Bewegung gegen Krebs

Stark bleiben trotz Krebs!

Das erste woran die meisten Leute denken wenn Sie an Krebspatienten denken ist dass sie gebrechlich werden. Das heißt, sie haben weniger Kraft und Ausdauer und sind weniger Leistungsfähig. Sie können sich nicht mehr so viel zutrauen und müssen sich schonen und können nicht mehr alles machen was sie vorher konnten. Das stereotype Bild eines Krebspatienten ist ein schwacher Mensch der im Bett liegt und untätig hoffen muss dass er wieder gesund wird.

Macht Krebs einen wirklich schwächer?

Angenommen man leidet an Brustkrebs, betrifft dieser dann die Muskulatur? In den meisten Fällen zumindest in frühen Stadien nicht. Das gleiche gilt natürlich für Darmkrebs und viele andere Krebsarten: Die Muskulatur ist nicht betroffen. Das heißt, die Kraft die die Muskeln erzeugen können wird durch die Krebserkrankung nicht beeinträchtigt.

Das gleiche gilt für die Ausdauer. Wenn Sie zum Beispiel schlechter Luft bekommen wenn Sie eine Treppe hochgehen, dann liegt das daran dass Ihr Körper nicht genügend Sauerstoff aufnehmen kann. Allerdings ist die Sauerstoffaufnahme die in den meisten Fällen garnicht durch den Tumor selbst beeinträchtigt.

Das heißt der Krebs selbst macht Sie gar nicht direkt schwächer. Das ist einer der Gründe warum es viele Menschen gibt, bei denen Krebs erst viel zu spät bemerkt wird und die vorher genauso leistungsfähig wie immer waren.

Das heißt also: Weil man an Krebs leidet wird man nicht automatisch körperlich schwächer.

Zu viel Schonung schwächt den Körper

In vielen Fällen ist zu viel Schonung ein zusätzliches Problem. Es gab Studien in denen untersucht wurde was passiert wenn sich junge, gesunde Menschen einfach ins Bett legen und sich nicht mehr bewegen. Diese wurden von den Weltraumbehörden ESA und NASA durchgeführt um lange Aufenthalte in Raumschiffen mit Bewegungsmangel zu simulieren.

In diesen Studien verloren die Probanden 20-30% Ihrer Leistungsfähigkeit pro Woche! Sie können sich vorstellen was das für einen riesigen Unterschied im Alltag macht. Am Ende der Studie konnten die Probanden nicht mehr ohne Hilfe gehen. Ihr körperlicher Zustand war auf den ersten Blick nicht von dem eines schwer kranken Menschen zu unterscheiden.

Auch die Psyche leidet unter Bewegungsmangel

Wenn man sich zu wenig bewegt leidet auch die Psyche. Menschen mit Bewegungsmangel leiden häufiger an depressiven Gemütslagen und sind ängstlicher. In einer schwer belastenden Situation wie einer Krebserkrankung wird durch Bewegungsmangel der Leidensdruck also noch viel größer.

Die Dinge, die man üblicherweise Krebspatienten zuschreibt kommen also in ähnlicher Form durch Bewegungsmangel zustande.

Das heißt nicht, dass jemand der sich viel bewegt nichts vom Krebs spüren wird. Es heißt allerdings, dass das Leiden durch Bewegungsmangel noch schlimmer wird.

Was passiert wenn man trotz Krebs trainiert?

In meiner Praxis sehe ich häufig Patienten, die auch während einer Krebserkrankung durch ein Training fitter werden. Eine meiner Patientinnen schaffte es zum Beispiel, die Zahl ihrer Kniebeugen in wenigen Wochen nach der Brustkrebsoperation zu verdoppeln. Und zwar auch im Vergleich mit dem Zustand vor der Operation.

Natürlich geht das nicht immer und natürlich ist das kein Muss. Allerdings ist es häufiger möglich als man denkt.

Wer "trotzdem" trainiert wird stärker

Der Effekt von Training auf die körperliche Leistungsfähigkeit von Krebspatienten wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht. In einer beispielhaften Studie wurden Patienten untersucht, die im Mittel bereits 23 Chemotherapiezyklen hinter sich hatten. Sie trainierten zwei mal pro Woche 60 Minuten lang. Nach acht Wochen wurde die Ausdauer gemessen, indem die Strecke aufgezeichnet wurde, die die Patienten in 6 Minuten gehen konnten. Außerdem wurde die Kraft der Beine gemessen (Die Studie können Sie hier nachlesen: Zimmer et al. 2018).

Die Patienten, die am strukturierten Training teilnahmen konnten die Kraft in Ihren Beinen während des Training wesentlich verbessern (von 142 kg auf 180 kg in der Beinpresse). Während die Patienten die nicht trainierten Kraft verloren (166 kg auf 160 kg in der Beinpresse).

Leistungssteigerung ist nicht immer ein "Muss"

Natürlich gibt es allerdings auch Situationen, in denen man die Fitness nicht steigern kann oder wo man sogar auf körperliches Training verzichten sollte. Man sollte körperliches Training während einer Krebserkrankung nicht als absolutes Muss betrachten. Wenn man sich nicht gut fühlt muss man sich nicht jedesmal zwingen zu trainieren. Das Training sollte etwa sein dass gut tut und Spaß macht, kein Zwang. Es gibt darüber hinaus auch wichtige medizinische Gründe aus denen ein Training manchmal unterlassen werden muss (Diese finden Sie weiter unten auf dieser Seite).

Körperliche Leistungsfähigkeit = gesunde Organe

Wenn Sie es schaffen, durch ein körperliches Training Ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, dann bedeutet das, das viele Organe an Ihrem Körper besser funktionieren.
Denn um Kraft zu erzeugen muss zunächst die Muskulatur gut funktionieren. Allerdings muss die Muskulatur auch gut mit Sauerstoff versorgt werden. Dazu muss zunächst die Lunge viel Sauerstoff aufnehmen können, der ins Blut gelangt. Das Herz muss dieses Blut zu den Muskeln pumpen und die Durchblutung muss gut funktionieren, damit die Muskeln sich den Sauerstoff auch holen können. Um körperlich leistungsfähig zu sein müssen also alle diese Organe gut funktionieren.

Training verbessert die Gesundheit

Schaffen Sie es also, Ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern, dann verbessert sich auch die Funktion dieser Organe. Das Herz wird stärker, die Lunge nimmt mehr Sauerstoff auf, das Blut kann mehr Sauerstoff transportieren und die Blutgefäße bringen das Blut besser zur Muskulatur.
Das bedeutet nichts anderes, als dass man gesünder ist. Denn gut funktionierende Organe sind gesunde Organe.

Dadurch fühlt man sich auf besser. Auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie oder auch der Antihormontherapie werden dadurch gemildert. Zum Beispiel das Fatigue-Syndrom, die Festigkeit der Knochen, Kurzatmigkeit und Polyneuropathie werden durch körperliches Training verbessert.

Wer aktiv ist hat bessere Überlebenschancen

Die bessere Organfunktion hat natürlich auch eine Auswirkung auf die Überlebenschancen. Die Wahrscheinlichkeit, 5 Jahre nach einer Krebsdiagnose noch am Leben zu sein ist bei aktiven Menschen wesentlich höher. Dies ist ganz klar nachgewiesen für Patienten mit Darmkrebs und Brustkrebs und weitere Studien werden derzeit durchgeführt. Eine Studie zum Thema können Sie hier nachlesen: Friedenreich et al. (2019). In dieser Studie wurden die Daten aus 136 Studien zusammengetragen und in einer Metaanalyse kombiniert. Dabei wurde festgestellt, dasss die körperlich aktivsten Menschen eine um 38% geringere Mortalität hatten als die inaktivsten Menschen.
Diese große Reduktion muss ein wenig relativiert werden, da einer der Gründe für geringe Aktivität ist, dass man sehr krank ist und deshalb ein höheres Risiko zu Sterben hat. Allerdings sind sich die Wissenschaftler einig, dass körperliche Aktivität eine wesentliche Reduktion des Sterberisikos bewirkt.

Ein Grund dafür ist, dass viele Menschen, die an Krebs sterben garnicht am Krebs selbst sterben, sondern zum Beispiel an Lungenentzündungen und Herzinfarkten. Wenn Ihre Lunge und Ihre Herz aber von vornherein durch ein Training gestärkt wurden, können Sie eine solche Erkrankung eher überstehen als wenn die Organe vorher schon schwach waren.

Aktive Menschen haben ein stärkeres Immunsystem

Hinzu kommt, dass das Immunsystem ebenfalls von körperlicher Fitness profitiert. So kommt es bei körperlich fitten Menschen seltener zu Infektionskrankheiten, insbesondere der Atemwege. Und wenn es doch zu einer Infektion kommt kann nimmt diese dann seltener einen schweren Verlauf. Das zeigt sich unter anderem darin, dass körperlich fitte Menschen viel seltener Lungenentzündungen erleiden.

Sauerstoffaufnahmefähigkeit und Risiko für Lungenentzündungen

Wie Sie in der Grafik sehen können ist die Häufigkeit an Lungenentzündungen zu erkranken bei Menschen, die sehr fit sind nur etwa halb so hoch wie bei Menschen die körperlich schwach sind. Dabei wird hier die maximale Sauerstoffaufnahme als Maß der Fitness verwendet. Die maximale Sauerstoffaufnahme ist in der Sportwissenschaft das gebräuchlichste Maß dafür, wie fit jemand ist. Gleichzeitig zeigt sie allerdings natürlich auch an, wie gut die Lunge und das Herz-Kreislaufsystem funktionieren. Sie sehen auch hier also wieder: Fitness=Gesundheit.

Langfristige Wirkung

Die Vorteile körperlicher Aktivität zeigen sich übrigens nicht nur unmittelbar während der akuten Krebserkrankung. Auch Jahrzehnte später profitieren Menschen die körperlich aktiv sind noch. Denn wenn zum Beispiel die Knochendichte während einer Krebserkrankung durch körperliches Training erhalten wird, dann hat man später ein niedrigeres Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche. Das gleiche gilt für die Polyneuropathie. Wer mit dem entsprechenden Training den Nervenschäden entgegenwirkt bekommt häufig keine Symptome der Polyneuropathie oder erholt sich bald nach der Chemotherapie wieder. Während Menschen, bei denen sich die Polyneuropathie ungestört entwickelt oft ihr Leben lang Probleme haben.

Schon kurzes Training zeigt Wirkung

Übrigens erreicht man diese Wirkungen bereits mit relativ wenig Aufwand. Bei Darmkrebs zum Beispiel bringen bereits 4 Stunden Walking pro Woche eine wesentliche Reduktion des Sterberisikos. Das bedeutet nicht mehr als zwei ausgedehnte Spaziergänge pro Woche.
Was den Erhalt der Muskelkraft angeht reicht sogar noch weniger Zeitaufwand aus. In zwei mal 20 Minuten Training pro Woche lässt sich ohne weiteres ein Krafttraining durchführen, das die wichtigesten Muskelgruppen erhält oder sogar zusätzlich stärkt. Dazu sollte man lediglich wissen, welche Übungen genau man auf welche Weise, wie oft machen sollte. Man benötigt eben einen Trainingsplan. Einen solchen Trainingsplan entwickle ich gerne für Sie telefonisch. Sie können mich dazu gerne anrufen oder per Email kontaktieren:
Bitzer.Sporttherapie@gmail.com Telefon: 0176 66 86 9151.

Nur posivitive Nebenwirkungen zu erwarten

Wenn man Sport treibt hat das für Krebspatienten also eine ähnliche Wirkung wie ein Medikament. Ein großer Vorteil des Trainings ist allerdings, dass es nur positive Nebenwirkungen hat, vorausgesetzt man betreibt es auf die richtige Art und Weise. Denn dann macht Sport Sie nicht nur gesünder und körperlich stärker, sondern Sie fühlen sich zum Beispiel auch besser. Eine weitere Nebenwirkung sind soziale Aktivitäten. Wer körperlich fit ist ist eher in der Lage, sich mit Freunden und Familie zu treffen und angenehme Dinge zu tun. Deshalb berichten Menschen die an Krebs leiden und Sport treiben sehr häufig davon dass Sie eine höhere Lebensqualität haben als Menschen, die körperlich nicht aktiv sind. Der Sport hilft also ganz konkret dabei, sich trotz der Krankheit besser zu fühlen.

Also einfach drauflos sporteln?

Heißt das, dass jetzt jeder Krebspatient sofort losjoggen oder ins Fitnesstudio gehen sollte?
Natürlich nicht. Es gibt einige Dinge, die beachtet werden sollten bevor man mit einem Training beginnt.

Es gibt außerdem Momente, in denen man nicht trainieren sollte!

Wann man nicht trainieren sollte

Es gibt Regeln dazu, wann man als Krebspatient keinen Sport machen sollte.

  1. In den ersten 24 Stunden nachdem Sie eine Chemotherapie erhalten haben. Denn wenn man sportlich aktiv ist, steigert sich die Durchblutung wichtiger Organe. Dadurch wird dann in diese Organe auch mehr Chemotherapie-Wirkstoff gebracht, der dort Schäden verursachen kann, statt wie gewünscht den Tumor zu schädigen. Insbesondere das Herz ist dadurch gefährdet.
  2. Alle Arten von Infektionen, zum Beispiel Erkältungen und infektiösen Durchfällen. Auch wenn Sie Fieber haben oder Ihnen schwindlig ist dürfen Sie nicht trainieren.
  3. Bei sehr niedrigen Blutplättchen (<20 000 für Ausdauersport, <50 000 für Sportarten bei denen man sich stoßen kann und Krafttraining)
  4. Bei außergewöhnlich hohen oder niedrigen Leukozytenwerten sollten Sie zunächst mit einem Arzt sprechen und nachfragen, ob Sie trainieren dürfen

Dies sind die häufigsten Gründe um auf das Training zu verzichten. Natürlich gibt es im Einzelfall noch weitere Gründe aus denen man das Training unterlassen muss, die individuell mit einem Arzt oder Therapeuten besprochen werden müssen. Sehr häufig gibt es auch Dinge, die lediglich bestimmte Bewegungen einschränken, bei denen aber trotzdem auf angepasste Weise trainiert werden kann. So sollte zum Beispiel in den ersten Wochen nach einer Brustkrebs-Operation das Training der betroffenen Brust- und Armmuskulatur unterbrochen werden. Man kann aber trotzdem problemlos die Beine trainieren.

Freude an der Bewegung ist entscheidend

Übrigens gibt es  bis auf Extremsport eigentlich keine Sportarten die man grundsätzlich keinesfalls ausüben darf. Insbesondere wenn man Freude an einer bestimmten Sportart hat sollte man sie weiterhin ausüben, aber entsprechend anpassen. Wer zum Beispiel gerne Basketball spielt, der kann zum Beispiel auch während der Erkrankung Körbe werfen, wer Tennis spielt kann ein Techniktraining machen. Fast alle Sportarten lassen sich in schonender und ungefährlicher Form ausführen. Wie gesagt sollte man sich von der Freude an einer Bewegung leiten lassen um nicht nur Fitness und Gesundheit, sondern auch die Lebensqualität zu erhöhen.

Ein Trainingsplan hilft, Eroflge zu erzielen und Überlastung zu vermeiden

Der häufigste Fehler, der im Sport begangen wird ist, nicht nach Plan zu trainieren und das Training nicht zu dokumentieren. Das Training nicht zu planen und zu dokumentieren birgt folgende Risiken:

1. Man läuft Gefahr sich zu überlasten

2. Man verliert einen großen Teil des Trainingsfortschritts, weil das Training nicht an die sich verändernde Fitness angepasst wird.

3. Man weiß nicht, ob man ausgewogen trainiert, oder wichtige Teile des Training vergisst, beziehungsweise manche Dinge übertreibt.

Ein Trainingsplan ist übrigens ein sehr gutes Mittel um den Allgemeinzustand der Gesundheit zu beurteilen. Wenn Sie regelmäßig trainieren und dokumentieren was Sie im Training gemacht haben werden Sie Leistungsschwankungen bemerken. Wenn zum Beispiel ein Leistungseinbruch auffällt ist das ein guter Grund, sich ärztlich untersuchen zu lassen.

Ein Trainingsplan kann ganz einfach sein

Ein Trainingsplan kann aus einem einfachen Blatt Papier bestehen auf dem man notiert was man an welchem Tag gemacht hat. Noch ausgefeilter ist zum Beispiel eine Tabelle in der man Trainingsdatum und Übungen notiert. Das heißt man braucht nicht mehr zu machen als sich ein paar Zahlen zu notieren.

Im Idealfall sollte ein Trainingsplan natürlich mit einem Therapeuten erstellt werden. Falls Sie keinen Terhapeuten in Ihrer Nähe haben können Sie mich dazu gerne kontaktieren. Ein Trainingsplan lässt sich problemlos telefonisch erstellen. Gerade in Zeite erhöhter Infektionsgefahr bietet sich diese Variante, bei der Sie noch nicht mal das Haus verlassen müssen besonders an.