Polyneuropathie

Eine Übersicht zur Polyneuropathie

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen als Patient die wichtigsten Informationen zur Polyneuropathie zusammenfassen.
Dabei möchte ich Ihnen nicht nur erklären, was es mit der Polyneuropathie auf sich hat, sondern auch Methoden anbieten, mit denen Sie sich selbst helfen können.
Denn obwohl es immer noch keine Heilung und kein Medikament gegen Polyneuropathie gibt, gibt es einige Dinge, die hilfreich sein können. Deshalb ist diese Seite in zwei Teile gegliedert: ein theoretischer Teil in dem ich Ihnen die Hintergründe zur Polyneuropathie vorstelle und ein praktischer Teil, in dem ich Ihnen zeige, was man selbst für sich tun kann, um die Polyneuropathie zumindest zu bremsen und um trotzdem die Lebensqualität zu erhalten.

Wie oft kommt Polyneuropathie vor?

Sehr viele Patienten fühlen sich mit der Polyneuropathie allein. Die wenigsten Freunde und Bekannten wissen, was Polyneuropathie ist und von medizinischer Seite hört man meist nur, dass man einem nicht helfen kann.
Da ist es vielleicht hilfreich zu erfahren, dass das Problem häufiger ist als man denkt. Etwa ein Prozent aller Menschen leidet an Polyneuropathie. Bei den über 60 Jährigen sind es aber sogar 7% (Hanewinckel et al. 2016). In Deutschland sind also fast eine Million Menschen betroffen, wobei man von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen muss.

Damit ist die Polyneuropathie eine häufige Erkrankung, die allerdings trotzdem kaum öffentliches Interesse bekommt.

 

Warum entsteht Polyneuropathie

Wenn man sich mit "der" Polyneuropathie genauer beschäftigt, stellt man fest, dass es unzählige Formen und Ursachen gibt. Es werden in der Literatur sage und schreibe 500 verschiedene Ursachen der Polyneuropathie beschrieben.

Immerhin in etwa 35% der Fälle gelingt es allerdings nicht, überhaupt eine Ursache zu finden.

Außerdem gibt es Menschen, die Diabetes haben oder Alkoholiker sind und trotzdem gesund bleiben, während andere eine Polyneuropathie entwickeln, obwohl sie keines dieser Probleme haben.

Man geht deshalb inzwischen davon aus, dass es sich um eine multifaktorielle Erkrankung handelt. Das heißt, die Entstehung der Polyneuropathie ist ein Zusammenspiel aus vielen Dingen.

Beispielsweise ist die Gefahr, an Polyneuropathie zu erkranken bei Diabetikern dann wesentlich geringer, wenn Sie genügend Vitamin D im Körper haben (Qu et al. 2017). Auch andere Nährstoffe wie B-Vitamine können eine Rolle spielen. Auch wie gut die Durchblutung funktioniert, kann eine Rolle spielen, deshalb kann körperliche Fitness einen gewissen Schutz bieten. Denn wer körperlich fit ist, hat meist auch eine gute Durchblutung. Wenn man aber einfach Pech und eine genetische Veranlagung zur Polyneuropathie hat, dann kann man auch bei perfekter Nährstoffversorgung und Durchblutung trotzdem an Polyneuropathie erkranken.

Sie sehen, dass viele Faktoren eine Rolle bei der Polyneuropathie spielen. Deshalb gibt es auch nicht "die Heilung" für Polyneuropathie. Allerdings gibt es viele Ansatzpunkte, um zumindest etwas Linderung zu verschaffen oder den Krankheitsverlauf zu bremsen.

Mangel an Vitamin D erhöht bei Diabetikern das Risiko für Polyneuropathie

Was bei allen Polyneuropathien eine Rolle spielt

Unabhängig von der Ursache der Polyneuropathie gibt es Ding, die immer beachtet werden sollten:

Es sollten immer genügend Nährstoffe vorhanden sein. Insbesondere ein Mangel an Vitamin D und B-Vitaminen kann eine Rolle für die Polyneuropathie spielen. Falls ein Mangel vorliegt, sollte dieser ausgeglichen werden. In aller Regel nimmt man mit einer normalen Ernährung fast alle wichtigen Vitamine auf. Nur beim Vitamin D besteht sehr häufig ein Mangel. Laut Robert Koch Institut haben 56 der Deutschen weniger Vitamin D im Blut als optimal wäre (RKI).

Das bedeutet allerdings nicht, dass man seinen Körper mit großen Mengen an Vitaminen fluten sollte. Bei allen Nährstoffen gilt: Mehr als das Optimum bringt keinen zusätzlichen Nutzen. Es ist oft versucht worden, die Polyneuropathie zu heilen, indem riesige Mengen an Vitaminen aufgenommen wurden. Diese Versuche sind alle fehlgeschlagen. Der Körper hat einen bestimmten Bedarf an Vitaminen, wie an anderen Nährstoffen auch. Ist dieser Bedarf gedeckt bringt es nichts, mehr zu nehmen. Im Fall des Vitamin D ist es sogar gefährlich, zu viel zu sich zu nehmen. Wenn Ihnen Ärzte oder Therapeuten nichts anderes sagen, ist es unbedenklich, die Herstellerangaben zur Dosierung zu beachten.

Durchblutung und Verarbeitung der Nervensignale trainieren!

 

Bei allen Formen der Polyneuropathie sollten Durchblutungsstörungen vermieden werden. Diese gehen interessanterweise oft mit einer erhöhten Entzündlichkeit einher. Für eine bessere Durchblutung sorgen Sie mit viel Bewegung, insbesondere Ausdauersport oder spezielles Training für die Durchblutung. Außerdem sollte Ihre Ernährung ausreichend Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren enthalten. Cholesterin sollte möglichst im gesunden Bereich gehalten werden.

Für alle Polyneuropathien spiel außerdem eine Rolle, wie gut die Datenverarbeitung im Gehirn ist. Ein gut trainiertes Nervensystem ist in der Lage, die Daten, die aus den geschädigten Nerven kommen besser zu verarbeiten. Dadurch werden die Schmerzen weniger und die Bewegungskontrolle besser. Dies führt insbesondere dazu, dass man sicherer Gehen und stabiler gehen kann und seltener stürzt.

Eine ausführliche Anleitung zu Übungen speziell für das Nervensystem finden Sie hier: Übungen bei Polyneuropathie.

Wie entsteht Polyneuropathie?

Wie Sie gesehen haben gibt es nicht "die Polyneuropathie", sondern eine Vielzahl verschiedener Vorgänge, die alle die selbe Konsequenz haben: Die Nerven funktionieren nicht mehr richtig. Es gibt aber grundsätzlich zwei mögliche Angriffspunkte, an denen das Nervensystem geschädigt werden kann:

Die Nervenzelle (Neuron) selbst und die Strukturen, die die Nervenzelle versorgen und unterstützen, insbesondere die Blutgefäße und die Myelinschicht

Die Nervenzelle kann auf sich allein gestellt nicht funktionieren. Sie benötigt Blutgefäße, die Sie mit Sauerstoff versorgen. Außerdem sind die Nervenfortsätze von der sogenannten Myelinschicht umgeben, die bei der Signalübertragung helfen. Die Myelinschicht wird von weiteren Zellen, den sogenannten Schwann-Zellen gebildet. Diese Zellen sind außerdem an der Versorgung der Nervenzellen beteiligt. Bei der sogenannten Demyelinisierenden Polyneuropathie werden die Zellen, die die Myelinschicht bilden geschädigt. Dadurch verschlechtert sich die Signalübertragung und die Versorgung der Nervenzelle und die Symptome der Polyneuropathie entstehen.

Je besser die Blutgefäße funktionieren, desto besser ist auch die Versorgung der Nervenzellen und demensprechend ihre Chancen, gut zu funktionieren. Wenn die Blutgefäße die Versorgung der Nerven nicht mehr gewährleisten können, dann kann das eine Polyneuropathie verursachen. Dies kommt insbesondere bei Diabetes vor.

Insbesondere bei Vergiftungen und Entzündungen können aber auch die Neurone selbst zuerst betroffen sein.

Warum tut Polyneuropathie weh?

Dass die Polyneuropathie Schmerzen verursacht ist etwas paradox. Denn eigentlich ist der hauptsächliche Effekt der Nervenschäden, dass weniger Signale im Gehirn ankommen. Das bewirkt bei sehr viele Patienten einfach, dass man weniger Empfindungen der Füße und Hände hat. Bei anderen Patienten entstehen allerdings Schmerzen, die oft extrem stark sein können. Aber wieso tut es weh, weniger Nervensignale zu erhalten?

Das liegt daran, wie das Gehirn auf die Polyneuropathie reagiert. Die Signale die die Nerven an das Gehirn weiterleiten werden dort empfangen und verarbeitet. Wenn die Signale auf Grund der Polyneuropathie weniger und unklarer werden, kann es passieren, dass das Gehirn den "Empfänger" empfindlicher einstellt. Es versucht quasi, genauer hinzuhören und zu spüren, was in den Füßen oder Händen vor sich geht. Das kann dazu führen, dass kleinste Reize überbewertet werden und ganz normale Reize als Schmerz wahrgenommen werden. Man könnte sagen, das Gehirn überbewertet die Signale, die noch ankommen und hält kleinste Signale für einen gewaltigen Schmerz. Eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema finden Sie hier: Domingues 2018

Wenn man das Nervensystem trainiert, insbesondere indem man das Gleichgewicht trainiert, dann scheint das diese Überreaktion zu regulieren und dadurch die Schmerzen zu reduzieren. Eine vollständige Schmerzfreiheit ist zwar selten, allerdings sind Gleichgewichtsübungen eine der wenigen Methoden, die Sie selbst problemlos zu Hause anwenden können.

Muskelverhärtungen tragen zu den Schmerzen bei

Hinzu kommt, dass Schmerzzustände oft mehr als eine Ursache haben.

Bei meinen eigenen Patienten beobachte ich sehr häufig, dass sich zusätzlich zur Polyneuropathie Muskelverhärtungen bilden, die ebenfalls Schmerzen verursachen. Medizinisch nennt man das das Myofasziale Schmerzsyndrom. Ich gehe davon aus, dass die schlechtere Wahrnehmung des Körpers und die schlechtere Ansteuerung der Muskulatur zu den Verhärtungen beitragen. Es hat sich bereits bei anderen Schmerzproblematiken gezeigt, dass eine gute Wahrnehmung des Körpers vor Schmerzen schützt, denn wer seinen Körper gut fühlt und gut steuern kann, vermeidet Über- und Fehlbelastungen.

Es lässt sich übrigens nicht unterscheiden, ob Schmerzen durch Nervenschäden oder Muskelprobleme verursacht wurden. Die Schmerzen, die durch verkrampfte Muskeln entstehen darf man nicht unterschätzen, obwohl sie bezüglich der Polyneuropathie meist ignoriert werden. Übrigens können solche Muskelprobleme auch Schmerzen an ganz anderer Stelle auslösen. Zum Beispiel werden Schmerzen der Zehen oft durch die Muskeln ausgelöst, die die Zehen bewegen. Diese befinden sich allerdings im Unterschenkel, so zum Beispiel der lange Zehenstrecker (Extensor hallucis longus), der am Schienbein sitzt und die große Zehe nach oben zieht. Wenn dieser Muskel verhärtet ist, empfindet man einen Schmerz in großen Zehe.

Um solche Schmerzen zu behandeln gibt es grundsätzlich mehrere Möglichkeiten:
1. Massage der betroffenen Muskeln, um die Verkrampfung zu lösen.
2. Dehnübungen zur Entspannung der Muskulatur
3. Training des Körpergefühls und der Muskelkraft, um Verkrampfungen und Verhärtungen zu verhindern.

Diabetische Polyneuropathie

Die Diabetische Polyneuropathie ist die häufigste Form der Polyneuropathie und betrifft etwa ein Fünftel der Diabetiker. Die Zuckerkrankheit verursacht gleich mehrere Probleme, die die Nerven schädigen und dadurch eine Polyneuropahite verursachen können:

Durchblutungsstörungen

Verschlechterter Stoffwechsel der Nervenzellen (insbesondere der Mitochondrien)

Ansammlung von giftigen Abfallprodukten (sogenannte glycated proteins)

Das gibt uns als Therapeuten und Betroffene schonmal mehrere Ansatzpunkte für die Therapie: Wenn Sie die Durchblutung und den Stoffwechsel auf Trab bringen, dann bremsen Sie auch den Verlauf der Polyneuropathie. Das beste Mittel dazu ist Sport. Wer gut trainiert ist, bei dem funktioniert der Stoffwechsel besser und deshalb sinken die Zuckerwerte. Die Durchblutung ist bei körperlich fitten Menschen besser. Das führt außerdem dazu, dass die giftigen Abfallprodukte, die beim Diabetes entstehen schneller abtransportiert werden und die Nerven nicht schädigen können. Deshalb ist es bei Diabetikern noch mehr als sonst essenziell, sich viel und vor allem auf die richtige Art und Weise zu bewegen.

Das Training sollte zwei Hauptteile umfassen:
Gleichgewichtstraining, um die Funktion des Nervensystems zu verbessern
Training des Zuckerstoffwechsels, um den Blutzucker zu senken und die Durchblutung zu verbessern.

Auf den folgenden beiden Seiten finden Sie ausführliche Anleitungen dazu:

Ernährung bei Diabetischer Polyneuropathie

Selbstverständlich spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle für die Diabetische Polyneuropathie. Dass der Zuckerspiegel relativ niedrig sein sollte liegt natürlich auf der Hand. Abgesehen davon sollte darauf geachtet werden, dass die Ernährung gut für die Durchblutung ist und Entzündungen hemmt.

Zwei wichtige Faktoren dafür sind das Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren. Beide sind gut für die Blutgefäße und beide sind ebenfalls entzündungshemmend. Darüber hinaus ist es sinnvoll, wenig rotes Fleisch zu essen und nicht zu rauchen.

Starkes Übergewicht und erhöhtes Cholesterin sollten ebenfalls möglichst reduziert werden, da sie die Blutgefäße, die die Nerven versorgen ebenfalls beeinträchtigen.

Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie

Die Polyneuropathie durch Chemotherapie ist ein Problem, das immer mehr in den Fokus rückt. Mit modernen Chemotherapien sind manche Nebenwirkungen besser kontrollierbar als mit den Mitteln, die noch vor 20 Jahren eingesetzt wurden. Allerdings kommen die Polyneuropathien immer häufiger vor.

Da viele verschiedene Mittel, die bei der Chemotherapie eingesetzt werden auch die Nerven schädigen können, gibt es auch viele verschiedene Chemotherapie-induzierte Polyneuropathien. Eine Übersicht dazu finden Sie in der Tabelle (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

ChemotherapieMechanismusBesonderheiten
Platinderivate:
Carboplatin
Cisplatin
Oxaliplatin
Schäden der Zellkerne und der MitochondrienMeist sensorische Polyneuropathie
Häufig nach Absetzen weitere Verschlimmerung (sog. Coasting)

Bei Cisplatin sind häufig Nerven am Kopf, z.B. Hörnerv betroffen

Vinca-Alkaloide:
Vincristin
Vinblastin
Vinorelbin
Vindesin
Schädigung der MikrotubuliMeist sensorische Polyneuropathie
Häufig Geschmacksstörungen
Manchmal enstehen Mononeuropathien (nur ein Nerv ist betroffen)
Weitere Verschlimmerung nach Absetzen kann vorkommen
Taxole:
Paclitaxel
Nab-paclitaxel
Cabalitaxel
Schädigung der MikrotubuliMeist sensorische Polyneuropathie
Bei Cabalitaxel kommen Schäden des Sehnervs vor
Proteasom-Inhibitoren:
Bortezomib
Carfilzomib
Ixazomib
Nicht vollständig geklärtHäufig small fiber polyneuropathie
Angiogenese-Inhibitoren:
Thalidomid
Lenalidomid
Pomalidomid
Störung der DurchblutungHäufig Störung perioralen (den Mund umgebenden) Nerven

Trainingstherapie scheint bei Chemotherapie zu schützen

Wenn man während der Krebsbehandlung weiterhin Sport treibt, hat das zahlreiche positive Auswirkungen und kann sogar die Überlebenschance verbessern. Speziell für die Polyneuropathie haben sich Gleichgewichtsübungen bewährt. Training während der Chemotherapie reduzierte in einer Studie mit Lymphompatienten die Symptome der Polyneuropathie (Kleckner et al. 2017) wenn während der Chemotherapie trainiert wurde.

In einer Studie der Universität Freiburg wurde beobachtet, dass Patienten, die insbesondere das Gleichgewicht trainierten sich nach der Chemotherapie schneller erholten. Im Untersuchungszeitraum berichteten 87% der Patienten, die trainierten von einer Verbesserung, während in der inaktiven Kontrollgruppe niemand (!) eine Besserung spürte (Streckmann 2014).

Eine ausführliche Anleitung zu Übungen bei Polyneuropathie finden Sie hier:

Übungen und Symptome der Polyneuropathie

Polyneuropathie mit Handschuhen verhindern

Neben dem Training ist es allerdings auch sinnvoll, die Nerven während der Gabe der Chemotherapie zu schützen. Dazu werden enge Handschuhe oder Kompressionssocken angezogen, die die Hände und Füße komprimieren. Dadurch fließt weniger Blut hinein und damit kommt auch weniger Chemotherapie-Wirkstoff dort an, der die Nerven schädigen könnte.

Dieses Verfahren ist sehr einfach, risikoarm und billig. Handschuhe bekommt man schon für wenige Cent pro Stück. Wichtig ist, dass die Handschuhe eng genug sind. Sie sollten deshalb Handschuhe verwenden, die eine Nummer kleiner als Ihre eigentliche Größe sind. Außerdem sollten Sie zwei Handschuhe übereinander anziehen.

Für die Füße können Sie Kompressionssocken verwenden. Diese gibt es inzwischen nicht nur für medizinische Zwecke, sondern auch für Sportler, wobei dann das Tragegefühl etwas angenehmer ist.

Verstehen Sie mich richtig: Normalerweise ist eine gute Durchblutung eine Vorraussetzung für eine gute Gesundheit, nur in dem Moment in dem die Wirkstoffe der Chemotherapie in Ihrem Blut sind ist es sinnvoll, den Blutfluss an bestimmten Stellen zu vermindern. Deshalb ist es auch nur während dieser kurzen Zeit sinnvoll, Handschuhe und Kompressionsstrümpfe zu tragen.

Polyneuropathie mit Handschuhen verhindern

In einer Japanischen Studie wurde durch das Tragen der Handschuhe beeindruckende Effekte erzielt. Während der Gabe von Paclitaxel trugen die Patienten die Handschuhe wie beschrieben, aber nur an einer Hand. Die andere Hand blieb frei.

Die Patienten entwickelten viel seltener Polyneuropathienan der Hand, die durch die Handschuhe geschützt war.

Die Studie können Sie hier nachlesen: Tsuyuki et al. (2016)

In einer weiteren Studie wurde übrigens gezeigt, dass ein ähnlicher Effekt durch Kälte erreicht werden kann, wenn die Kompression nicht möglich ist (Kanbayashi 2020)

Schutz durch Omega-3-Fettsäuren

Außer durch Bewegung, spielt natürlich auch bei Chemotherapie die Ernährung eine wichtige Rolle.

Bisher haben sich auch hier Omega-3-Fettsäuren bewährt. Sowohl bei Paclitaxel auch bei Bortezomib scheinen die Nerven durch Omega-3-Fettsäuren geschützt zu werden (Maschio et al. 2018; Anoushirvani et al. 2018)

Es scheint allerdings entscheidend zu sein, Omega-3-Fettsäuren aus Fisch zu sich zu nehmen. Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren scheinen nicht zu funktionieren. Die gute Nachricht dabei ist, dass es Präparate mit Fischöl für wenig Geld in den meisten Drogerien gibt. Allerdings ist zu empfehlen, kurz mit dem Arzt über solche Nahrungsergänzung zu sprechen.

Alkoholische Polyneuropathie

Die alkoholische Neuropathie ist eine der weniger bekannten Folgen des Alkoholismus, kommt aber sehr häufig vor. Interessanterweise ist nicht genau bekannt, wieviel Prozent der Alkoholiker eine Polyneuropathie entwickeln. Je nach schwere und Dauer der Alkoholkrankheit sind zwischen einem Fünftel und der Hälfte der Alkoholiker betroffen. Frauen scheinen etwas anfälliger für die Nervenschäden durch Alkohol zu sein als Männer.

Der Alkohol schadet gleich auf mehreren Ebenen:

Alkohol ist giftig und kann die Nervenzellen direkt schädigen

Alkohol entzieht B-Vitamine

Alkohol verschlechtert die Durchblutung (Puddey et al. 2001) und deshalb die Versorgung der Nerven

Alkohol erhöht die Entzündlichkeit (Alkohol und Entzündungen)

Es könnte dabei eine Rolle spielen, welche alkoholischen Getränke man zu sich nimmt. In Bier sind zum Beispiel B-Vitamine enthalten, die den Effekt des Alkohols etwas ausgleichen könnten. Rotwein kann aufgrund der Polynphenole die darin enthalten sind etwas weniger schädigend für die Durchblutung sein als andere Getränke. Harter Alkohol in Form von Schnaps oder Vodka hingegen ist vermutlich gefährlicher.
Der Alkohol kann übrigens nicht nur das periphere Nervensystem schädigen, sondern auch Schäden direkt im Gehirn verursachen. Das kann bis zur alkoholischen Demenz führen.

Auch Menschen, die landläufig nicht für Alkoholiker gehalten werden, können durch Alkoholkonsum eine Polyneuropathie entwickeln. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. Wer Beispielsweise an Diabetes leidet und zusätzlich regelmäßig trinkt, erhöht dadurch sein Risiko.

Eine wesentliche Rolle für die Entwicklung von Nervenschäden spielt übrigens die Häufigkeit des Trinkens. Wer selten viel trinkt schadet den Nerven weniger als wer täglich trinkt (Chopra & Tiwari 2012).

Wichtig ist aber, dass hier die Dosis das Gift macht. Das berühmte eine Glas Rotwein bleibt weiterhin gesund, solange es bei einem Glas bleibt.