Schmerzen bei Polyneuropathie und was Sie dagegen tun können

Hilft wirklich nichts außer Schmerzmitteln?

Wenn man sich mit Polyneuropathie beschäftigt hört man meistens, dass es keine Heilung gibt und auch nichts, das gegen die Schmerzen hilft außer Schmerzmitteln. Meine persönliche Erfahrung als Therapeut ist allerdings, dass es doch Methoden gibt die helfen können. Auch einige wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass es Möglichkeiten zur Linderung der Schmerzen gibt.

Ich möchte Ihnen hier zwei Methoden vorstellen, die überraschend einfach sind und problemlos zu Hause angewandt werden können. Am besten probieren Sie sie direkt beim Lesen aus. Am Ende des Artikels gehe ich noch auf weitere Schmerzursachen und Behandlungsmöglichkeiten ein.

Ich bin Sportwissenschaftler und Sporttherapeut und arbeite deshalb nach einem anderen Ansatz als die Medizin, der sich wie folgt zusammenfassen lässt: Das stärken was noch funktioniert, statt das zu heilen was kaputt ist. Bezogen auf die Polyneuropathie bedeutet das, das Nervensystem zu trainieren und die Muskeln in einem guten Zustand zu halten. Ich möchte Ihnen hier deshalb ausdrücklich keine ärztlichen Behandlungen vorstellen, sondern ein Fitnessprogramm, das eben auch gegen Schmerzen hilft.

Mit diesen Methoden kann man keine Nerven heilen – aber quasi über Umwege trotzdem die Schmerzen reduzieren. Die Polyneuropathie bleibt also bestehen, die Schmerzen können aber trotzdem nachlassen.

Training des Körpergefühls und der Muskeln hilft gegen Schmerzen - auch wenn die Nerven geschädigt sind!

Zwei Methoden

In der ersten Hälfte dieses Artikels möchte ich Ihnen das Training des Nervensystems vorstellen. Damit verbessert man die Wahrnehmung des Körpers und die Koordination und reduziert mit der Zeit bei konsequentem Üben die Schmerzen.

In der zweiten Hälfte des Artikels erkläre ich Ihnen, wie Massage und Dehnung der Muskeln, die Schmerzen reduzieren können – bei manchen Menschen sofort.

1. Training des Nervensystems

Als Sporttherapeut wendet man dauernd Trainingsmethoden an, um körperliche Probleme zu lösen. Das kann bedeuten, ein Körperteil zu stärken um Schäden an einer anderen Stelle auszugleichen. Wer zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall hat, kann durch Kräftigung der Rückenmuskeln häufig die Schmerzen loswerden. Dadurch wird der Bandscheibenvorfall nicht geheilt, denn die Bandscheibe selbst wird nicht trainiert. Die Schmerzen werden aber trotzdem besser, wenn die Muskeln stärker und die Wirbelsäule dadurch stabiler wird. Stärken an einer Stelle können also Schwächen an anderer Stelle ausgleichen. Diesen Ansatz kann man sich auch bei Polyneuropathie zunutze machen um die Schmerzen zu verbessern.

Denn wenn bei der Polyneuropathie die Nerven in Füßen oder Händen Schaden nehmen, lässt sich das durch Training nicht umkehren. Allerdings lässt sich trainieren, wie das Nervensystem damit umgeht.

Das Nervensystem ist das am schnellsten und besten trainierbare Organ das wir haben. Und es lässt sich fast ohne körperliche Anstrengung trainieren. Man kann also auch wenn man sehr schwach ist Übungen für das Nervensystem machen. Solche Übungen werden schon seit langem erfolgreich als Koordinationstraining angewandt. Dass sie auch bei Polyneuropathie sinnvoll sind ist allerdings relativ neu.

Dass man das Nervensystem trainieren und dadurch die Schmerzen reduzieren kann, wurde quasi zufällig festgestellt. Auf der Suche nach einer Methode, Patienten mit Polyneuropathie besseres und sichereres Gehen zu ermöglichen, trainierten Wissenschaftler mit den Patienten das Gleichgewicht. Das heißt, man übte, in wackeligen Positionen stehen zu bleiben. Dabei muss das Nervensystem andauernd genau spüren, in welcher Position man sich befindet, wie der Untergrund sich anfühlt und wieviel Muskelspannung vorhanden ist. Zusätzlich müssen alle diese Informationen noch sinnvoll interpretiert werden und eine Reaktion darauf erfolgen – Schwerstarbeit für das Nervensystem.

Dadurch verbesserte sich wie erwartet das Gleichgewicht der Patienten deutlich. Überraschenderweise hatten die trainierten Patienten aber auch weniger Schmerzen.

Bei weiteren Untersuchungen stellte man allerdings fest, dass die Nerven der Patienten, die trainierten genauso geschädigt waren wie die der Patienten, die nicht trainierten. Das heißt also: Die Verbesserung der Schmerzen kam nicht durch eine Heilung der Nerven zustande. Stattdessen schien der Körper durch das Training zu lernen, die Nervenschäden auszugleichen.

Polyneuropathie-Symptome nach Chemotherapie mit und ohne Balance Training

Wie Sie Nervensystem und Körpergefühl trainieren

Das Körpergefühl trainieren

Das beste Mittel das wir dazu haben ist das Training des Gleichgewichts. Dadurch verbessert sich Ihre Fähigkeit, den Körper wahrnehmen und steuern zu können, also das Körpergefühl. Ihr Körper lernt also, Reize aus den Nerven besser zu verarbeiten. Und bei einigen Patienten bessern sich dadurch die Schmerzen.

Dass das Körpergefühl trainierbar ist, ist seit langem bekannt. Sportler trainieren so seit langem und schützen sich damit vor Verletzungen, Ältere verbessern ihre Gangsicherheit und stürzen nach dem Training seltener. Neu ist, dass dieses Training auch Schmerzen bei Polyneuropathie reduzieren kann.

Es ist wichtig zu verstehen, dass durch ein solches Training nicht alle Schmerzen verschwinden, denn die Schäden in den Nerven können durch das Training nicht geheilt werden. Es kommt aber häufig zu einer Besserung der Symptome. Man muss allerdings geduldig sein, denn die Verbesserung kommt schleichend über Monate.

Es gibt auch Menschen, bei denen die Schmerzen sich durch Training nicht verbessern .Woran das liegt ist bis jetzt nicht geklärt. Aber auch wenn das der Fall ist, bewirkt das Training des Gleichgewichts eine bessere Koordination, sichereres Gehen und eine bessere Mobilität.

Gleichgewichtstraining reduziert die Gefahr zu stüzen um etwa 40%

Schmerzen entstehen im Gehirn

Ich war 2012/13 bei der Datenauswertung einer Studie zum Thema beteiligt und erinnere mich, wie man sich den Kopf darüber zerbrach wie diese Schmerzreduktion zustande kam.

Klar war lediglich, dass es sich um einen Vorgang im Gehirn handelt.

Meine persönliche Hypothese ist folgende:
Das Nervensystem ist ein System zur Signalübertragung und lässt sich bildlich gesprochen mit einem Radio vergleichen. Es gibt einen Sender (die Nerven in Füßen oder Händen) und einen Empfänger (das Gehirn). Wenn das Signal gestört wird, kommt statt einem klaren Signal ein Rauschen (Schmerzen) beim Empfänger an. Das ist beim Nervensystem nicht anders als beim Radio. Das Rauschen im Radio entspricht den Schmerzen oder Missempfindungen bei Polyneuropathie.

Wenn man statt einem klaren Signal im Radio ein Rauschen empfängt, neigt man dazu, die Lautstärke zu erhöhen, um trotzdem etwas verstehen zu können. Dadurch wird allerdings auch das unerwünschte Rauschen lauter.

Auch das Gehirn ist in der Lage, das „Empfängerareal“ empfindlicher einzustellen. Die Gehirnareale, die die Signale aus Händen oder Füßen empfangen, werden dann empfindlicher. Man kann sagen, das Gehirn hört genauer hin. Dadurch wird allerdings auch das „Rauschen“ stärker. Dies trägt zu allen bekannten Missempfindungen bei Polyneuropathie bei - von Kribbeln bis Schmerzen.

Diesen Zusammenhang können Sie hier nachlesen:

Fischer & Waxman (2010)

Sie sehen also: Die Schmerzen bei Polyneuropathie entstehen nicht nur in Händen oder Füßen, sondern eben zum Teil auch im Gehirn.

Das gibt uns einen Ansatzpunkt für das Training und Hoffnung auf Hilfe gegen die Schmerzen. Denn das Gehirn ist das am besten trainierbare Organ das wir haben.

Sicher wollen Sie jetzt auch Übungen kennenlernen. Ich stelle Ihnen hier eine Übungsabfolge zum sofort Ausprobieren vor.

Die Übungen sind körperlich nicht anstrengend, denn wie gesagt soll das Nervensystem trainiert werden, nicht die Muskeln.

Falls Sie noch mehr Übungen kennenlernen wollen empfehle ich Ihnen das Schmerzfrei Set.

Darin finden Sie eine ausführliche Übungsanleitung mit 32 verschiedenen Übungen, sowie ein BitzerPad, mit dem man das Gleichgewicht noch gezielter trainieren kann und einen Übungsball. Außerdem ist das Buch "Fußschmerzen selbst behandeln" darin enthalten, mit dem Sie lernen, Ihre Füße und Unterschenkel selbst zu massieren und zu dehnen.

Ich zeige Ihnen jetzt also eine Auswahl an Übungen zum Ausprobieren.

Fangen Sie mit der ersten und einfachsten Übung an und arbeiten Sie sich langsam zu den schwereren Varianten vor. Wenn Sie bei einer Übung Probleme haben das Gleichgewicht zu halten, es aber gerade noch schaffen, ist dies für Sie der richtige Schwierigkeitsgrad. Üben Sie so lange, bis sie Ihnen leichter fällt und wählen Sie dann die nächst schwierigere Übung.

Die Übungen sind so gewählt, dass für jeden, vom sehr schwachen Patienten bis zu sehr leistungsfähigen etwas dabei ist. Erwarten Sie deshalb nicht zu viel von sich selbst. Die Übungen sind absichtlich so ausgewählt dass die schwierigen Varianten ohne Übung kaum zu schaffen sind.

Seien Sie geduldig, die Übungen haben nur einen wirklichen Effekt, wenn man sie über längere Zeit täglich für ein paar Minuten durchführt.

Sicherheit geht vor.

Um während des Übens keine Gefahr einzugehen zu stürzen, sollten Sie immer auf sichere Weise üben. Stellen Sie sich deshalb zum Üben zwischen einen Tisch und einen stabilen Stuhl oder Sessel. Falls Sie das Gleichgewicht verlieren setzen Sie sich einfach hin oder halten Sie sich am Tisch fest.

Die Übungen

Stellen Sie sich zunächst ganz normal hin. Wenn Ihnen das gut gelingt schließen Sie die Augen. Das Schließen der Augen bewirkt, dass Sie auf die Informationen aus Ihrem Körper angewiesen sind statt auf das Sehen. Dadurch wird das Körpergefühl gezielter trainiert.

Wenn Ihnen die erste Übung leicht fiel, setzen Sie jetzt einen Fuß nach vorne, sodass sich der Fußballen des hinteren Fußes und die Ferse des vorderen Fußes berühren. Versetzen Sie allerdings die Füße leicht seitlich nebeneinander.

Sollte das ebenfalls problemlos möglich sein, schließen Sie die Augen.

Die nächst schwierigere Variante ist, die Füße direkt voreinander zu stellen, sie also nicht mehr seitlich zu versetzen. Auch dies können Sie mit geschlossenen Augen versuchen.

Falls Sie diese Übung nicht schaffen, ist das völlig in Ordnung. Sie ist schon recht anspruchsvoll und selbst für Menschen ohne Polyneuropathie oft nicht einfach.

Falls Sie bei der letzten Übung noch nicht ins Wackeln gekommen sind, dann stellen Sie sich jetzt auf ein Bein.

Als Steigerung schließen Sie wieder die Augen.

Als letzte und schwierigste Übung können Sie sich einbeinig auf die Zehenspitzen stellen. Wenn Sie auch dies mit geschlossenen Augen schaffen, ist Ihr Gleichgewicht besser als das der meisten gesunden Freizeitsportler.

Mit diesem Training verbessern Sie nicht nur Ihr Körpergefühl und hoffentlich Ihre Schmerzen, sondern schützen sich außerdem vor Stürzen. Denn je besser Ihr Gleichgewicht ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Sie hinfallen und sich dabei verletzen.

Die hier gezeigten Übungen sind natürlich nur eine kleine Auswahl. Es gibt darüber hinaus zahlreiche weitere Übungen für das sichere Gehen und für die Feinmotorik der Hände.

Im Schmerzfrei Set finden Sie eine ausführliche Übungsanleitung mit zahlreichen weiteren Übungen.

Bei Polyneuropathie leiden auch die Muskeln - und verursachen Schmerzen

2. Behandlung der Muskeln

Um den Schmerzen bei Polyneuropathie beizukommen gibt es einen zweiten Ansatz: die Behandlung der Muskeln mit Massage und Dehnung. Ich hatte bereits einige Patienten, die nach einer solchen Behandlung komplett schmerzfrei waren. Noch häufiger allerdings werden die Schmerzen besser, verschwinden aber nicht ganz.

Eine meiner Patientinnen hatte zum Beispiel starke Schmerzen an den gesamten Füßen, von den Zehenspitzen bis zur Achillessehne. Nach einigen Behandlungen verschwanden die Schmerzen am Großteil der Füße, lediglich die Zehen taten ihr weiterhin weh. Ein weiterer Patient mit Polyneuropathie hatte starke Schmerzen am Unterschenkel. Nach nur einer Behandlung der Wadenmuskulatur verschwanden die Schmerzen bei ihm komplett.

Auch die Muskeln leiden bei Polyneuropathie

Aber wie kann das sein? Polyneuropathie ist doch eine Erkrankung der Nerven, nicht der Muskeln!

Das liegt daran, dass bei Polyneuropathie nicht nur die Nerven, sondern auch die Muskeln leiden. Und auch Muskeln können wehtun. Wenn Sie aufgrund der Polyneuropathie schlechter Gehen können und weniger Kraft haben, dann ist das problematisch für die Muskeln. Sie werden überlastet und neigen dazu sich zu verspannen oder zu verkrampfen, was unglaubliche Schmerzen verursachen kann. Ob der Schmerz dann von den Muskeln kommt, oder von den erkrankten Nerven ist nicht zu unterscheiden.

Man nennt solche schmerzenden Muskeln medizinisch das Myofasziale Schmerzsyndrom und es ist die mit Abstand häufigste Ursache von Schmerzen am Bewegungsapparat. Leider wird es allerdings sehr sehr oft übersehen, denn wenn ein Patient einmal den Stempel „Polyneuropathie“ erhalten hat, werden andere Ursachen der Schmerzen nicht mehr in Betracht gezogen.

Allerdings ist die Behandlung überraschend einfach und jeder kann sie selbst durchführen, wenn man einige wenige Grundlagen darüber weiß. Im Schmerzfrei Set finden Sie mein Buch „Fußschmerzen selbst behandeln“ mit einer ausführlichen Anleitung zu Selbstbehandlung.

Triggerpunkte - Minikrämpfe die Schmerzen machen

Das Wichtigste was man wissen muss um sich selbst gegen die Schmerzen zu helfen ist, dass sich nicht immer die gesamten Muskeln verkrampfen, sondern meist nur Anteile weniger Muskelfasern. Diese sind oft nur so klein wie eine Murmel, bewirken aber große Schmerzen in einem ganzen Körperteil. Sie werden deshalb Triggerpunkte genannt (Trigger heißt auf Englisch Auslöser, es handelt sich also um Schmerzauslösepunkte). Wenn man die Triggerpunkte durch Massage und Dehnung löst, verschwinden auch die Schmerzen - häufig sogar sofort.

Die richtigen Stellen finden

Das einzig Komplizierte dabei ist, den richtigen Triggerpunkt zu finden. Häufig liegt dieser an einer ganz anderen Stelle, als wo der Schmerz gefühlt wird. Triggerpunkte im Unterschenkel können zum Beispiel häufig Schmerzen in der Fußsohle auslösen. Jeder Triggerpunkt verursacht Schmerzen an einer typischen Stelle. Diese wiederholen sich von Mensch zu Mensch. Wenn man genau weiß, wo die Schmerzen sind, kann man deshalb recht leicht bestimmen, wo der zugehörige Triggerpunkt liegt.

Eine Aufstellung aller relevanter Triggerpunkte finden Sie in meinem Buch „Fußschmerzen selbst behandeln“, das im Schmerzfrei Set enthalten ist.

Auf den folgenden Abbildungen finden Sie Beispiele für wichtige Triggerpunkte und deren Ausstrahlungsmuster. Sie können an den mit Kreuzen markierten Stellen Ihre eigenen Beine tasten. Wenn Sie dort Stellen finden, die bei etwas Druck schmerzhafter sind als die Umgebung, haben Sie einen Triggerpunkt gefunden. Tasten Sie dann noch etwas genauer nach und suchen Sie die aller schmerzhafteste Stelle. Diese sollte die meiste Aufmerksamkeit beim massieren bekommen. Folgen Sie zum Massieren der Anleitung unten und führen Sie danach die Dehnung durch.

Triggerpunkte in der Wade

Triggerpunkte im Wadenmuskel Gastrocnemius können Schmerzen an der ganzen Rückseite des Unterschenkels und in der Fußsohle verursachen.

Die Dehnung erfolgt wie in der Abbildung. Falls Sie dabei Probleme haben das Gleichgewicht zu halten, können Sie sich auch auf einen Stuhl setzen, das Bein ausstrecken, die Zehen nach oben ziehen und sich so weit nach vorne lehnen, dass in der Wade ein Dehngefühl entsteht.

Die Beuger der großen Zehe können Schmerzen in der großen Zehe verursachen. Allerdings liegt der lange Zehenbeuger (Musculus flexor hallucis longus) weit entfernt an der Rückseite des Unterschenkels. Deshalb wird er als Auslöser von Schmerzen der Großzehe oft nicht erkannt.

Zur Dehnung wird die Fußspitze so auf einen Stuhl gestellt, dass die Ferse frei nach unten gedrückt werden kann und eine Vorspannung entsteht. Dann wird mit den Händen die Großzehe nach oben gezogen. Es entsteht eine Dehnspannung im untersten Teil des Unterschenkels oder an der Fußsohle.

Schmerzen der Ferse können von einem Muskel in der Fußsohle ausgelöst werden, dem Quadratus Plantae. Ihn zu dehnen ist recht schwierig, deshalb sollten Sie ihn als Anfänger lediglich massieren. Legen Sie dazu einfach einen Tennisball oder einen kleinen harten Gummiball (zum Beispiel einen Flummi) unter die Fußsohle, drücken Sie mit dem Fuß darauf und bewegen Sie ihn vor und zurück.

Wie man einen Triggerpunkt massiert

Hat man den Triggerpunkt einmal gefunden, ist die Behandlung sehr sehr einfach.

Man sucht mit dem Finger die Stelle, die am  schmerzhaftesten ist. Dann bewegt man während man ganz leichten Druck ausübt den Finger zwei bis drei Zentimeter nach oben oder unten. Das ist unsere Ausgangsposition. Dann drückt man fester in den Muskel und bewegt den Finger über den schmerzhaften Punkt, bis der Schmerz auf der anderen Seite wieder nachlässt. Man bewegt die Finger dann wieder mit ganz leichtem Druck an die Ausgangsposition zurück und wiederholt denselben Vorgang etwa 20 mal. Danach pausieren Sie mit der Massage für mindestens eine Stunde, um den Triggerpunkt nicht zu überreizen.

Dabei sollte ein fester Druck ausgeübt werden, sodass ein deutlicher Schmerz spürbar ist. Dieser Schmerz sollte aber nur so stark sein, dass er sich gerade noch angenehm anfühlt. Man spricht vom sogenannten Wohlschmerz. Drückt man so stark, dass ein unangenehmes Schmerzgefühl entsteht, reagiert der Körper mit einer Abwehrspannung. Dadurch wird die Verkrampfung eher noch verschlimmert. Drückt man zu schwach, so dass man überhaupt keinen Schmerz wahrnimmt, wirkt die Massage allerdings nicht. Lassen Sie sich am besten davon leiten, was sich einfach gut anfühlt.

Einen guten Anhaltspunkt bekommen Sie übrigens von Ihren Fingernägeln. Wenn Sie so stark drücken, dass die Fingernägel gerade beginnen weiß zu werden, haben Sie den richtigen Druck für die meisten Triggerpunkte gefunden.

Der Schmerz ist nicht immer sofort weg

In aller Regel verschwindet ein Triggerpunkt und damit die Schmerzen nicht bei der ersten Behandlung vollständig. Deshalb können Sie ihn immer wieder massieren. Lassen Sie ihm allerdings zwischen den Massagen Zeit. Machen Sie zum Beispiel 20 Massagezüge und lassen Sie die Stelle danach für mindestens eine Stunde in Ruhe. Es ist häufig so, dass ein Schmerz unmittelbar nach der Behandlung weniger wird. Das ist ein hervorragendes Zeichen! Denn Sie wissen jetzt, was Sie zu tun haben um die Schmerzen zu reduzieren. Häufig kommt der Schmerz später zurück. In diesen Fällen bleiben Sie dran und wiederholen Sie die Behandlung einfach so oft wie nötig.

Nach der Massage Dehnen

Nachdem Sie einen Muskel massiert haben, sollte er gedehnt werden. Denn der Triggerpunkt verursacht eine Verkürzung der Muskulatur. Durch die Dehnung ziehen Sie die verkürzten Muskelfasern auseinander und bringen sie auf die normale Länge. Außerdem sinkt die Grundspannung der Muskulatur, der Muskeltonus, durch die Dehnung. Das erlaubt dem behandelten Areal, sich besser zu entspannen. Die entsprechenden Dehnübungen zu den einzelnen Muskeln finden Sie deshalb direkt neben den Abbildungen der Triggerpunkte.

Lange genug dehnen

Es ist wichtig, die Dehnung lange genug auszuüben. Man tendiert dazu, die Dehnung nur für wenige Sekunden zu halten, so wie das auch im Breitensport üblich ist. Um eine nachhaltige Wirkung in der Muskulatur zu erzielen sollte die Spannung aber lange gehalten werden. Ideal wären zwei Minuten. Versuchen Sie dazu eine Dehnspannung zu erzeugen, die Sie noch gut aushalten können. Eine Dehnübung muss nicht wehtun. Gehen Sie so weit in die Dehnung, bis Sie eine Dehnung spüren, die gerade noch angenehm ist und halten Sie diese Position für 2 Minuten. Das ist bei weitem effektiver als eine schmerzhafte Dehnung für wenige Sekunden zu halten.

Weitere Anleitungen dazu finden Sie im Schmerzfrei Set

Sie sehen also, dass es durchaus Methoden gibt, um sich gegen die Schmerzen bei Polyneuropathie zu helfen. Ausführliche Anleitungen dazu finden Sie im Schmerzfrei Set. Darin erhalten Sie eine Übungsanleitung zum Gleichgewichtstrainig, das Buch „Fußschmerzen selbst behandeln“ sowie ein BitzerPad und einen Übungsball für das Gleichgewichtstraining.

Zusätzlich wichtig: Für eine gute Durchblutung sorgen

Abgesehen von diesen beiden Methoden gibt es noch weitere Möglichkeiten, um sich gegen die Schmerzen zu helfen.

Grundsätzlich ist es wichtig, für eine gute Durchblutung zu sorgen. Denn wenn die Durchblutung schlecht ist, leiden auch die Nerven und die Schmerzen werden schlimmer. Dazu ist es wichtig, sich viel zu bewegen und für eine gute Versorgung mit bestimmten Nährstoffen zu sorgen. Dabei sind zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren hilfreich. Wer sie zu sich nimmt, sorgt für gesunde Blutgefäße und dementsprechend eine gute Durchblutung.

Omega-3-Fettsäuren scheinen allerdings auch einen positiven Effekt direkt auf die Nerven zu haben. In einer Studie wurden Patienten während einer Chemotherapie mit Paclitaxel zusätzlich Omega-3-Fettsäuren gegeben. Sie entwickelten dann seltener eine Polyneuropathie (Esfahani et al. 2017). Bei Patienten, die aufgrund von Diabetes an Polyneuropathie litten, wurde eine teilweise Regeneration der Nerven beobachtet, wenn sie ein Jahr lang Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzung zu sich nahmen (Menon et al. 2021).

Ob Omega-3-Fettsäuren bei anderen Formen der Polyneuropathie hilfreich sind, ist bisher nicht geklärt. Allerdings sind auch kaum negative Nebenwirkungen zu erwarten, sodass man es für sich selbst ausprobieren kann. Lediglich während einer Chemotherapie sollten Sie zuerst mit dem Arzt sprechen bevor Sie zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Übrigens müssen die Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl stammen. Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren haben leider keine positive Wirkung auf die Polyneuropathie. Fischölkapseln sind allerdings in jeder Drogerie für recht wenig Geld zu bekommen.

Auf gute Versorgung mit Vitaminen achten

Außerdem sollten Sie stets genügend Vitamine zu sich nehmen. Wenn Sie an Vitaminmangel leiden, kann dies die Polyneuropathie und damit auch die Schmerzen verschlimmern. Dies ist insbesondere bei Vitamin D und B-Vitaminen der Fall. Allein der Mangel an diesen Vitaminen kann bereits eine Polyneuropathie auslösen. Wer an Diabetes leidet, dessen Risiko für Polyneuropathie ist wesentlich erhöht, wenn zusätzlich ein Vitamin-D-Mangel vorliegt. Wenn Sie an Polyneuropathie anderer Ursache leiden, wird diese durch einen Vitaminmangel häufig verschlimmert. Deshalb ist es wichtig, immer genügend dieser Nährstoffe im Körper zu haben.

Allerdings ist es nicht sinnvoll, große Mengen Vitamine zu sich zu nehmen, die den natürlichen Bedarf übersteigen. Ist der Bedarf gedeckt nutzt es nichts, noch mehr zu sich zu nehmen. Deshalb ist es sinnvoll, die Vitamine im Blut zu messen. Am besten sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, und lassen die Vitaminkonzentration im Blut bestimmen. Falls Sie auf eigene Faust Vitamine zu sich nehmen möchten, halten Sie sich an die Herstellerangaben, um eine Überdosierung zu vermeiden. Diese kann, insbesondere beim Vitamin D, nämlich durchaus schädlich sein.

Mangel an Vitamin D erhöht bei Diabetikern das Risiko für Polyneuropathie

Ein Nahrungsergänzungsmittel, das außerdem helfen kann ist die Alpha-Liponsäure. Zumindest bei Diabetischer Polyneuropathie scheint sie die Schmerzen zu lindern. Allerdings ist der Effekt größer, wenn sie intravenös gegeben wird als bei Einnahme von Tabletten.

Sprechen Sie auch hier zunächst mit Ihrem Arzt, bevor Sie auf eigene Faust Alpha-Liponsäure zu sich nehmen. Das gilt besonders falls Sie eine Chemotherapie erhalten, weil Alpha-Liponsäure deren Wirkung unter Umständen beeinträchtigen kann.

Hilfe durch Elektrotherapie?

Außerdem scheinen bei manchen Patienten Methoden der Elektrotherapie zu helfen. Die sogenannte Hochtontherapie soll laut wissenschaftlichen Untersuchungen bei der Diabetischen Polyneuropathie die Symptome lindern. Zu anderen Formen der Polyneuropathie sind mir allerdings keine Studien bekannt. Meine eigene Erfahrung ist allerdings, dass eine spürbare Besserung relativ selten ist. Die meisten Patienten berichten mir, dass die Symptome der Polyneuropathie nach einer Hochtontherapie nicht besser geworden seien. Einige stellen hingegen eine wesentliche Besserung fest. Woran das liegen könnte ist bisher nicht geklärt.

Eine weitere Methode der Elektrotherapie, die bei Polyneuropathie angewendet wird, ist die TENS (Transkutane-Elektrische-Nerven-Stimulation). Dabei werden Elektroden auf die Haut geklebt, durch die Strom in den Körper geleitet wird. Mit dieser Methode lassen sich tatsächlich die Schmerzen bei Polyneuropathie etwas reduzieren. Allerdings verschwindet die Wirkung bereits nach kurzer Zeit wieder. Nach ein paar Stunden hat man also wieder die gleichen Schmerzen wie vor einer solchen Behandlung.

Vibrationstraining

Außer den genannten Trainingsmethoden für das Gleichgewicht und der Behandlung der Muskeln kann auch das Training auf einem Vibrationsgerät sinnvoll sein.

Dabei stellt man sich auf eine Platte, die nichts anderes tut als zu vibrieren. Die Vibration stellt einen starken Reiz für die Nerven dar. Es wird vermutet, dass dies Regenerationprozesse anregen kann, die zur Verbesserung der Polyneuropathie führen.

Zumindest für Polyneuropathie durch Chemotherapie liegen dazu auch zwei Studien vor. Dabei wurden Patienten untersucht, die eine Chemotherapie erhielten und deshalb an Polyneuropathie litten. Wenn Vibrationstraining durchgeführt wurde, verbesserten sich die Symptome nach dem Ende der Chemotherapie schneller.

Ob das Vibrationstraining auch bei anderen Formen der Polyneuropathie hilfreich ist, ist meines Wissens noch nicht wissenschaftlich geklärt. Wenn Sie ein Vibrationsgerät zur Verfügung haben, zum Beispiel bei der Physiotherapie oder in einem Fitnessstudio ist es allerdings durchaus sinnvoll, es auszuprobieren.

Selbsthilfe mit dem Schmerzfrei Set

Wenn Sie diesen Artikel hilfreich fanden empfehle ich Ihnen das "Schmerzfrei Set".

Darin finden Sie:

  • Die Übungsanleitung "Bewegung bei Polyneuropathie"
  • Das Buch "Fußschmerzen selbst behandeln"
  • Ein Bitzer Pad zum Training des Gleichgewichts
  • Einen Übungsball.