Übungen bei Polyneuropathie

Mit einfachen Übungen wieder mobil und sicher werden

Das möchte jede Polyneuropathie-Patientin und jeder Polyneuropathie-Patient: Ohne Furcht wieder rausgehen. Die richtigen Übungen bei Polyneuropathie um wieder sicher gehen und stehen finden Sie auf dieser Seite. Sie wollen  die eigene Lebensqualität steigern, die Symptome reduzieren, den Gleichgewichtssinn und die Leistungsfähigkeit im Alltag verbessern – und das alles soll ganz ohne Pillen und Medikamente mit wenigen, einfachen Übungen gehen? Sogar bei Ihnen zu Hause? Das geht. Mit dem Balance-Training – wie Sie in fünf kurzen Videos gleich sehen werden und sofort zu Hause, im Büro, überall nach- und mitmachen können.

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Warum die Übungen bei Polyneuropathie helfen

Um echte Erfolge zu erzielen muss man verstehen, warum ein Training wirkt. In diesem Video erfahren Sie alles darüber, wie Balance Training Ihnen helfen kann. Nachdem Sie dieses Video gesehen haben werden Sie besser verstehen, wie die Übungen aus den weiteren Videos funktionieren.

Warum Sie selbst üben müssen

Wir alle denken zunächst, dass man bei einer so komplizierten Sache wie Polyneuropathie Hilfe von Profis im Gesundheitswesen bekommen sollte, statt sich selbst darum zu kümmern. Das Problem bei der Polyneuropathie ist aber, dass es kaum Medikamente gibt, die helfen. Auch Physiotherapie ist bei Polyneuropathie zwar wichtig und hilfreich, allerdings reicht die Zeit einfach nicht aus um viel zu erreichen.

Denn selbst wenn sich Physiotherapeuten noch so viel Mühe geben, wird bei den wenigen Terminen, die man noch bekommt kaum genug Zeit bleiben um viel zu verändern. (Ich spreche hier aus eigener Erfahrung).

Jeder seriöse Therapeut wird deshalb bestätigen, dass man selbst üben muss, um etwas zu erreichen. Denn die Übungen sollen einen Trainingseffekt auslösen. Dieser kann aber nur entstehen, wenn man oft genug trainiert. Das muss nicht lange sein und auch nicht körperlich anstrengen. Wichtig ist vor allem, dass man das Nervensystem häufig genug trainiert! Und das geht nun mal nur, wenn man es selbst macht.

Immer auf Nummer Sicher gehen

Bevor Sie mit den Übungen bei Polyneuropathie loslegen: Bitte schauen Sie sich zuerst dieses Video an. Denn die meisten Polyneuropathie-PatientInnen fragen mich erschrocken: Bei meinem schwachen Gleichgewicht soll ich auch noch Übungen machen? Genau aus diesem Grund zeige ich Ihnen in diesem kurzen Video, wie Sie die Übungen mit doppelter und dreifacher Sicherheit ausführen. Damit auf keinen Fall irgendetwas passieren kann. Damit Sie stets sicher und gut geschützt Ihr Gleichgewicht verbessern.

Sie haben Fragen?

Jede und jeder, die ernsthaft ihr Gleichgewicht verbessern wollen, haben früher oder später Fragen von „Mache ich das so richtig?“ über „Wie oft kann oder soll ich in meinem Zustand überhaupt üben?“ bis hin zu „Was kann ich darüber hinaus noch für mich tun?“ Diese Fragen beantworte ich regelmäßig ganz individuell und persönlich – damit meine Tipps und Trainingsprogramme auch wirklich auf Sie ganz persönlich passen. Maßgeschneidert. Ich begleite auf diese stark individuelle Art und Weise viele PNP-Patientinnen und -Patienten. Gerne auch Sie.

Holen Sie sich Ihre individuelle Beratung! Rufen Sie mich an (Telefon: 0176 66 86 91 51) oder mailen Sie mir!

Wieder sicher stehen trotz Polyneuropathie

Das ist eines der wichtigsten Ziele überhaupt: Wieder sicher stehen können. In nur 2 Minuten pro Übung! Dafür findet jede und jeder die Zeit. Immer mal wieder. Je öfter Sie diese kleine Übung in den Alltag einbauen, desto schneller verbessert sich Ihr Gleichgewicht, Ihre Körperwahrnehmung und die Symptome. Dazu ist das Smartphone da: Rufen Sie immer mal wieder dieses Video ab.

Sicher gehen trotz Polyneuropathie

Egal ob zu Hause von Zimmer zu Zimmer oder draußen beim Spazierengehen, in der Fußgängerzone oder beim hastigen Gang übern Flur bei der Arbeit – sicheres Gehen ist das Wichtigste überhaupt. Mit diesem Video holen Sie ihn sich zurück: den sicheren Gang.

Alles was Sie für die Übungen bei Polyneuropathie brauchen

In den Videos kommt öfter das Balance-Pad und ein Übungsball vor. Sie haben diese Geräte nicht? Macht nichts. Ich schicke Ihnen ein Komplettset aus Ball und vollständiger Übungsanleitung – zusammen mit dem Bitzer-Pad. Denn das ist entscheidend: Viele Menschen trainieren mit herkömmlichen Pads und verletzen sich dabei. Weil diese Pads für Sportler gemacht sind und deshalb meist zu hoch, zu breit oder nicht rutschfest genug für PNP-Patientinnen und -Patienten sind. Holen Sie sich das komplette Balance-Set mit Ball und dem Bitzer-Pad, das eigens für PNP-Patientinnen und -Patienten entwickelt wurde.

Sicher stehen unter Ablenkung

Denn darauf kommt es doch an im Alltag: Irgendetwas lenkt uns immer ab. Und trotzdem verlieren wir nicht das Gleichgewicht, sondern stehen souverän und sicher. Weil wir genau dieses Stehen unter Ablenkung so gut geübt haben, dass es danach ganz automatisch klappt. Mit diesem Video.

Sicher gehen unter Ablenkung

Das möchten und müssen wir im ganz normalen Alltag ständig: Wir gehen von der Wohnung zur S-Bahn-Station, von der Seite ruft uns der nette Nachbar etwas zu – und wir drehen uns in der laufenden Gehbewegung zu ihm um, winken freundlich, rufen zurück und behalten immer sicher und fest unser Gleichgewicht. Das kommt nicht „mit der Zeit von alleine wieder“! Das klappt nur dann relativ schnell und sicher, wenn man/frau das vorher übt. So lange, bis es eben klappt. Mit diesem Video.

Wie dieses Taining gegen Polyneuropathie hilft

Um die Polyneuropathie zu verbessern muss man dafür sorgen, dass das Nervenystem besser funktioniert. Um das zu erreichen muss man dem Nervensystem Aufgaben stellen, die nicht ganz einfach zu lösen sind. Das Nervensystem reagiert dann mit einem Lernprozess. Es lernt insbesondere, Reize aus dem Körper besser zu verarbeiten und auch besser darauf zu reagieren.

Wenn Sie das Gleichgewicht trainieren, muss Ihr Nervensystem ständig wahrnehmen, wie sich Ihr Körper bewegt. Außerdem muss es immer wieder neu reagieren und kleinste Änderungen in der Spannung der einzelnen Muskeln in Ihrem Köper vornehmen. Es ist also nötig, den Körper sehr genau zu spüren und zu steuern, um das Gleichgewicht halten zu können.

Wenn Sie das Gleichgewicht trainieren, muss Ihr Nervensystem also eine beeindruckende Präzisionsarbeit erbringen. Und das umso mehr, wenn Sie an Polyneuropathie leiden. Denn dann machen die Nervenschäden die Arbeit natürlich schwieriger. Umso mehr profitieren Sie dann aber, wenn Sie trotzdem üben. Denn eine Verbesserung des Gleichgewichts bringt auch eine Verbesserung der Polyneuropathie!

Polyneuropathie stört das zentrale Nervensystem!

Die Polyneuropathie stört die Wahrnehmung des Körpers, wie jeder der daran leidet aus eigener Erfahrung weiß.

Das kommt aber nicht nur davon, dass man Schäden zum Beispiel in den Füßen oder den Fingerstpitzen hat. Die Polyneuropathie wirkt sich vor allem auch im zentralen Nervensystem aus.

Die Nervenschäden in der Peripherie des Körpers führen dazu, dass das Gehirn die Signale, die aus dem Körper kommen nicht mehr richtig interpretieren kann. Das führt häufig zu Taubheitsgefühlen oder zu einem Verlust der Wahrnehmung. Eine Patientin erzählte mir zum Beispiel, sie sei in einen Nagel getreten und habe erst als sie Blut auf dem Boden gesehen habe bemerkt, dass sie sich verletzt hatte. Ihr Nervensystem war also nicht mehr in der Lage, ein Schmerzsignal ans Gehirn zu senden.

Sehr häufig reagiert das Nervensystem aber auch durch eine Überempfindlichkeit. Man kann sagen, es versucht "genauer hinzuhören". Es verstärkt also die Signale, die im Gehirn ankommen. Dadurch werden dann Dinge, die eigentlich normal sind als unangenehm oder schmerzhaft wahrgenommen. So erzählte mir eine weitere Patientin erzählte mir, dass das Tragen von normalen Socken ihr bereits Schmerzen bereitet und sie nur noch extrem weiche Socken tragen kann. Ihr Nervensystem reagiert also viel zu stark auf alltägliche Reize.

Viele Patienten kennen solche Probleme aus ihrem Alltag und haben häufig gewaltige Probleme dadurch.

Es ist wichtig zu verstehen, wo diese Probleme entstehen, um einen Ansatz zur Verbesserung zu haben. Um etwas gegen die Probleme tun zu können muss man also wissen:

Die Symptome der Polyneuropathie entstehen nicht nur in den Händen und Füßen, sondern auch im Gehirn!

Und das ist eine großartige Neuigkeit, denn das Gehirn ist das anpassungsfähigste Organ, das wir haben.

Das Nervensystem ist das anpassungsfähigste Organ!

Wenn Sie das Gleichgewicht trainieren, bewirkt das vor allem eine Anpassung des Gehirns. Es muss dann die ganze Zeit Signale aus dem gesamten Körper wahrnehmen, interpretieren und darauf reagieren. Je besser dieser Prozess funktioniert, desto besser können Sie das Gleichgewicht halten.

Wenn Sie die Übungen bei Polyneuropathie machen, die hier vorgestellt werden, verbessern Sie diesen Prozess. Ihr Nervensystem lernt dadurch, Reize besser zu verarbeiten und besser darauf zu reagieren.

Dadurch verbessert sich sowohl die Wahrnehmung als auch die Steuerung Ihres Körpers. Das heißt, Missempfindungen werden weniger und es gelingt Ihnen besser, Bewegungen zu steuern.

Wenn Sie es also schaffen, trotz der Polyneuropathie sicher auf einem Bein zu stehen, verbessern sich dadurch auch die Symptome der Polyneuropathie. Die Feinmotorik wird besser, man kann sicherer gehen und viele Patienten berichten von verringerten Schmerzen und Missempfindungen.

Das Training bei Polyneuropathie muss nicht anstrengend sein!

Die Übungen bei Polyneuropathie lösen also eine Anpassung des Nervensystems aus. Das bedeutet, es kommt zu einem Lernprozess. Denn eine Anpassung des Nervensystems ist nichts anderes als Lernen. Deshalb müssen Sie sich bei den Übungen nicht verausgaben. Hier sollen keine Muskeln aufgebaut oder die Ausdauer trainiert werden. Es geht um Nerven.

Es ist sogar besser, sich nicht körperlich anzustrengen und stattdessen regelmäßig Pausen zu machen. Denn im frischen, ermüdungsfreien Zustand ist das Nervensystem am besten in der Lage zu lernen. Es ist ähnlich wie bei jedem anderen Lernprozess. Wie wenn man das Einmaleins oder englische Vokabeln lernen möchte: Es nutzt auf Dauer mehr, regelmäßig ein paar Minuten zu üben, als direkt vor der Klassenarbeit stundenlang zu pauken bis der Kopf raucht.

Deshalb empfehle ich das Balance Set bei Polyneuropathie, mit dem Sie zu Hause in Ihrem eigenen Rhythmus und mit dem zu Ihnen passenden Schwierigkeitsgrad üben können.

Sie können damit zu Hause trainieren, ohne Überforderung und jederzeit.

Wissenschaftliche Belege für Wirkungen der Übungen bei Polyneuropathie

Übrigens sind alle Wirkungen, die ich hier beschreibe wissenschaftlich überprüft. Ich hatte selbst die Gelegenheit, in der Sportonkologie der Universitätsklinik Freiburg zum Thema zu forschen. Dort waren selbst die Sportwissenschaftler, die die Studien durchführten von den Wirkungen des Balance Trainings auf die Polyneuropathie überrascht.

Wenn Sie wissenschaftliche Studien zum Thema Übungen bei Polyneuropathie interessieren, finden Sie hier eine sehr gute Studie mit Patienten die durch Chemotherapie eine Polyneuropathie entwickelten:

Zur Studie

Zusätzliches Kraft- und Ausdauertraining ist bei Polyneuropathie sinnvoll!

Zusätzlich zu den hier gezeigten Übungen ist es sehr sinnvoll, Kraft- und Ausdauertraining zu betreiben.

In einigen Studien hat sich gezeitg, dass die Wirkung der Gleichgewichtsübungen verstärkt wird, wenn man zusätzlich Kraft und Ausdauer trainiert.

Das heißt, wer klassisches Fitnesstraining betreibt und zusätzlich das Nervensystem durch Gleichgewichtsübungen trainiert, erreicht einen kombinierten Effekt, der besonders stark ist.

Allerdings hat sich gezeigt, dass Kraft- und Ausdauertraining alleine, also ohne Gleichgewichtsübungen nur sehr geringe Effekte auf die Polyneuropathie hat. Es wird schließlich nicht das Nervensystem gezielt trainiert, sondern eher die Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem. Es ist also am besten, beides zu machen: Gleichgewichtstraining und zusätzlich Kraft- und Ausdauertraining.

Verletzungen und Stürze verhindern!

Wichtig beim Sport mit Polyneuropathie ist sicherzustellen, dass man sich dabei nicht verletzt. Menschen, die an Polyneuropathie leiden haben eine schlechtere Bewegungskontrolle und deshalb eine größere Gefahr zu stürzen oder zu stolpern und sich dabei zu verletzen.

Sie sollten also beim Sport etwas vorsichtiger sein. Allerdings ist Sport immer mit einem gewissen Risiko verbunden und mit übertriebener Vorsicht macht Bewegung keinen Spaß, denn man will ja schließlich nicht dauernd an die Verletzungsgefahr denken. Deshalb sollten Sie besonderen Wert auf das Gleichgewichtstraining legen, denn es schützt vor Stürzen.

Es ist ja auch logisch: Wer sein Gleichgewicht schneller verliert, stürzt auch schneller. Wer ein gut trainiertes Gleichgewicht hat, stürzt seltener.

Gleichgewichtstraining schützt vor Stürzen

Sportverletzungen werden durch Gleichgewichtstraining seltener

Dies gilt übrigens nicht nur für Stürze, auch Sportverletzungen sind bei Menschen mit gut trainiertem Gleichgewicht seltener.

Das kommt daher, dass die verbesserte Wahrnehmung und die bessere Bewegungskontrolle verhindern, dass man in gefährliche Positionen kommt. Das heißt, Menschen mit einem gut trainierten Gleichgewicht spüren genauer, in welcher Position sich ihre Gelenke befinden. Wenn sie also spüren, das ein Gelenk sich in eine gefährliche Position bewegt, reagieren sie rechtzeitig. Dadurch verhindern sie, dass Gelenke verdreht oder überdehnt werden.

Wenn Sportler also zusätzlich zum normalen Training das Gleichgewicht trainieren, schützen sie sich dadurch vor Verletzungen, insbesondere am Sprunggelenk und Knie.

Das geschieht übrigens ganz automatisch und natürlich ohne darüber nachzudenken. Das besser trainierte Nervensystem schützt Sie also, ohne dass Sie sich zusätzlich anstrengen müssen.

Falls Sie trotz Polyneuropathie Sport treiben möchten ist es daher natürlich doppelt wichtig, Ihr Gleichgewicht zu trainieren!

Gleichgewichtstraining schützt vor Sportverletzungen

Die Fitness lässt sich trotz Polyneuropathie steigern - auch im hohen Alter

Übrigens ist ein Training auch für Menschen möglich, die an schwerer Polyneuropathie leiden und sehr alt sind. Der Körper profitiert dann sogar besonders vom Training.

Selbstverständlich wird man mit dem Alter und durch die Polyneuropathie körperlich schwächer. Wenn man allerdings nicht trainiert, kommt der Effekt der Inaktivität noch hinzu. Wenn Muskeln nichts mehr zu tun haben, werden sie abgebaut. Das gilt in jedem Alter und auch bei Gesunden. Denn was der Körper nicht nutzt, reduziert er um Energie zu sparen.

Wenn kranke und alte Menschen hingegen trotzdem trainieren, kommt es häufig zu großen Erfolgen.

Wichtig ist dabei, kleine Steigerungen in das Training einzubauen. Wenn Sie zum Beispiel heute 10 Kniebeugen schaffen, versuchen Sie in einer Woche 11 oder 12 zu schaffen. Eine solche kleine Steigerung ist in aller Regel möglich und wirkt zunächst recht unspektakulär. Diese kleinen Verbesserungen machen mit der Zeit aber einen riesigen Unterschied!

In der Grafik rechts können Sie die Entwicklung der Kniebeugenleistung eines meiner Patienten sehen, der konsequent nach diesem System trainierte. Er konnte noch im Alter von 91 Jahren seine Leistungsfähigkeit substanziell steigern. Und er ist damit keine Ausnahme. Ich sehe sehr häufig Patienten, die ihre Kraft so verbessern können.

 

Kraftsteigerung trotz Polyneuropathie

Durch Kraftübungen trotz Polyneuropathie mehr Muskelfasern erreichen

Das Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle für die Muskelkraft. Jede Muskelfaser muss von einem Nervenende aktiviert werden, sonst kann sie auch keine Kraft entfalten.

Bei Polyneuropathie fehlen häufig die Nervenenden oder die Signale werden nicht mehr so gut übertragen. Deshalb haben Menschen, die an Polyneuropathie leiden häufig weniger Kraft.

Allerdings lässt sich auch das trainieren. Denn wer mit einem Krafttraining beginnt, löst zunächst ebenfalls einen Trainingseffekt im Nervensystem aus. Dabei ist es übrigens egal, ob man an Polyneuropathie leidet oder völlig gesund ist. Zunächst lernt der Körper, mehr Muskelfasern zum richtigen Zeitpunkt zu aktivieren, erst später beginnen die Muskeln zu wachsen. Deshalb ist es möglich, die Kraft zu steigern, ohne dickere Muskeln zu bekommen.

Wenn man mit einem Krafttraining beginnt passiert das quasi immer. Denn bevor der Körper Muskeln wachsen lässt, beginnt er erst einmal die Muskeln, die bereits vorhanden sind besser zu nutzen. Das heißt, wenn Sie anfangen, Gewichte zu stemmen wachsen neue Nervenenden in die Muskulatur. Nach einiger Zeit wird dieser Effekt allerdings schwächer und der Körper lässt stattdessen die Muskeln größer werden. Durch gezielte Trainingsmethoden lässt sich aber weiterhin ein Trainingseffekt auf die Nervenenden erzielen.

Dies machen sich seit langem Sportler zunutze, die zwar große Kraft brauchen, aber keine dicken und schweren Muskeln. Kletterer oder Sportler in Sportarten mit Gewichtsklassen zum Beispiel. Sie müssen leicht sein, aber trotzdem sehr stark.

Wenn Sie gerade erst beginnen, brauchen Sie sich allerdings um solche speziellen Trainingsmethoden noch keine Gedanken zu machen. Bereits ganz normale Kraftübungen reichen dann aus um das Nervensystem zu stimulieren.

Durch Gleichgewichtstraining steigt auch die Kraft

Übrigens erreichen Sie den gleichen Effekt, zumindest zu einem gewissen Grad auch durch Gleichgewichtsübungen. Wer sein Gleichgewicht mit den Übungen bei Polyneuropathie aus meinem Büchlein trainiert, ist ebenfalls in der Lage, seine Muskelfasern besser zu aktivieren. Menschen, die das Gleichgewicht trainieren sind deshalb besser in der Lage, Ihre Kraft schnell und zielgerichtet zu mobilisieren.

Das ist der Grund, warum zum Beispiel Skispringer sehr viel Gleichgewichtstraining betreiben. Denn diese Übungen versetzen sie dazu in die Lage, ihre Kraft sehr schnell aufzubringen und dadurch etwas weiter zu springen. Das Trainingsprinzip, das dabei angewendet wird ist also genau dasselbe wie bei den Übungen bei Polyneuropathie.

Natürlich sollten Sie als Polyneuropathiepatient nicht die gleichen Übungen wie Skispringer absolvieren. Aber das Trainingsprinzip wie gesagt ist das gleiche: Man trainiert das Nervensystem, nicht die Muskeln!

Körperliche Fitness gleicht die Einschränkungen durch Polyneuropathie aus

Das Ziel des Krafttrainings bei Polyneuropathie ist es aber natürlich nicht nur, stärker zu werden. Polyneuropathie-Patienten sind ja schließlich keine Leistungssportler.

Das Ziel der Kraftübungen ist es, ebenso wie bei den Gleichgewichtsübungen bei Polyneuropathie, die Schwächen an einer Stelle durch Stärken an anderer Stelle auszugleichen.

Wenn Sie zum Beispiel schwache Wadenmuskeln haben, werden Ihre Oberschenkel mehr Arbeit leisten müssen. Starke Arme können Ihnen im Alltag ebenfalls helfen, wenn die Beine nicht mehr so gut mitmachen. Deshalb ist es sehr wichtig, den ganzen Körper zu trainieren, statt nur einzelne Teile.

Helfen Dehnübungen bei Polyneuropathie?

Wenn man an Übungen für die Gesundheit denkt, fallen vielen Leuten zuerst Dehnübungen ein. Und das ist auch bei Polyneuropathie der Fall. Deshalb findet man wenn man das Internet nach Übungen gegen Polyneuropathie durchsucht auch sehr schnell Dehnübungen.

Kann Dehnen den Nerven bei Polyneuropathie helfen?

Natürlich ist die Frage, ob Dehnübungen denn bei Nervenschäden hilfreich sein können. Dehnung bedeutet ja eigentlich nur, die eine Struktur in die Länge zu ziehen. Bei klassischen Dehnübungen wie man Sie aus dem Sport kennt werden Muskeln und Sehnen in die Länge gezogen. Es gibt aber auch spezielle Dehnübungen für die Nerven. Es ist allerdings fraglich, ob durch Zug ein Heilungsprozess ausgelöst werden kann. Leider scheint es bisher so, als ob es für den Nerv selbst herzlich wenig nutzt, ihn zu dehnen.

Wirksamkeit auf die Nerven ist wissenschaftlich nicht belegt

Es gibt von wissenschaftlicher Seite keinen Nachweis, dass Dehnungen speziell für die Nerven bei Polyneuropathie etwas helfen könnten. Es gibt zwar Tierversuche, bei denen den armen Versuchstieren Gifte verabreicht wurden, die die Nerven schädigten und dadurch eine Polyneuropathie verursachten. Wenn die Nerven während dieser Prozedur gedehnt wurden, kam es tatsächlich zu einer weniger schlimmen Polyneuropathie. Ob dies allerdings bei Menschen ebenfalls funktioniert, bei denen die Polyneuropathie ganz andere Ursachen hat, ist bisher nicht nachgewiesen worden.

Nach meiner Erfahrung wenig Wirkung auf die Nerven - aber auf die Muskeln

Ich habe in meiner eigenen Praxis solche spezielle Nervendehnungen mit einigen Patienten ausprobiert. Leider konnte ich dabei keine Verbesserung der Nervenfunktion feststellen. Dies ist natürlich kein belastbarer wissenschaftlicher Beweis, allerdings gibt es wie gesagt bisher auch von anderer Stelle keine Belege für eine Besserung der Polyneuropathie durch Dehnungen.

Allerdings gibt es noch einen positiven Effekt durch die Dehnübungen bei Polyneuropathie:
Dehnübungen können Muskelverhärtungen vorbeugen und mildern. Denn Sie reduzieren die Spannung in der Muskulatur.

Muskelverhärtungen sind bei Polyneuropathie sehr häufig

Muskelverhärtungen, insbesondere der Wadenmuskulatur sind ein sehr häufiges Problem, das ich bei Patienten mit Polyneuropathie beinahe ausnahmslos beobachte. Denn die Bewegungen funktionieren aufgrund der Nervenschäden nicht mehr so wie bei einem gesunden Menschen und das führt sehr sehr häufig dazu, dass sich die Muskeln verhärten.

Und diese Muskelverhärtungen können gleich auf mehrere Arten Probleme - zusätzlich zur Polyneuropathie - verursachen:

1. Verhärtete Muskeln sind schwächer als entspannte Muskeln

Ein verhärteter, verkrampfter Muskel ist natürlich schwächer als ein entspannter Muskel. Wenn Sie also ohnehin durch die Polyneuropathie geschwächte Muskeln haben, dann verschlimmern Verhärtungen der Muskulatur diese Problematik natürlich zusätzlich.

2. Verhärtete Muskeln können gewaltige Schmerzen verursachen.

Die häufigsten Ursache von Schmerzen am Bewegungsaparat sind verhärtete Muskeln, das sogenannte Myofasziale Schmerzsyndrom. Das ist der Grund, warum zum Beispiel Massagen bei Schmerzen helfen können, denn dabei werden die verhärteten Muskeln gelöst, was die Schmerzen reduziert.

Wenn Sie aufgrund einer Polyneuropathie Schmerzen haben und zu dieser Problematik noch verhärtete Muskeln hinzukommen, verschlimmern sich dadurch auch die Schmerzen. Werden dann die Muskelverhärtungen gelöst, verbessern sich auch die Schmerzen. Ich hatte sogar schon Patienten mit Polyneuropathie, deren Schmerzen durch die Behandlung der Muskulatur vollständig verschwanden.

Ob der Schmerz durch Nervenschäden und Polyneuropathie oder durch eine verkrampfte Muskulatur entsteht, ist übrigens kaum zu unterscheiden. In sehr vielen Fällen spielen beide Schmerzursachen zusammen. Ob eine Behandlung der Muskulatur die Schmerzen reduzieren kann weiß man also erst, nachdem man eine Behandlung durchgeführt hat. Es muss also im Einzelfall getestet werden, ob dieser Ansatz erfolgversprechend ist.

3. Verhärtete Muskeln können Nerven komprimieren

Es gibt einige Engstellen, an denen Muskeln und Nerven sich relativ engen Raum teilen. Wenn der Muskel sich verhärtet, verändert er seine Form dadurch dass er dauernd verkürzt ist. Das heißt, er wird an bestimmten Stellen dicker.

Das kann dazu führen, dass der Muskel an den Engstellen auf den Nerv drückt und dadurch den ohnehin schon durch die Polyneuropathie geschädigten Nerv noch weiter in seiner Funktion beeinträchtigt.

Beispiele dafür sind die Halswirbelsäule und die Unterschenkel. Die Musculi Scaleni, und die Nerven, die die Finger versorgen, verlaufen an der Halswirbelsäule parallel. Wenn sich die Muskeln verhärten, können sie dadurch Probleme im ganzen Arm, bis in die Fingerspitzen auslösen. Das gleiche gilt für den Unterschenkel, wo der Musculus fibularis longus die Nerven, die die Zehen versorgen komprimieren kann.

Wenn eine solche Nervenkompression vorliegt, kann eine Behandlung der Muskeln beeindruckende Verbesserungen bewirken. Diese Möglichkeit wird bei Menschen mit Polyneuropathie häufig übersehen, da man alle Beschwerden auf die Polyneuropathie schiebt und keine zusätzlichen Ursachen in Betracht zieht.

Dehnübungen helfen auf Umwegen

All diesen Problemen können regelmäßige Dehnübungen vorbeugen. Man kann also sagen, dass Dehnübungen bei Polyneuropathie keinen direkten Effekt auf die Nerven haben, sie können aber auf Umwegen einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden haben.

Es ist daher also sinnvoll, bei Polyneuropathie Dehnübungen durchzuführen, auch wenn die Nerven selbst dadurch nicht geheilt werden. Es ist insbesondere sinnvoll, die Muskulatur der Waden und des Nackens ausgiebig zu dehnen.

Dabei sollte man darauf achten, lange genug zu dehnen. Denn kurze Dehnungen von nur ein paar Sekunden Dauer, wie man Sie häufig im Breitensport sieht reichen nicht aus um Verhärtungen der Muskeln zu reduzieren. Die Dehnung sollte mindestens eine Minute gehalten werden.

Dabei ist es nicht nötig, eine große Dehnspannung zu halten, die wehtut. Es ist besser, eine mittlere Spannung, die sich noch angenehm anfühlt für längere Zeit zu halten.