Training gegen Schmerzen bei Polyneuropathie

Schmerzen sind bei Polyneuropathie neben Missempfindungen und Taubheit das schlimmste Symptom. Neueste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass die richtige Bewegung helfen kann. Das Beste daran: Sie können zu Hause selbst eine solches Training gegen die Schmerzen bei Polyneuropathie durchführen!

Wissenschaftlich nachgewiesen: Schmerzen bei Polyneuropathie werden durch Bewegung besser!

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass gezieltes Training bei Polyeuropathie hilft, Gleichgewicht und Gangsicherheit zu erhöhen. Deshalb fragten sich Wissenschaftler wie Patienten lange Zeit: Könnte Training auch gegen Schmerzen bei Polyneuropathie und sogar gegen Taubheit und Missempfindungen helfen? Jetzt liegen wissenschaftliche Studien vor, die genau das belegen. Zwei davon möchte ich Ihnen kurz vorstellen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Schmerzen bei Polyneuropathie lassen sich reduzieren

Die Studien zeigen: Gezieltes Training reduziert die PNP-Symptome. Die StudienteilnehmerInnen verringerten durch ihr Training die lästigen Hitze- und Kältemissempfindungen, die Taubheit und das Kribbeln in Händen und Füßen. Ausdrücklich weisen die Studien darauf hin, dass dies einer Kontrollgruppe, die nicht trainierte, eben nicht gelang: Training lohnt sich! Spürbar. Deshalb gehen die Wissenschaftler sogar so weit, dass sie behandelnden Ärzten empfehlen, dieses wohltuende Training ihren PatientInnen zu anzuraten. Wobei es auch kein Problem ist, wenn der Arzt das nicht tut: Dann macht man das eben selber. Die Übungen sind leicht und können sehr gut zu Hause durchgeführt werden. Hier ist der Link dazu:

Wer die Übungen handlich in Form der beliebten Broschüre möchte oder auch das nützliche Balance Pad oder gar das ganze Balance Set, findet alles Gewünschte hier:

Zu alt dafür?

Ich höre von vielen PatientInnen: „In meinem Alter mache ich keinen Sport mehr!“ Das braucht auch niemand. Die Übungen sind kein „Sport“ wie Fußball oder Skifahren. Die Übungen sind vielmehr so einfach, dass sie quasi jeder und jede in jedem Alter jederzeit ausführen kann – und viel Freude damit hat. Viele sagen auch: „In meinem Alter wird das nicht mehr besser.“ Auch das widerlegt insbesondere die erste Studie: Für ältere TeilnehmerInnen waren die Verbesserungen der Symptome sogar stärker als bei Jüngeren. Endlich zahlt sich das Alter mal aus! Für eine Verbesserung ist es also nie zu spät.

Sogar bessere Reflexe!

Eine zweite Studie, hauptsächlich von Forschern der Sporthochschule Köln, ließ PNP-PatientInnen ein Gleichgewichtstraining und ein Vibrationstraining absolvieren. Hier zeigte sich, dass sie damit ihre Schmerzen reduzierten und sogar ihre Reflexe verbessern konnten. Auch das Gleichgewichtstraining besticht durch einen schönen Vorteil: Sie können es zu Hause in den eigenen vier Wänden machen. Man braucht dafür kein Fitness-Studio, keinen Trainer, keinen Arzt, keinen Physiotherapeuten. Einfacher und angenehmer geht’s nicht.

Anstrengung mus nicht sein - wenn man mit Köpfchen übt

Bei den Übungen kam es übrigens nicht darauf an sich möglichst stark anzustrengen. Es geht hier nicht um Fitnesstraining. Es geht darum, das Nervensystem zu trainieren, nicht Muskeln oder Ausdauer.

Wenn man sich sehr stark anstrengt führt das sogar zu einem kleinen Trainingseffekt. Denn das Nervensystem kann sich besser anpassen wenn man erholt ist und sich noch gut konzentrieren kann. Es handelt sich eher um einen Lernprozess als um ein Ftinesstraining. Denn man lernt neue Bewegungen und insbesondere, das Gleichgewicht besser zu halten.

Das bringt das Nervensystem dazu, sich an die neuen Aufgaben anzupassen. Und diese Anpassung führt dazu, dass die Nervenschäden die die Polyneuropathie verursachen ausgeglichen werden. Und dadurch werden die Schmerzen besser.

Kraft- und Ausdauertraining als Bonus

Wenn man anstrengendes Kraft- und Ausdauertraining betreibt dann richtet sich das Training hauptsächlich an die Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem. Das Nervensystem steht nicht im Fordergrund.

Polyneuropathiepatienten, die Krafttrainnig oder Ausdauertraining betreiben erreichen dementsprechend auch keine großen Effekte auf die Nerven. Natürlich hat das Training sehr sehr viele positive Effekte auf den Körper und die Gesundheit. Allerdings reicht es allein nicht aus um sich gegen die Polyneuropathie zu helfen. In Studien in denen Patienten mit Polyneuropathie ein solches Training absolvierten kam es zwar zu leichten Verbesserungen, der Effekt war aber so klein dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stand.

Allerdings: Führt man ein Training für das Nervensystem durch und fügt dann noch ein Kraft- und Ausdauertraining hinzu, ergänzen sich die Wirkungen gegenseitig und man erreicht größere Verbesserungen.

Die Wirkung des Trainings auf das Nervensystem wird verbessert und die Polyneuropathie verbessert sich schneller. Gleichzeitig wirkt auch das Kraft- und Ausdauertraining besser, weil das besser funktionierende Nervensystem eine bessere Koordination bewirkt und es erlaubt, die Muskelkraft besser einzusetzen.

Am besten ist es also wenn man als Polyneuropathiepatient spezielle Übungen für das Nervensystem mit Kraft- und Ausdauertraining kombiniert. Wenn Sie allerdings nur Zeit für eines von beidem haben, sollten Sie sich auf das Nervensystem konzentrieren.

Probieren geht über Studieren

Sie werden die wohltuenden Effekte des Trainings am eigenen Körper und im eigenen Alltag spüren. Also lautet das Rezept ganz einfach: Probieren Sie es aus! Warum nicht heute gleich? Es lohnt sich. Legen Sie los!

Beispielübungen finden Sie hier:


Christian Bitzer