 600 mg Alpha-Liponsäure intravenös gegeben.

Wenn die Alpha-Liponsäure als Kapsel geschluckt wurde, statt sie als Infusion zu geben, gibt es laut den Experten ebenfalls eine gewisse Wirkung. Diese ist allerdings viel schwächer. Die Besserung betrug dann lediglich 1,8 Punkte auf der genannten Skala. (Hier können Sie den Artikel selbst nachlesen)

Allerdings scheint die Kapsel dennoch eine gute Alternative zu sein, da tägliche Infusionen im Alltag recht schwierig zu bekommen sind. Denn zunächst muss man Ärzte finden, die eine solche Behandlung überhaupt durchführen und dann eben täglich die Praxis aufsuchen und sich eine Infusion legen lassen.

BIsher keine Langzeitstudien zur Alpha-Liponsäure bei Diabetischer Polyneuropathie

Allerdings gibt es lediglich Studienergebnisse dazu, was in kurzen Zeiträumen passiert. Die vorhandenen Studien betrachteten lediglich Zeiträume von 3 bis 5 Wochen.

Wie die Langzeiteffekte sind ist bisher noch nicht geklärt.

Um herauszufinden wie die Langzeitwirkungen sind müssen wir uns also gedulden bis weitere Studien erscheinen.

Allerdings machen diese Ergebnisse doch schon Mut!

Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie durch Chemotherapie

Zur Frage, ob die Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie durch Chemotherapie hilft gibt es bisher nur sehr wenig Forschung. Ich konnte zum Thema nur eine Übersichtsarbeit der Universität Sapienza in Rom finden.

In der Arbeit stellen die Autoren fest, dass es noch zu wenig Forschung gibt um abschließende Aussagen treffen zu können. Es gibt aber die begründete Vermutung, dass die Alpha-Liponsäure auch hier hilfreich ist.

Allerdings gehen auch diese Wissenschaftler davon aus, dass Alpha-Liponsäure als Infusion vielversprechender ist als als Kapsel.

Die Studie können Sie hier nachlesen.

 

Alpha-Liponsäure kann mit Chemotherapie wechselwirken

Man sollte allerdings als Krebspatient auf keinen Fall auf eigene Faust mit Alpha-Liponsäure experimentieren. Denn die Alpha-Liponsäure kann mit Medikamenten wechselwirken.

Insbesondere kann die Wirkung mancher Chemotherapien durch die Alpha-Liponsäure verringert werden.

Falls Sie die Alpha-Liponsäure ausprobieren möchten sprechen Sie daher unbedingt vorher mit dem behandelnden Arzt.

 

Zu Polyneuropathie anderer Ursache gibt es noch zu wenig Forschung

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Ursachen für die Polyneuropathie. Allerdings gibt es dazu noch kaum Forschung und ich konnte keine belastbaren Studien dazu finden.

Ob die Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathien hilft, die weder durch Diabetes noch durch Chemotherapie ausgelöst wurden ist also bisher nicht geklärt.

 

 

Was heißt das für die Praxis?

Zunächst wirken die Ergebnisse der vorgestellten Studien vielleicht nicht sehr spektakulär. Auf den zweiten Blick merkt man aber, dass die Ergebnisse doch sehr positiv sind, zumindest was Polyneuropathie aufgrund von Diabetes angeht.

Denn in aller Regel wird die Polyneuropathie langsam immer schlimmer. Durch die Gabe der Alpha-Liponsäure wurde die Verschlechterung allerdings gestoppt und es kam sogar zu einer leichten Verbesserung.

Wenn man also annimmt, dass sich diese Wirkung auch länger fortsetzt als über die genannten 3-5 Wochen, dann wird die Polyneuropathie dadurch zwar nicht geheilt, ihr Verlauf aber doch deutlich gebremst.

Das heißt, man wird zwar keine deutliche Verbesserung durch die Alpha-Liponsäure erwarten können, die Verschlechterung kann aber zumindest gebremst werden, was ja schon ein großer Erfolg wäre.

Da die Alpha-Liponsäure relativ wenige Nebenwirkungen hat und auch nicht sehr teuer ist, ist es also durchaus denkbar, sie in Absprache mit Fachleuten einfach auszuprobieren. Falls Sie keinen Arzt oder Therapeuten finden, der Ihnen eine Infusion gibt, können Sie es durchaus auch mit Kapseln probieren, sofern Sie keine Medikamente nehmen, mit denen die Alpha-Liponsäure wechselwirkt. Auch dies sollte allerdings mit einem Arzt abgesprochen werden.

Wichtig ist, eine ausreichende Menge zu sich zu nehmen. In den wissenschaftlichen Studien wurden 600 mg täglich verwendet.

Außerdem müssen Sie geduldig sein, Es ist keine Heilung über nacht zu erwarten. Wenn sich Ihre Polyneuropathie nicht weiter verschlimmert ist das schon ein großer Erfolg!

 

 

Nebenwirkungen bei Überdosierung

Übrigens sollten Sie es mit der Alpha-Liponsäure nicht übertreiben.

Wenn man zu viel Alpha-Liponsäure zu sich nimmt kommt es häufig zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Halten Sie sich deshalb an die angegebenen 600 mg. Sollten Sie sich nach der Einnahme trotzdem schlecht fühlen, lassen Sie die Alpha-Liponsäure in Zukunft weg oder informieren Sie gegebenenfalls den Arzt oder Therapeuten, der sie verschrieben hat.

Bewegung bei Polyneuropathie

Was ebenfalls nachweislich gegen Polyneuropathie hilft sind gezielte Übungen.

Eine Anleitung dazu finden Sie hier:

Senkt Polyneuropathie die Lebenserwartung?

Stirbt man früher wenn man an Polyneuropathie leidet?

Jeder der an Polyneuropathie leidet fragt sich, ob man durch die Krankheit zusätzlich zu den vielen Einschränkungen, die sie mit sich bringt, früher stirbt. Ich habe für diesen Artikel die wissenschaftlichen Studien zum Thema gelesen und möchte hier die Frage beantworten: Senkt Polyneuropathie die Lebenserwartung? Oder ist Polyneuropathie sogar tödlich?

Und wenn ja, was kann man dagegen tun?

Kurz zusammengefasst

Menschen mit Polyneuropathie leben im Durchschnitt etwas kürzer als Menschen ohne Polyneuropathie (80 vs. 86 Jahre).
Polyneuropathie selbst ist allerdings nicht tödlich. Die verringerte Lebenserwartung entsteht durch mehrere Faktoren:
Die körperliche Schwäche aufgrund der eingeschränkten Aktivität, die höhere Gefahr für Stürze sowie die Erkrankungen, die die Polyneuropathie auslösen wie z.B. Diabetes, Alkoholkrankheit und Krebs.
Um die Lebenserwartung trotz Polyneuropathie zu erhalten ist gezieltes körperliches Training hilfreich. Wenn eine andere Krankheit (z.B. Diabetes) die Polyneuropathie ausgelöst hat, sollte diese genau kontrolliert und ärztlich behandelt werden.

Menschen mit Polyneuropathie leben im Schnitt etwas kürzer

Um herauszufinden wie es um die Lebenserwartung bei Polyneuropathie bestellt ist habe ich wissenschaftliche Datenbanken, insbesondere Pubmed, durchsucht. Dabei findet sich eine spezielle Studie einer amerikanische Forschergruppe. Diese verglich die Lebenserwartung von Polyneuropathiepatienten mit der von Menschen ohne Polyneuropathie. Dabei wurde von Menschen in einem ganzen Landkreis seit 1966 Daten zur Gesundheit erfasst. Unter den Studienteilnehmern waren fast 3000 Personen, die an Polyneuropathie litten.

Die Forscher verglichen nun diejenigen, die an Polyneuropathie litten mit Studienteilnehmern, die keine Polyneuropathie aufwiesen.

In dieser Studie lag die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen mit Polyneuropathie bei 80 Jahren. Die Studienteilnehmer, die keine Polyneuropathie hatten lebten im Durchschnitt bis 86. (Hier können Sie die Studie nachlesen: Hoffmann et al. 2015)

Ich fand außerdem zwei weitere Studien, in denen Diabetiker untersucht wurden. Dabei wurde die Lebenserwartung von Diabetikern mit Polyneuropathie und Diabetikern ohne Polyneuropathie verglichen (Simoneau et al. 2019, Hsu et al. 2012). Auch hier wurde eine geringere Lebenserwartung der Menschen mit Polyneuropathie beobachtet.

Aber heißt das, dass Polyneuropathie tödlich ist? Laut der genannten Studien ist nicht geklärt, weshalb die Menschen mit Polyneuropathie früher starben. Die Polyneuropathie ist also explizit nicht als Todesursache aufgeführt.

Menschen mit Polyneuropathie sterben im Durchschnitt etwas früher - ist Polyneuropathie tödlich?

Senkt Polyneuropathie die Lebenserwartung? Oder gibt es andere Gründe?

Denn dass man mit Polyneuropathie früher stirbt heißt nicht, dass man AN der Polyneuropathie stirbt.

Die Nervenschäden bei Polyneuropathie führen nämlich in den seltensten Fällen zum Tod. Denn sie betreffen keine lebenswichtigen Organe. Die Krankheit schränkt meist die Nerven-Funktion in der Peripherie des Körpers ein. Das heißt, die Problematik betrifft zunächst Hände und Füße und erst in späteren Stadien auch Oberschenkel und Oberarme. Das ist schlimm, aber nicht akut lebensgefährlich.

Lebensgefährlich wäre die Erkrankung dann, wenn die Nerven, die lebenswichtige Organe versorgen so stark geschädigt würden, dass die Organe nicht mehr arbeiten können und man deshalb stirbt. Es gibt tatsächlich Nervenerkrankungen, bei denen so etwas vorkommt. Beispielsweise kann es passieren, dass die Nerven, die die Atemmuskulatur oder das Herz versorgen nicht mehr funktionieren und sich daraufhin die Arbeit dieser Organe verschlechtert (beispielsweise bei der kardialen autonomen Neuropathie). Soweit kommt es aber bei Polyneuropathie nur sehr selten. Polyneuropathie ist also nicht tödlich (oder nur sehr selten und bei besonderen Formen).

Die Ursache für die kürzere Lebenserwartung von Menschen mit Polyneuropathie liegt also an anderer Stelle. Auch dazu geben die genannten Studien hinweise.

Ein Grund dafür ist, dass Menschen mit Polyneuropathie ungleich häufiger an anderen schweren Erkrankungen leiden, durch die es zu den Nervenschäden kommt. Das gilt sowohl für Diabetes als auch für Krebserkrankungen und Alkoholkrankheit, Nierenschäden sowie Durchblutungsstörungen. Diese Krankheiten senken für sich schon die Lebenserwartung. Die statistisch niedrigere Lebenserwartung von Menschen mit Polyneuropathie im Vergleich zu Gesunden rührt also eher von den schweren Erkrankungen, die die Polyneuropathie zur Folge haben.

Die Wissenschaftler nennen allerdings noch weitere Gründe:

Die Menschen mit Polyneuropathie hatten eine wesentlich erhöhte Gefahr zu stürzen und waren viel häufiger in Ihrer Mobilität eingeschränkt. Sie hatten außerdem häufiger Probleme damit, alleine Ihren Alltag zu bewältigen und häufiger Störungen der Durchblutung und Herz- sowie Lungenerkrankungen. Mit anderen Worten: Sie waren körperlich schwach und litten an Krankheiten die mit Bewegungsmangel zusammenhängen.

Wie kann man die Lebenserwartung trotz Polyneuropathie erhöhen?

Lässt sich die Lebenserwartung trotz Polyneuropathie normal erhalten?

Als Therapeut (und sicher auch Ihnen als Patient) reicht es mir natürlich nicht aus zu wissen, dass Menschen mit Polyneuropathie früher sterben.
Ich will wissen:

Was kann man dagegen tun?

Also, wie lässt sich die Lebenserwartung trotz Polyneuropathie erhöhen? Ich betrachte diese Frage meiner Ausbildung entsprechend aus sportwissenschaftlicher Sicht. Natürlich können auch andere Disziplinen zu mehr Gesundheit trotz Polyneuropathie beitragen, ich beschränke mich hier aber auf mein eigenes Fachgebiet. Ich gehe hier also ausdrücklich nicht auf medizinische Behandlungen ein, sondern beschränke mich auf die Möglichkeiten, die körperliches Training bietet.

Die richtige Bewegung bewirkt bei allen Menschen beeindruckende Effekte auf die Gesundheit. Körperlich aktive Menschen haben deshalb eine höhere Lebenserwartung, auch wenn sie an Polyneuropathie leiden. In diesem Artikel möchte ich Ihnen deshalb zeigen, wie körperliche Aktivität trotz Polyneuropathie helfen kann. Dazu muss man wissen, welche Probleme alle Menschen mit Polyneuropathie gemeinsam haben, die zur geringeren Lebenserwartung beitragen und die sich durch Training verbessern lassen.

 

Stürze und körperliche Schwäche senken die Lebenserwartung

Zwei Probleme, die beinahe alle Menschen mit Polyneuropathie gemeinsam haben sind eine erhöhte Gefahr zu stürzen und eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit.

Stürze sind wesentlich gefährlicher als die meisten Menschen vermuten – insbesondere im hohen Alter. Bei den über 65 Jährigen sind Stürze für bis zu ein Fünftel der notfallmäßigen Einlieferungen ins Krankenhaus verantwortlich (Peel et al. 2011).

Wer stürzt und sich dabei schwer verletzt wird dadurch häufig zum Pflegefall. Das gilt nicht nur für die berühmte Oberschenkelhalsfraktur. Auch für Schädel-Hirn-Traumen und Verletzungen der Wirbelsäule sind Stürze eine der häufigsten Ursachen. Wer einmal eine solche Verletzung erleidet gerät häufig in eine Abwärtsspirale, die leider recht oft damit endet dass man nicht mehr dazu in der Lage ist sich selbst zu versorgen und im Pflegeheim landet. Selbstverständlich folgen dann weitere gesundheitliche Probleme und auch die Lebenserwartung sinkt.

Allerdings ist die Gefahr zu stürzen deutlich erhöht wenn man an Polyneuropathie leidet. Das wissen die meisten Menschen mit Polyneuropathie aus eigener Erfahrung und zahlreiche Patienten berichteten mir bereits davon wie sie gestürzt sind.

Um für seine Sicherheit, seine Lebenserwartung und insbesondere auch für die Lebensqualität trotz Polyneuropathie etwas zu tun, sollte man deshalb versuchen, die Sturzgefahr möglichst zu verringern. Gleichzeitig sollte man aber körperlich möglichst aktiv bleiben. Das ist auf den ersten Blicke ein Widerspruch, denn wer sich viel bewegt läuft auch öfter Gefahr zu stürzen, als jemand der seine Tage auf dem Sofa sitzend verbringt.

Wer sich aus Angst zu stürzen allerdings nicht mehr bewegt bekommt dadurch alle Konsequenzen des Bewegungsmangels zu spüren. Die Muskelkraft und Knochenfestigkeit sinken zum Beispiel, wodurch man Verletzungsanfälliger wird. Außerdem wird die Bewegungskontrolle schlechter, wodurch die Sturzgefahr steigt. Daneben kommen zahlreiche weitere negative Effekte der Inaktivität hinzu, wie zum Beispiel, dass das Herz schwächer wird und das Risiko für Schlaganfälle steigt.

Einfach nicht mehr aktiv zu sein, um das Sturzrisiko zu reduzieren ist also keine Option!

Viel besser ist es, gezielte Übungen zu machen, die die Sturzgefahr senken.

Gleichgewichtstraining schützt vor Stürzen

Das Gleichgewicht zu trainieren schützt

Gezieltes Training für das Gleichgewicht ist dabei überraschend wirkungsvoll. Wer ein besseres Gleichgewicht hat steht stabiler und stürzt deshalb seltener. Dies ist nicht nur logisch, sondern wurde auch durch eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien belegt.

Rein statistisch sinkt die Sturzgefahr durch ein Training um etwa ein Drittel. Wer allerdings mehr trainiert und deshalb sein Gleichgewicht stärker verbessert, verringert die Sturzgefahr auch stärker.

Einer meiner Patienten war darin so erfolgreich dass er im ganzen Jahr 2020 nicht ein einziges Mal stürzte, nachdem er 2019 quasi montalich stürzte und sogar zweimal ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Natürlich sind solche Erfolgsgeschichten nicht bei jedem der Fall, allerdings gilt quasi für jeden dass die Sturzgefahr geringer ist, wenn man besser in der Lage ist, das Gleichgewicht zu halten und seine Bewegungen zu kontrollieren.

 

Gleichgewichtstraining Sturzgefahr

Training hilft gegen Symptome der Polyneuropathie

Dasselbe Training hilft interessanterweise vielen Menschen, die Symptome der Polyneuropathie zu reduzieren. Schmerzen und Missempfindungen werden nach dem Training oft weniger.

Denn das Training des Gleichgewichts richtet sich direkt an das Nervensystem. Um das Gleichgewicht gut halten zu können kommt es nämlich nicht auf große Muskeln und Körperkraft an, sondern darauf, den Körper genau wahrzunehmen und zu steuern – also die Aufgaben das Nervensystems.

Wenn Sie das Gleichgewicht trainieren verringern Sie deshalb nicht nur die Sturzgefahr, viele Menschen berichten auch von einer Verbesserung der Symptome der Polyneuropathie. Das Nervensystem scheint durch das Training zu lernen, die Schäden aufgrund der Polyneuropathie auszugleichen. Durch Training kommt es also nicht zur Heilung der Polyneuropathie, man kann aber trotz der Nervenschäden die Körperwahrnehmung trainieren. Gleichgewichtstraining hat also das Potenzial, die Lebensqualität zu verbessern, was ja mindestens so wichtig ist wie die Lebenserwartung.

Übungsanleitung

Ausführliche Informationen zu Übungen speziell bei Polyneuropathie finden Sie unter folgendem Link:

Übungen bei Polyneuropathie

Weniger Fitness = Höhere Sterblichkeit

Stürze sind allerdings nicht die einzige körperliche Einschränkung, die die Lebenserwartung bei Polyneuropathie verringert. Ein weiterer entscheidender Risikofaktor ist, dass Menschen mit Polyneuropathie körperlich meist weniger fit sind.

Wer körperlich fitter ist, lebt allerdings länger und gesünder. Das gilt insbesondere, wenn man an einer chronischen Krankheit leidet. Denn körperliche Fitness schützt vor deren Folgen.

Eine Arbeitsgruppe um Jonathan Meyers von der Stanford University untersuchte bereits 2002, welchen Einfluß die körperliche Leistungsfähigkeit auf die Mortalität von Menschen mit verschiedenen Erkrankungen hat. Dabei zeigte sich eindrucksvoll, dass Menschen die körperlich fit sind, obwohl sie an chronischen Krankheiten eine niedrigere Mortalität aufweisen als körperlich schwache Menschen mit denselben Krankheiten. (Die Studie können Sie hier nachlesen: Meyers et al. 2002)

Die Daten aus dieser Studie habe ich in der Abbildung rechts dargestellt. Sie sehen darin das statistische Sterberisiko in Abhängigkeit der körperlichen Leistungsfähigkeit und verschiedener chronischer Erkrankungen. Dabei sehen Sie sogenannten MET (Metabolische Equivalente). 1 MET entspricht dem Energieverbrauch in Ruhe. 8 MET wäre also das achtfache des Energieverbrauchs in Ruhe. Das entspricht zum Beispiel Gehen mit 8 km/h.

Menschen, die eine Leistung von 8 MET erbringen können (also längere Zeit 8 km/h schnell gehen können), haben kaum Einschränkungen in ihrer Lebenserwartung, auch wenn Sie an chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden.

Wie Sie in der Abbildung sehen können haben Menschen, die es nicht schaffen, 8 MET zu erreichen ein deutlich höheres Sterberisiko. Wer weniger als 5 MET erreicht, hat ein mehr als doppelt so hohes relatives Sterberisiko wie Menschen, die mehr als 8 MET schaffen. Dasselbe gilt übrigens für beinahe alle Erkrankungen und im Grunde genommen auch für Gesunde: Körperliche Fitness erhöht die Lebenserwartung.

Körperliche Leistungsfähigkeit erhöht die Lebenserwartung

Körperliche Fitness schützt - trotz Erkrankungen

Wer fitter ist hat besser funktionierende Organe!

Der Grund für die höhere Lebenserwartung fitterer Menschen ist, dass Fitness nichts anderes bedeutet als gut funktionierende Organe.

Um körperlich fit zu sein benötigt man ein gut funktionierendes Herz, eine gesunde Lunge und gute Blutgefäße, um Blut und Sauerstoff zu den Muskeln zu bringen.

Auch das Nervensystem, das die Muskeln passend zur jeweiligen Aufgabe steuert, muss gut funktionieren und wird durch ein Training leistungsfähiger. Auch die Stabilität und Bruchfestigkeit der Knochen muss groß sein, um die Kraft der Muskeln umsetzen zu können.

Die körperliche Fitness ist also nichts anderes als ein Ausdruck gut funktionierender Organe und damit guter Gesundheit. Und noch mehr: Wer durch ein Training fitter, stärker und leistungsfähiger wird, dessen Organe funktionieren auch besser!

Wer durch ein Training heute zum Beispiel weiter und schneller gehen kann als vor einem Monat, der hat ein besser funktionierendes Herz, besser funktionierende Muskeln und eine besser funktionierende Durchblutung.

Bewegung und Lebenserwartung bei Krebspatienten.

Ganz konkret: wer körperlich fitter ist wird seltener krank

Deshalb sinkt das Risiko für sehr viele Erkrankungen, wenn man körperlich fitter ist.

Das gilt auch für Erkrankungen, an die man zunächst nicht gedacht hätte. So funktioniert bei fitten Menschen auch das Immunsystem besser, was dazu führt, dass Infektionen einen leichteren Verlauf haben.

Sehr fitte Menschen erkranken deshalb zum Beispiel viel seltener an Lungenentzündungen. Denn Ihr Immunsystem ist in der Lage, Infektionen in den Atemwegen zu bekämpfen, bevor sie sich zu einer gefährlichen Erkrankung auswachsen können.

Und selbst wenn man an einer Lungenentzündung erkrankt, haben fitte Menschen mehr Reserven. Denn Ihre Lunge war von vornherein leistungsfähiger und ist deshalb in der Lage genügend Sauerstoff aufzunehmen um den Körper zu versorgen, auch wenn sie aufgrund der Erkrankung nicht mehr so gut funktioniert.

Die Sauerstoffaufnahmefähigkeit ist übrigens das in der Wissenschaft gebräuchlichste Maß für die Ausdauer. Je besser Ihre Ausdauer, desto besser ist also Ihre Sauerstoffaufnahme, desto besser ist die Funktion Ihrer Lunge und übrigens auch des Herzens und der Blutgefäße, die den Sauerstoff aus der Lunge in den Körper transportieren.

Fitness und Lungenentzündungen

Bessere Fitness bedeutet besser funktionierende Organe!

Körperliche Aktivität fällt mit Polyneuropathie schwerer

Wir sehen also, dass fitte Menschen auch eine höhere Lebenserwartung haben. Man kann also da