Schmerzen bei Polyneuropathie und was Sie dagegen tun können

Schmerzen bei Polyneuropathie haben zwei Hauptursachen:

  1. Schmerzende Nerven hier kann gezieltes Training des Nervensystems helfen. Insbesondere die Signalverarbeitung im Gehirn spielt eine Rolle bei den Nervenschmerzen. Sie lässt sich durch bestimmte Trainingsformen trainieren. Eine gute Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen kann die Situation stabilisieren und zumindest eine Verschlechterung bremsen. Die richtige Ernährung kann bei manchen Formen der Polyneuropathie zu einer Linderung beitragen oder zumindest die Verschlimmerung verhindern.
  2. Schmerzen aufgrund überlasteter Muskulatur hier können spezielle Massagen und Dehnungen sowie zielgerichtetes Training helfen und die Schmerzen oft wesentlich verbessern. Da sich bei Polyneuropathie die Muskelkraft verringert und die Koordination verschlechtert kommt es häufiger zu Muskelüberlastungen, die Schmerzen verursachen können.
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Schmerzen bei Polyneuropathie entstehen zum Teil im Gehirn

Was gegen die Schmerzen bei Polyneuropathie hilft - kurz zusammengefasst

Gegen Schmerzen bei Polyneuropathie kann helfen:

1. Training des Nervensystems
2. Massage und Dehnung der Muskeln
3. Gute Versorgung mit Nährstoffen (Vitamine B und D und Omega-3 Fettsäuren)
4. Physiotherapie mit Vibrationstraining und Elektrotherapie
5. Schmerzmittel

Für die Selbsthilfe sind das Training des Nervensystems und die Massage und Dehnung der Muskeln am einfachsten umzusetzen.

Warum tut Polyneuropathie weh?

Um etwas gegen die Schmerzen tun zu können muss man zunächst einmal wissen, wie die Schmerzen entstehen, bzw. was deren Ursache ist. Denn nur wenn man die Ursachen genau versteht kann man auch Mittel zur Abhilfe finden.

Die Vorstellung, dass die Nerven eben Schmerzen verursachen weil Sie geschädigt sind ist zu unpräzise und einer der Gründe warum man oft annimmt dass es keine Hilfe gibt.

Die Hauptursachen der Schmerzen bei Polyneuropathie

1. Schmerzende Nerven (Neuropathische Schmerzen) und veränderte Signalverarbeitung.

Polyneuropathie verursacht nicht bei allen Patienten Schmerzen. Es kann vorkommen, dass zwei Menschen die exakt gleiche Diagnose gestellt bekommen, einer aber sehr starke Schmerzen hat, der andere hingegen gar nichts merkt. Woran liegt das?

Schmerzen entstehen durch die Art wie Signale im Nervensystem verarbeitet werden. Bei Polyneuropathie können bestimmte Hirnareale überempfindlich sein und deshalb Schmerzen melden obwohl gar kein "echtes" Problem besteht (eine Quelle dazu finden Sie hier: Fischer & Waxman (2010)). Es kommt also darauf an, was im Gehirn geschieht, nicht nur darauf, was dort passiert wo man den Schmerz fühlt.

Deshalb kann es gegen die Schmerzen helfen, wenn man das Nervensystem speziell trainiert. Insbesondere das Training der Wahrnehmung des Körpers und der Koordination sind dafür hilfreich. Übungen finden Sie unten.

2. Überlastete Muskulatur

Außerdem kann es vorkommen, dass nicht nur aufgrund der Nervenschäden, sondern auch aufgrund von Überlastungen der Muskulatur Schmerzen entstehen.

Aufgrund der Polyneuropathie sinkt die Muskelkraft und die Bewegungsmuster verändern sich. Deshalb kommt es häufig zu Überlastung, die man aber zunächst nicht bemerkt, weil man aufgrund der Erkrankung eine verringerte Wahrnehmung hat.

Wenn das der Fall ist, lassen sich die Schmerzen oft sehr gut durch Massage und Dehnung reduzieren. Es ist dazu sehr wichtig, genau zu wissen, an welchen Stellen der Schmerz ist. Zum Beispiel benötigen Schmerzen des Fußrückens Massage und Dehnung ganz anderer Stellen als Schmerzen an der Fußsohle. Wenn man diese Stellen kennt, kann die Behandlung allerdings recht einfach sein.

Überlastete Muskeln können bei Polyneuropathie Schmerzen auslösen

Hilft wirklich nichts außer Schmerzmitteln?

Wenn man sich mit Polyneuropathie beschäftigt hört man meistens, dass es keine Heilung gibt und auch nichts, das gegen die Schmerzen hilft außer Schmerzmitteln. Meine persönliche Erfahrung als Therapeut ist allerdings, dass es doch Methoden gibt die helfen können. Auch einige wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass es Möglichkeiten zur Linderung der Schmerzen gibt.

Ich möchte Ihnen hier zwei Methoden vorstellen, die überraschend einfach sind und problemlos zu Hause angewandt werden können. Am besten probieren Sie sie direkt beim Lesen aus. Am Ende des Artikels gehe ich noch auf weitere Schmerzursachen und Behandlungsmöglichkeiten ein.

Ich bin Sportwissenschaftler und Sporttherapeut und arbeite deshalb nach einem Ansatz, der sich wie folgt zusammenfassen lässt: Das stärken was noch funktioniert, statt das zu reparieren was kaputt ist. Bezogen auf die Schmerzen bei Polyneuropathie bedeutet das, das Nervensystem zu trainieren und die Muskeln in einem guten Zustand zu halten. Dadurch lassen sich häufig die Schmerzen wesentlich reduzieren. Was ich vorstelle ist also eine Anleitung zur Selbsthilfe und kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.

Mit diesen Methoden kann man keine Nerven heilen – aber quasi über Umwege trotzdem die Schmerzen reduzieren. Die Polyneuropathie bleibt also bestehen, die Schmerzen können aber trotzdem nachlassen.

Training des Körpergefühls und der Muskeln hilft gegen Schmerzen - auch wenn die Nerven geschädigt sind!

Die Methoden für die Selbsthilfe gegen Schmerzen

In der ersten Hälfte dieses Artikels möchte ich Ihnen das Training des Nervensystems vorstellen. Damit verbessert man die Wahrnehmung des Körpers und die Koordination und reduziert mit der Zeit bei konsequentem Üben die Schmerzen.

In der zweiten Hälfte des Artikels erkläre ich Ihnen, wie Massage und Dehnung der Muskeln, die Schmerzen reduzieren können – bei manchen Menschen sofort.

1. Training des Nervensystems

Als Sporttherapeut wendet man dauernd Trainingsmethoden an, um körperliche Probleme zu lösen. Das kann bedeuten, ein Körperteil zu stärken um Schäden an einer anderen Stelle auszugleichen. Wer zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall hat, kann durch Kräftigung der Rückenmuskeln häufig die Schmerzen loswerden. Dadurch wird der Bandscheibenvorfall nicht geheilt, denn die Bandscheibe selbst wird nicht trainiert. Die Schmerzen werden aber trotzdem besser, wenn die Muskeln stärker und die Wirbelsäule dadurch stabiler wird. Stärken an einer Stelle können also Schwächen an anderer Stelle ausgleichen. Diesen Ansatz kann man sich auch bei Polyneuropathie zunutze machen um die Schmerzen zu verbessern.

Denn wenn bei der Polyneuropathie die Nerven in Füßen oder Händen Schaden nehmen, lässt sich das durch Training nicht umkehren. Allerdings lässt sich trainieren, wie das Nervensystem damit umgeht.

Das Nervensystem ist das am schnellsten und besten trainierbare Organ das wir haben. Und es lässt sich fast ohne körperliche Anstrengung trainieren. Man kann also auch wenn man sehr schwach ist Übungen für das Nervensystem machen. Solche Übungen werden schon seit langem erfolgreich als Koordinationstraining angewandt. Dass sie auch bei Polyneuropathie sinnvoll sind ist allerdings relativ neu.

Dass man das Nervensystem trainieren und dadurch die Schmerzen reduzieren kann, wurde quasi zufällig festgestellt. Auf der Suche nach einer Methode, Patienten mit Polyneuropathie besseres und sichereres Gehen zu ermöglichen, trainierten Wissenschaftler mit den Patienten das Gleichgewicht. Das heißt, man übte, in wackeligen Positionen stehen zu bleiben. Dabei muss das Nervensystem andauernd genau spüren, in welcher Position man sich befindet, wie der Untergrund sich anfühlt und wieviel Muskelspannung vorhanden ist. Zusätzlich müssen alle diese Informationen noch sinnvoll interpretiert werden und eine Reaktion darauf erfolgen – Schwerstarbeit für das Nervensystem.

Dadurch verbesserte sich wie erwartet das Gleichgewicht der Patienten deutlich. Überraschenderweise hatten die trainierten Patienten aber auch weniger Schmerzen.

Bei weiteren Untersuchungen stellte man allerdings fest, dass die Nerven der Patienten, die trainierten genauso geschädigt waren wie die der Patienten, die nicht trainierten. Das heißt also: Die Verbesserung der Schmerzen kam nicht durch eine Heilung der Nerven zustande. Stattdessen schien der Körper durch das Training zu lernen, die Nervenschäden auszugleichen.

Patienten die ihr Gleichgewicht trainieren haben weniger Missempfindungen nach Chemotherapie, die Polyneuropathie auslöst

Wie Sie Nervensystem und Körpergefühl trainieren

Das Körpergefühl trainieren

Das beste Mittel das wir dazu haben ist das Training des Gleichgewichts. Dadurch verbessert sich Ihre Fähigkeit, den Körper wahrnehmen und steuern zu können, also das Körpergefühl. Ihr Körper lernt also, Reize aus den Nerven besser zu verarbeiten. Und bei einigen Patienten bessern sich dadurch die Schmerzen.

Dass das Körpergefühl trainierbar ist, ist seit langem bekannt. Sportler trainieren so seit langem und schützen sich damit vor Verletzungen, Ältere verbessern ihre Gangsicherheit und stürzen nach dem Training seltener. Mehr zur Vermeidung von Sportverletzungen finden Sie hier: Nie mehr umknicken

Neu ist, dass dieses Training auch Schmerzen bei Polyneuropathie reduzieren kann.

Es ist wichtig zu verstehen, dass durch ein solches Training nicht alle Schmerzen verschwinden, denn die Schäden in den Nerven können durch das Training nicht geheilt werden. Es kommt aber häufig zu einer Besserung der Symptome. Man muss allerdings geduldig sein, denn die Verbesserung kommt schleichend über Monate.

Es gibt auch Menschen, bei denen die Schmerzen sich durch Training nicht verbessern .Woran das liegt ist bis jetzt nicht geklärt. Aber auch wenn das der Fall ist, bewirkt das Training des Gleichgewichts eine bessere Koordination, sichereres Gehen und eine bessere Mobilität.

Wer sein Gleichgewicht trainiert stürzt trotz Polyneuropathie seltener

Schmerzen entstehen im Gehirn

Ich war 2012/13 bei der Datenauswertung einer Studie zum Thema beteiligt und erinnere mich, wie man sich den Kopf darüber zerbrach wie diese Schmerzreduktion zustande kam.

Klar war lediglich, dass es sich um einen Vorgang im Gehirn handelt.

Meine persönliche Hypothese ist folgende:
Das Nervensystem ist ein System zur Signalübertragung und lässt sich bildlich gesprochen mit einem Radio vergleichen. Es gibt einen Sender (die Nerven in Füßen oder Händen) und einen Empfänger (das Gehirn). Wenn das Signal gestört wird, kommt statt einem klaren Signal ein Rauschen (Schmerzen) beim Empfänger an. Das ist beim Nervensystem nicht anders als beim Radio. Das Rauschen im Radio entspricht den Schmerzen oder Missempfindungen bei Polyneuropathie.

Wenn man statt einem klaren Signal im Radio ein Rauschen empfängt, neigt man dazu, die Lautstärke zu erhöhen, um trotzdem etwas verstehen zu können. Dadurch wird allerdings auch das unerwünschte Rauschen lauter.

Auch das Gehirn ist in der Lage, das „Empfängerareal“ empfindlicher einzustellen. Die Gehirnareale, die die Signale aus Händen oder Füßen empfangen, werden dann empfindlicher. Man kann sagen, das Gehirn hört genauer hin. Dadurch wird allerdings auch das „Rauschen“ stärker. Dies trägt zu allen bekannten Missempfindungen bei Polyneuropathie bei - von Kribbeln bis Schmerzen.

Diesen Zusammenhang können Sie hier nachlesen:

Fischer & Waxman (2010)

Sie sehen also: Die Schmerzen bei Polyneuropathie entstehen nicht nur in Händen oder Füßen, sondern eben zum Teil auch im Gehirn.

Das gibt uns einen Ansatzpunkt für das Training und Hoffnung auf Hilfe gegen die Schmerzen. Denn das Gehirn ist das am besten trainierbare Organ das wir haben.

Schmerzen beim Gehen

Wenn Ihre Schmerzen beim Gehen besonders stark sind, kann es hilfreich sein, Gleichgewichtsübungen zu machen. Damit verbessern Sie Ihre Koordination und lernen, die Bewegungen schonender auszuführen.

Außerdem sollten Sie versuchen, die betroffenen Regionen wie unten beschrieben zu massieren und zu dehnen. Häufig entstehen nämlich Schmerzen beim Gehen durch überlastete Muskeln. Wenn die Muskeln gelockert werden lindert das oft auch die Schmerzen - obwohl die Polyneuropathie weiterhin besteht. Wenn Sie bei den ersten Schritten keine Schmerzen haben und diese erst auftreten wenn Sie ein Stück gegangen sind ist es sehr wahrscheinlich, dass die Schmerzen zumindest teilweise von überlasteten Muskeln und nicht von der Polyneuropathie ausgelöst werden.

Falls Sie ausschließlich beim Gehen Schmerzen haben und in Ruhe keine Schmerzen empfinden, sollten Sie darüber hinaus auf die richtigen Schuhe achten. Da man seine Füße aufgrund der Polyneuropathie nicht mehr so gut spüren kann, nimmt man häufig nicht genau wahr, wenn Schuhe zu eng sind oder nicht richtig passen. Probieren Sie einmal verschiedene Schuhe aus und achten Sie darauf, ob die Schmerzen mit einem bestimmten Modell weniger sind. Leider gibt es nicht "das Modell" das für jeden Polyneuropathiepatienten sinnvoll ist. Tendenziell ist allerdings zu stabilen Schuhen zu raten, die genug Stabilität bieten um Stolpern und Umknicken zu verhindern. Gleichzeitig sollten die Schuhe aber eine relativ weiche Sohle haben, sodass sich der Druck gut verteilen kann.

Sicher wollen Sie jetzt auch Übungen kennenlernen. Ich stelle Ihnen hier eine Übungsabfolge zum sofort Ausprobieren vor.

Die Übungen sind körperlich nicht anstrengend, denn wie gesagt soll das Nervensystem trainiert werden, nicht die Muskeln.

Falls Sie noch mehr Übungen kennenlernen wollen empfehle ich Ihnen das Schmerzfrei Set.

Darin finden Sie eine ausführliche Übungsanleitung mit 32 verschiedenen Übungen, sowie ein BitzerPad, mit dem man das Gleichgewicht noch gezielter trainieren kann und einen Übungsball. Außerdem ist das Buch "Fußschmerzen selbst behandeln" darin enthalten, mit dem Sie lernen, Ihre Füße und Unterschenkel selbst zu massieren und zu dehnen.

Ich zeige Ihnen jetzt also eine Auswahl an Übungen zum Ausprobieren.

Fangen Sie mit der ersten und einfachsten Übung an und arbeiten Sie sich langsam zu den schwereren Varianten vor. Wenn Sie bei einer Übung Probleme haben das Gleichgewicht zu halten, es aber gerade noch schaffen, ist dies für Sie der richtige Schwierigkeitsgrad. Üben Sie so lange, bis sie Ihnen leichter fällt und wählen Sie dann die nächst schwierigere Übung.

Die Übungen sind so gewählt, dass für jeden, vom sehr schwachen Patienten bis zu sehr leistungsfähigen etwas dabei ist. Erwarten Sie deshalb nicht zu viel von sich selbst. Die Übungen sind absichtlich so ausgewählt dass die schwierigen Varianten ohne Übung kaum zu schaffen sind.

Seien Sie geduldig, die Übungen haben nur einen wirklichen Effekt, wenn man sie über längere Zeit täglich für ein paar Minuten durchführt.

Sicherheit geht vor.

Um während des Übens keine Gefahr einzugehen zu stürzen, sollten Sie immer auf sichere Weise üben. Stellen Sie sich deshalb zum Üben zwischen einen Tisch und einen stabilen Stuhl oder Sessel. Falls Sie das Gleichgewicht verlieren setzen Sie sich einfach hin oder halten Sie sich am Tisch fest.

Die Übungen

Stellen Sie sich zunächst ganz normal hin. Wenn Ihnen das gut gelingt schließen Sie die Augen. Das Schließen der Augen bewirkt, dass Sie auf die Informationen aus Ihrem Körper angewiesen sind statt auf das Sehen. Dadurch wird das Körpergefühl gezielter trainiert.

Um das Körpergefühl trotz Polyneuropathie zu verbessern trainieren Sie das stabile Stehen mit geschlossenen Beinen. Wenn Sie das gut können schließen Sie außerdem die Augen.

Wenn Ihnen die erste Übung leicht fiel, setzen Sie jetzt einen Fuß nach vorne, sodass sich der Fußballen des hinteren Fußes und die Ferse des vorderen Fußes berühren. Versetzen Sie allerdings die Füße leicht seitlich nebeneinander.

Sollte das ebenfalls problemlos möglich sein, schließen Sie die Augen.

Die nächst schwierigere Variante ist, die Füße direkt voreinander zu stellen, sie also nicht mehr seitlich zu versetzen. Auch dies können Sie mit geschlossenen Augen versuchen.

Falls Sie diese Übung nicht schaffen, ist das völlig in Ordnung. Sie ist schon recht anspruchsvoll und selbst für Menschen ohne Polyneuropathie oft nicht einfach.

Als Steigerung für das Training des Körpergefühls trotz Polyneuropathie stellen Sie die Füße direkt voreinander und versuchen, weiterhin stabil zu stehen. Wenn Sie das gut können schließen Sie außerdem die Augen.

Falls Sie bei der letzten Übung noch nicht ins Wackeln gekommen sind, dann stellen Sie sich jetzt auf ein Bein.

Als Steigerung schließen Sie wieder die Augen.

Als weitere Steigerung für das Training des Körpergefühls trotz Polyneuropathie stellen Sie sich auf ein Bein. Wenn Sie das gut können schließen Sie außerdem die Augen.

Als letzte und schwierigste Übung können Sie sich einbeinig auf die Zehenspitzen stellen. Wenn Sie auch dies mit geschlossenen Augen schaffen, ist Ihr Gleichgewicht besser als das der meisten gesunden Freizeitsportler.

Die schwierigste Übung für das Körpergefühl bei Polyneuropathieist das einbeinige Stehen auf den Zehenspitzen. Wenn Sie das mit geschlossenen Augen können sind Sie besser als die meisten Freizeitsportler.

Mit diesem Training verbessern Sie nicht nur Ihr Körpergefühl und hoffentlich Ihre Schmerzen, sondern schützen sich außerdem vor Stürzen. Denn je besser Ihr Gleichgewicht ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Sie hinfallen und sich dabei verletzen.

Die hier gezeigten Übungen sind natürlich nur eine kleine Auswahl. Es gibt darüber hinaus zahlreiche weitere Übungen für das sichere Gehen und für die Feinmotorik der Hände.

Um ein umfassendes Paket für das selbständige Training zu Hause anbieten zu können habe ich das Schmerzfrei Set entwickelt. Darin finden Sie eine ausführliche Übungsanleitung mit zahlreichen weiteren Übungen für das Körpergefühl und gegen Muskelschmerzen. Das Schmerzfrei Set finden Sie unter diesem Link: Schmerzfrei Set
Weitere Übungen zum Ausprobieren finden Sie auch hier: Übungen bei Polyneuropathie

Bei Polyneuropathie leiden auch die Muskeln - und verursachen Schmerzen

2. Behandlung der Muskeln

Um den Schmerzen bei Polyneuropathie beizukommen gibt es einen zweiten Ansatz: die Behandlung der Muskeln mit Massage und Dehnung. Ich hatte bereits einige Patienten, die nach einer solchen Behandlung komplett schmerzfrei waren. Noch häufiger allerdings werden die Schmerzen besser, verschwinden aber nicht ganz.

Eine meiner Patientinnen hatte zum Beispiel starke Schmerzen an den gesamten Füßen, von den Zehenspitzen bis zur Achillessehne. Nach einigen Behandlungen verschwanden die Schmerzen am Großteil der Füße, lediglich die Zehen taten ihr weiterhin weh. Ein weiterer Patient mit Polyneuropathie hatte starke Schmerzen am Unterschenkel. Nach nur einer Behandlung der Wadenmuskulatur verschwanden die Schmerzen bei ihm komplett.

Auch die Muskeln leiden bei Polyneuropathie

Aber wie kann das sein? Polyneuropathie ist doch eine Erkrankung der Nerven, nicht der Muskeln!

Das liegt daran, dass sich bei Polyneuropathie die Muskelkraft verringert und die Bewegungsmuster sich verändern. Außerdem spürt man oft aufgrund des eingeschränkten Gefühls nicht mehr, was genau in den Muskeln vor sich geht. Deshalb werden die Muskeln häufig bereits im Alltag überlastet. Und auch Muskeln können wehtun. Wenn Sie aufgrund der Polyneuropathie schlechter Gehen können und weniger Kraft haben, dann ist das problematisch für die Muskeln. Aufgrund der Überlastung neigen sie dazu sich zu verspannen oder zu verkrampfen, was unglaubliche Schmerzen verursachen kann. Ob der Schmerz dann von den Muskeln kommt, oder von den erkrankten Nerven ist nicht zu unterscheiden.

Man nennt solche schmerzenden Muskeln medizinisch das Myofasziale Schmerzsyndrom und es ist die mit Abstand häufigste Ursache von Schmerzen am Bewegungsapparat. Leider wird es allerdings sehr sehr oft übersehen, denn wenn ein Patient einmal den Stempel „Polyneuropathie“ erhalten hat, werden andere Ursachen der Schmerzen nicht mehr in Betracht gezogen.

Allerdings ist die Behandlung überraschend einfach und jeder kann sie selbst durchführen, wenn man einige wenige Grundlagen darüber weiß. Im Schmerzfrei Set finden Sie mein Buch „Fußschmerzen selbst behandeln“ mit einer ausführlichen, aber leicht verständlichen Anleitung zu Selbstbehandlung.

Triggerpunkte - Minikrämpfe die Schmerzen machen

Das Wichtigste was man wissen muss um sich selbst gegen die Schmerzen zu helfen ist, dass sich nicht immer die gesamten Muskeln verkrampfen, sondern meist nur Anteile weniger Muskelfasern. Diese sind oft nur so klein wie eine Murmel, bewirken aber große Schmerzen in einem ganzen Körperteil. Sie werden deshalb Triggerpunkte genannt (Trigger heißt auf Englisch Auslöser, es handelt sich also um Schmerzauslösepunkte). Wenn man die Triggerpunkte durch Massage und Dehnung löst, verschwinden auch die Schmerzen - häufig sogar sofort.

Die richtigen Stellen finden

Das einzig Komplizierte dabei ist, den richtigen Triggerpunkt zu finden. Häufig liegt dieser an einer ganz anderen Stelle, als wo der Schmerz gefühlt wird. Triggerpunkte im Unterschenkel können zum Beispiel häufig Schmerzen in der Fußsohle auslösen. Jeder Triggerpunkt verursacht Schmerzen an einer typischen Stelle. Diese wiederholen sich von Mensch zu Mensch. Wenn man genau weiß, wo die Schmerzen sind, kann man deshalb recht leicht bestimmen, wo der zugehörige Triggerpunkt liegt.

Eine Aufstellung aller relevanter Triggerpunkte finden Sie in meinem Buch „Fußschmerzen selbst behandeln“, das im Schmerzfrei Set enthalten ist.

Auf den folgenden Abbildungen finden Sie Beispiele für wichtige Triggerpunkte und deren Ausstrahlungsmuster. Sie können an den mit Kreuzen markierten Stellen Ihre eigenen Beine tasten. Wenn Sie dort Stellen finden, die bei etwas Druck schmerzhafter sind als die Umgebung, haben Sie einen Triggerpunkt gefunden. Tasten Sie dann noch etwas genauer nach und suchen Sie die aller schmerzhafteste Stelle. Diese sollte die meiste Aufmerksamkeit beim massieren bekommen. Folgen Sie zum Massieren der Anleitung unten und führen Sie danach die Dehnung durch.

Dehnung und Massage bei Schmerzen der Wade bei Polyneuropathie

Triggerpunkte im Wadenmuskel Gastrocnemius können Schmerzen an der ganzen Rückseite des Unterschenkels und in der Fußsohle verursachen.

Um die Schmerzen zu reduzieren massieren Sie die mit einem Kreuzchen markierte Stelle. (Eine Massageanleitung finden Sie unten in diesem Artikel unter "Wie man einen Triggerpunkt massiert"). Nach der Massage sollten Sie den Muskel dehnen.

Die Dehnung bei Schmerzen der Wade bei Polyneuropathie funktioniert wie folgt:

Stellen Sie sich dazu vor einen Stuhl und legen Sie ein Bein auf die Sitzfläche. Ziehen Sie die Fußspitze nach oben und strecken Sie das Knie. Lehnen Sie sich nun mit dem Oberkörper nach vorne.
Falls Sie Probleme dabei haben das Gleichgewicht zu halten, können Sie sich auch auf einen Stuhl setzen, das Bein ausstrecken, die Zehen nach oben ziehen und sich so weit nach vorne lehnen, dass in der Wade ein Dehngefühl entsteht.

Schmerzen der Wade bei Polyneuropathie

Schmerzen der Waden können auch bei Polyneuropathie recht oft durch Massage und Dehnung reduziert werden. Die Schmerzen treten bei Polyneuropathie meist zuerst in den Zehenspitzen oder Fingern auf. Wenn die Schmerzen hingegen näher am Körperzentrum auftreten ist es relativ wahrscheinlich, dass die Ursache der Schmerzen eine Muskelüberlastung ist. Diese Muskelüberlastung entsteht als Folge der Polyneuropathie, weil die Bewegungen sich verändern und man weniger leistungsfähig wird. Wenn die Muskeln behandelt werden können deshalb auch die Schmerzen weniger werden.

Ich hatte wiederholt Patienten mit Polyneuropathie, die Schmerzen in der Wade hatten und nach einer Behandlung der Muskeln komplett schmerzfrei waren. Natürlich ist das nicht bei jedem der Fall, aber die Massage und Dehnung sind einen Versuch wert.

Triggerpunkte können zusätzlich zur Polyneuropathie Schmerzen in der Wade auslösen
Diese Dehnübung kann die Schmerzen in der Wade bei Polyneuropathie reduzieren

Dehnung und Massage bei Schmerzen der Zehen bei Polyneuropathie

Die Beuger der großen Zehe können Schmerzen in der großen Zehe verursachen. Allerdings liegt der lange Zehenbeuger (Musculus flexor hallucis longus) weit entfernt an der Rückseite des Unterschenkels. Deshalb wird er als Auslöser von Schmerzen der Großzehe oft nicht erkannt.

Auch der kurze Zehenbeuger (Musculus flexor hallucis brevis) kann Schmerzen der Großzehe verursachen. Er liegt hinter dem Fußballen in der Fußsohle.

Um die Zehenbeuger zu dehnen wird die Fußspitze so auf einen Stuhl gestellt, dass die Ferse frei nach unten gedrückt werden kann und eine Vorspannung entsteht. Dann wird mit den Händen die Großzehe nach oben gezogen. Es entsteht eine Dehnspannung im untersten Teil des Unterschenkels oder an der Fußsohle.

Schmerzen der Zehen und Füße bei Polyneuropathie

Die Zehenspitzen sind meist als erstes von Polyneuropathie betroffen und danach breiten sich die Symptome weiter in die Füße aus. Das liegt daran, dass die Nerven, die die Zehen versorgen die längsten Nerven am ganzen Körper sind. Sie müssen Signale über den ganzen Weg vom Rückenmark bzw. Gehirn bis in die Zehenspitzen leiten. Bei der Polyneuropathie sammeln sich auf dieser langen Strecke oft viele kleine Schäden in den Nerven an und verschlechtern die Reizleitung. Vereinfacht ausgedrückt entstehen die Schmerzen also deshalb zuerst in den Zehen, weil die Nerven die dorthin führen die größte "Angriffsfläche" für die Erkrankung bieten.

Allerdings spielen häufig auch Muskelverkrampfungen in den  Muskeln die die Zehen bewegen eine Rolle für die Schmerzen. Oft werden die Schmerzen weniger wenn man diese Muskeln massiert.

Am besten probieren Sie die Dehnung und Massage wie hier beschrieben einmal aus um zu sehen, ob die Schmerzen dadurch besser werden.

Übrigens kann es manchmal gegen die Schmerzen helfen, die Füße etwas zu kühlen. Dazu kann man Beispiel eine Wärmflasche mit kaltem Wasser füllen und die Füße darauf legen.

Dieser Triggerpunkt im langen Zehenbeuger kann bei Polyneuropathie Schmerzen der großen Zehe auslösen. Massage und Dehnung dieses Muskels können die Schmerzen reduzieren.
Bei Polyneuropathie können Schmerzen der großen Zehe durch Triggerpunkte im kurzen Zehenbeuger ausgelöst werden. Massage und Dehnung dieses Muskels können die Schmerzen reduzieren.
Diese Dehnübung für die Zehenbeuger kann die Schmerzen der großen Zehe bei Polyneuropathie reduzieren, wenn zusätzlich Triggerpunkte vorliegen.

Schmerzen der Ferse bei Polyneuropathie

Auch bei Schmerzen der Ferse haben Sie relativ gute Chance auf Besserung, wenn die Schmerzen sich auf die Ferse beschränken. In diesen Fällen ist es relativ wahrscheinlich dass Verkrampfungen der Muskulatur zu den Schmerzen beitragen.
Dabei spielt ein Muskel an der Fußsohle, der Quadratus Plantae eine wichtige Rolle. Legen Sie dazu einfach einen Tennisball oder einen kleinen harten Gummiball (zum Beispiel einen Flummi) unter die Fußsohle, drücken Sie mit dem Fuß darauf und bewegen Sie ihn vor und zurück. Diesen Muskel zu dehnen ist schwierig, deshalb empfehle ich ihn lediglich zu dehnen.

Dieser Triggerpunkt kann Schmerzen an der Ferse auslösen und so die Schmerzen bei Polyneuropathie verstärken

Bei Polyneuropathie können die Schmerzen der Ferse auch von Muskeln im Unterschenkel ausgelöst werden

Schmerzen der Ferse können außerdem von Triggerpunkten in einem Muskel im Unterschenkel ausgelöst werden: dem M. Soleus. Dieser Muskel neigt allgemein dazu überlastet zu werden. Bei der Polyneuropathie ist diese Tendenz natürlich noch ausgeprägter und Muskelverhärtungen des Soleus sind hier deshalb sehr häufig.

Wenn Sie die Triggerpunkte im  Soleus massieren und dehnen werden oft Schmerzen an der Ferse und auch der Achillessehne besser - obwohl die Polyneuropathie weiterbesteht.

Mit dieser Dehnübung entspannen Sie den M. Soleus und können häufig die Schmerzen reduzieren

Nachdem Sie die Muskeln massiert haben sollten Sie sie dehnen, um einen Nachhaltigeren Effekt zu erreichen. Die Muskeln im Unterschenkel lassen sich besonders einfach dehnen (Siehe Foto). Es ist insbesondere wichtig, die Dehnung lange genug zu halten. Wenn man nur wenige Sekunden dehnt hat das kaum eine positive Wirkung. Halten Sie die Dehnung am besten mindestens eine Minute lang.

Wie man einen Triggerpunkt massiert

Hat man den Triggerpunkt einmal gefunden, ist die Behandlung sehr sehr einfach.

Man sucht mit dem Finger die Stelle, die am  schmerzhaftesten ist. Dann bewegt man während man ganz leichten Druck ausübt den Finger zwei bis drei Zentimeter nach oben oder unten. Das ist unsere Ausgangsposition. Dann drückt man fester in den Muskel und bewegt den Finger über den schmerzhaften Punkt, bis der Schmerz auf der anderen Seite wieder nachlässt. Man bewegt die Finger dann wieder mit ganz leichtem Druck an die Ausgangsposition zurück und wiederholt denselben Vorgang etwa 20 mal. Danach pausieren Sie mit der Massage für mindestens eine Stunde, um den Triggerpunkt nicht zu überreizen.

Dabei sollte ein fester Druck ausgeübt werden, sodass ein deutlicher Schmerz spürbar ist. Dieser Schmerz sollte aber nur so stark sein, dass er sich gerade noch angenehm anfühlt. Man spricht vom sogenannten Wohlschmerz. Drückt man so stark, dass ein unangenehmes Schmerzgefühl entsteht, reagiert der Körper mit einer Abwehrspannung. Dadurch wird die Verkrampfung eher noch verschlimmert. Drückt man zu schwach, so dass man überhaupt keinen Schmerz wahrnimmt, wirkt die Massage allerdings nicht. Lassen Sie sich am besten davon leiten, was sich einfach gut anfühlt.

Einen guten Anhaltspunkt bekommen Sie übrigens von Ihren Fingernägeln. Wenn Sie so stark drücken, dass die Fingernägel gerade beginnen weiß zu werden, haben Sie den richtigen Druck für die meisten Triggerpunkte gefunden.

Schmerzen der Füße bei Polyneuropathie: Fußschmerz ist nicht gleich Fußschmerz

Die meisten Menschen die aufgrund der Polyneuropathie Schmerzen haben sagen, der Schmerz trete "an den Füßen" auf. Wenn man die Schmerzen wirkungsvoll behandeln will ist es allerdings wichtig, zu wissen, wo genau an den Füßen die Schmerzen sind. Schmerzen an der Ferse benötigen zum Beispiel eine andere Behandlung als Schmerzen an den Zehen.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Chancen auf Besserung der Schmerzen umso besser sind, wenn nicht die Zehen, sondern andere Teile der Füße betroffen sind. In aller Regel beginnen die Schmerzen nämlich an den Zehen, da die Nerven die Sie versorgen am anfälligsten für die Polyneuropathie sind. Wenn Fußrücken, Wade oder Ferse Schmerzen, dann können Massage und Dehnung der Muskeln die Schmerzen oft wesentlich verbessern.

Schmerzen im Knie und in den Beinen

Schmerzen treten bei Polyneuropathie meist zuerst in den Zehenspitzen und Füßen oder in den Händen auf. Wenn man ausschließlich Schmerzen in den Knien oder Oberschenkeln hat, ist die Ursache meist nicht die Polyneuropathie. Auch wenn zum Beispiel das Knie und die Zehenspitzen schmerzen, der Bereich dazwischen aber nicht, ist es recht wahrscheinlich, dass die Knieschmerzen nicht direkt durch die Polyneuropathie ausgelöst werden, obwohl das für die Schmerzen der Zehen der Fall ist.
In solchen Fällen sollten Sie die Knie oder Oberschenkel noch einmal untersuchen lassen. Relativ häufig lassen sich diese Schmerzen auf recht einfache Weise behandeln.

Der Schmerz ist nicht immer sofort weg

In aller Regel verschwindet ein Triggerpunkt und damit die Schmerzen nicht bei der ersten Behandlung vollständig. Deshalb können Sie ihn immer wieder massieren. Lassen Sie ihm allerdings zwischen den Massagen Zeit. Machen Sie zum Beispiel 20 Massagezüge und lassen Sie die Stelle danach für mindestens eine Stunde in Ruhe. Es ist häufig so, dass ein Schmerz unmittelbar nach der Behandlung weniger wird. Das ist ein hervorragendes Zeichen! Denn Sie wissen jetzt, was Sie zu tun haben um die Schmerzen zu reduzieren. Häufig kommt der Schmerz später zurück. In diesen Fällen bleiben Sie dran und wiederholen Sie die Behandlung einfach so oft wie nötig.

Nach der Massage Dehnen

Nachdem Sie einen Muskel massiert haben, sollte er gedehnt werden. Denn der Triggerpunkt verursacht eine Verkürzung der Muskulatur. Durch die Dehnung ziehen Sie die verkürzten Muskelfasern auseinander und bringen sie auf die normale Länge. Außerdem sinkt die Grundspannung der Muskulatur, der Muskeltonus, durch die Dehnung. Das erlaubt dem behandelten Areal, sich besser zu entspannen. Die entsprechenden Dehnübungen zu den einzelnen Muskeln finden Sie deshalb direkt neben den Abbildungen der Triggerpunkte.

Lange genug dehnen

Es ist wichtig, die Dehnung lange genug auszuüben. Man tendiert dazu, die Dehnung nur für wenige Sekunden zu halten, so wie das auch im Breitensport üblich ist. Um eine nachhaltige Wirkung in der Muskulatur zu erzielen sollte die Spannung aber lange gehalten werden. Ideal wären zwei Minuten. Versuchen Sie dazu eine Dehnspannung zu erzeugen, die Sie noch gut aushalten können. Eine Dehnübung muss nicht wehtun. Gehen Sie so weit in die Dehnung, bis Sie eine Dehnung spüren, die gerade noch angenehm ist und halten Sie diese Position für 2 Minuten. Das ist bei weitem effektiver als eine schmerzhafte Dehnung für wenige Sekunden zu halten.

Weitere Anleitungen dazu finden Sie im Schmerzfrei Set

Sie sehen also, dass es durchaus Methoden gibt, um sich gegen die Schmerzen bei Polyneuropathie zu helfen. Ausführliche Anleitungen dazu finden Sie im Schmerzfrei Set. Darin erhalten Sie eine Übungsanleitung zum Gleichgewichtstrainig, das Buch „Fußschmerzen selbst behandeln“ sowie ein BitzerPad und einen Übungsball für das Gleichgewichtstraining.

Zusätzlich wichtig: Für eine gute Durchblutung sorgen

Abgesehen von diesen beiden Methoden gibt es noch weitere Möglichkeiten, um sich gegen die Schmerzen zu helfen.

Grundsätzlich ist es wichtig, für eine gute Durchblutung zu sorgen. Denn wenn die Durchblutung schlecht ist, leiden auch die Nerven und die Schmerzen werden schlimmer. Dazu ist es wichtig, sich viel zu bewegen und für eine gute Versorgung mit bestimmten Nährstoffen zu sorgen. Dabei sind zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren hilfreich. Wer sie zu sich nimmt, sorgt für gesunde Blutgefäße und dementsprechend eine gute Durchblutung.

Omega-3-Fettsäuren scheinen allerdings auch einen positiven Effekt direkt auf die Nerven zu haben. In einer Studie wurden Patienten während einer Chemotherapie mit Paclitaxel zusätzlich Omega-3-Fettsäuren gegeben. Sie entwickelten dann seltener eine Polyneuropathie (Esfahani et al. 2017). Bei Patienten, die aufgrund von Diabetes an Polyneuropathie litten, wurde eine teilweise Regeneration der Nerven beobachtet, wenn sie ein Jahr lang Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzung zu sich nahmen (Menon et al. 2021).

Ob Omega-3-Fettsäuren bei anderen Formen der Polyneuropathie hilfreich sind, ist bisher nicht geklärt. Allerdings sind auch kaum negative Nebenwirkungen zu erwarten, sodass man es für sich selbst ausprobieren kann. Lediglich während einer Chemotherapie sollten Sie zuerst mit dem Arzt sprechen bevor Sie zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Übrigens müssen die Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl stammen. Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren haben leider keine positive Wirkung auf die Polyneuropathie. Fischölkapseln sind allerdings in jeder Drogerie für recht wenig Geld zu bekommen.

Auf gute Versorgung mit Vitaminen achten

Außerdem sollten Sie stets genügend Vitamine zu sich nehmen. Wenn Sie an Vitaminmangel leiden, kann dies die Polyneuropathie und damit auch die Schmerzen verschlimmern. Dies ist insbesondere bei Vitamin D und B-Vitaminen der Fall. Allein der Mangel an diesen Vitaminen kann bereits eine Polyneuropathie auslösen. Wer an Diabetes leidet, dessen Risiko für Polyneuropathie ist wesentlich erhöht, wenn zusätzlich ein Vitamin-D-Mangel vorliegt. Wenn Sie an Polyneuropathie anderer Ursache leiden, wird diese durch einen Vitaminmangel häufig verschlimmert. Deshalb ist es wichtig, immer genügend dieser Nährstoffe im Körper zu haben.

Allerdings ist es nicht sinnvoll, große Mengen Vitamine zu sich zu nehmen, die den natürlichen Bedarf übersteigen. Ist der Bedarf gedeckt nutzt es nichts, noch mehr zu sich zu nehmen. Deshalb ist es sinnvoll, die Vitamine im Blut zu messen. Am besten sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, und lassen die Vitaminkonzentration im Blut bestimmen. Falls Sie auf eigene Faust Vitamine zu sich nehmen möchten, halten Sie sich an die Herstellerangaben, um eine Überdosierung zu vermeiden. Diese kann, insbesondere beim Vitamin D, nämlich durchaus schädlich sein.

Ausführlichere Informationen zur Ernährung bei Polyneuropathie finden Sie in folgendem Artikel: Ernährung bei Polyneuropathie

Ein Mangel an Vitamin D erhöht das Risiko für Polyneuropathie

Ein Nahrungsergänzungsmittel, das außerdem helfen kann ist die Alpha-Liponsäure. Zumindest bei Diabetischer Polyneuropathie scheint sie die Schmerzen zu lindern. Allerdings ist der Effekt größer, wenn sie intravenös gegeben wird als bei Einnahme von Tabletten.

Sprechen Sie auch hier zunächst mit Ihrem Arzt, bevor Sie auf eigene Faust Alpha-Liponsäure zu sich nehmen. Das gilt besonders falls Sie eine Chemotherapie erhalten, weil Alpha-Liponsäure deren Wirkung unter Umständen beeinträchtigen kann.

Hilfe durch Elektrotherapie?

Außerdem scheinen bei manchen Patienten Methoden der Elektrotherapie zu helfen. Die sogenannte Hochtontherapie soll laut wissenschaftlichen Untersuchungen bei der Diabetischen Polyneuropathie die Symptome lindern. Zu anderen Formen der Polyneuropathie sind mir allerdings keine Studien bekannt. Meine eigene Erfahrung ist allerdings, dass eine spürbare Besserung relativ selten ist. Die meisten Patienten berichten mir, dass die Symptome der Polyneuropathie nach einer Hochtontherapie nicht besser geworden seien. Einige stellen hingegen eine wesentliche Besserung fest. Woran das liegen könnte ist bisher nicht geklärt.

Eine weitere Methode der Elektrotherapie, die bei Polyneuropathie angewendet wird, ist die TENS (Transkutane-Elektrische-Nerven-Stimulation). Dabei werden Elektroden auf die Haut geklebt, durch die Strom in den Körper geleitet wird. Mit dieser Methode lassen sich tatsächlich die Schmerzen bei Polyneuropathie etwas reduzieren. Allerdings verschwindet die Wirkung bereits nach kurzer Zeit wieder. Nach ein paar Stunden hat man also wieder die gleichen Schmerzen wie vor einer solchen Behandlung.

Vibrationstraining

Außer den genannten Trainingsmethoden für das Gleichgewicht und der Behandlung der Muskeln kann auch das Training auf einem Vibrationsgerät sinnvoll sein.

Dabei stellt man sich auf eine Platte, die nichts anderes tut als zu vibrieren. Die Vibration stellt einen starken Reiz für die Nerven dar. Es wird vermutet, dass dies Regenerationprozesse anregen kann, die zur Verbesserung der Polyneuropathie führen.

Zumindest für Polyneuropathie durch Chemotherapie liegen dazu auch zwei Studien vor. Dabei wurden Patienten untersucht, die eine Chemotherapie erhielten und deshalb an Polyneuropathie litten. Wenn Vibrationstraining durchgeführt wurde, verbesserten sich die Symptome nach dem Ende der Chemotherapie schneller.

Ob das Vibrationstraining auch bei anderen Formen der Polyneuropathie hilfreich ist, ist meines Wissens noch nicht wissenschaftlich geklärt. Wenn Sie ein Vibrationsgerät zur Verfügung haben, zum Beispiel bei der Physiotherapie oder in einem Fitnessstudio ist es allerdings durchaus sinnvoll, es auszuprobieren.

Vibrationstraining bei Polyneuropathie richtig machen

Wie bei allen Trainingsformen gilt auch beim Vibrationstraining, dass man es richtig machen muss, um die optimale Wirkung zu erhalten und sich nicht zu überlasten.

Wichtig ist vor allem, nicht zu lange zu trainieren. Das ist aus zwei Gründen wichtig:

  1. Die Nerven ermüden bei einem starken Reiz sehr schnell und werden gewissermaßen unempfänglich für die Vibration.
  2. Wenn man das Training nicht gewohnt ist, kommt es sehr leicht zu Überlastungen und Schmerzzuständen.

Man sollte deshalb immer nur 30-60 Sekunden am Stück trainieren bevor man eine ebenso lange Pause macht. Mit etwas Übung kann man das problemlos 5 mal wiederholen. Ganz zu Beginn eines Vibrationstrainings sollte man allerdings lediglich 1x1 Minute auf der Vibrationsplatte stehen.

Übersicht über die Maßnahmen bei Schmerzen der Beine bei Polyneuropathie

Wie Sie gesehen haben benötigen unterschiedliche Arten von Schmerzen auch unterschiedliche Behandlungsmethoden. Um das alles übersichtlicher zu machen, habe ich die erfolgversprechendsten Maßnahmen bei Schmerzen an bestimmten Stellen in der folgenden Tabelle zusammengefasst. Für den Laien ist das einfachste und meist nützlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen verschiedenen Arten von Schmerzen die Stelle an der man die Schmerzen spürt. Ich habe deshalb alle Schmerzenden Stellen an den Beinen und die dazu passenden Maßnahmen in der folgenden Tabelle übersichtlich zusammengefasst.

Aus der Tabelle können Sie deshalb entnehmen, welche Maßnahmen bei Schmerzen an welcher Stelle am erfolgversprechendsten sind. Dabei nimmt man an, dass die Schmerzen nur oder hauptsächlich an der genannten Stelle auftreten. Die Angaben in der Tabelle sind allerdings lediglich Anhaltspunkte und sind nicht in jedem Einzelfall korrekt. Wenn Ihnen Ärzte und Therapeuten andere Methoden empfehlen, sollten Sie sich in aller Regel daran halten.

Schmerzende StelleMaßnahmen
ZehenGleichgewichtstraining, Dehnung und Massage der Zehenbeuger und Zehenstrecker in Fuß und Unterschenkelrückseite, Vibrationstraining. Vitaminspiegel bestimmen lassen. Omega-3-Fettsäuren und Alpha-Liponsäure mit Arzt absprechen.
Fußballen, FußgewölbeGleichgewichtstraining, Dehnung und Massage der Muskeln der Fußsohle und der Unterschenkelrückseite, Vibrationstraining
Vitaminspiegel bestimmen lassen. Omega-3-Fettsäuren und Alpha-Liponsäure mit Arzt absprechen.
Ferse und AchillessehneGleichgewichtstraining, Massage der Muskeln im Fußgewölbe. Dehnung und Kräftigung der Wadenmuskeln (Mm. Soleus und Tibialis Posterior). Kräftigungsübungen finden Sie hier: Sport bei Polyneuropathie
Vitaminspiegel bestimmen lassen. Omega-3-Fettsäuren und Alpha-Liponsäure mit Arzt absprechen.
Fußrücken und SchienbeinMassage und Dehnung der Muskeln am Schienbein. Kräftigung der Fußheber. Übungen dazu finden Sie hier: Sport bei Polyneuropathie
WadeMassage und Dehnung der Wade. Kräftigung der Wadenmuskeln. Übungen finden Sie hier: Sport bei Polyneuropathie
Knie und OberschenkelArzt aufsuchen und Kniegelenk untersuchen lassen. Massage und Dehnung der Kniestrecker. Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur

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