Trainingstherapie

Fitness gegen Corona

Bleiben Sie aktiv

Wegen der Corona-Krise sind inzwischen alle Sporthallen und Fitnesstudios geschlossen. Versuchen Sie aber gerade jetzt, trotzdem aktiv zu bleiben, denn körperliche Fitness schützt Sie!

Die Gefahren der Erkrankung hängen ganz konkret mit Ihrer körperlichen Kondition zusammen.

Immunsystem stärken

Wer moderaten Sport betreibt, dessen Immunsystem wird dadurch stärker und ist besser in der Lage, Infektionen abzuwehren.

Wenn Sie ein paar Tage lang inaktiv sind, wird Ihr Immunsystem heruntergefahren. Das macht Sinn, denn der Körper glaubt, wenn er nicht aktiv ist, wird er auch weniger Keimen ausgesetzt. Er spart daher Energie, indem die Aktivität des Immunsystems reduziert wird. Kommt man dann aber plötzlich doch in Kontakt mit schädlichen Viren oder Bakterien ist man weniger gut geschützt.

Wer hingegen moderat körperlich aktiv ist, dessen Immunsystem erhöht seine Aktivität. Die sogenannten Natürlichen Killerzellen werden aktiver, außerdem produziert der Körper mehr dieser schützenden Abwehrzellen. Diese Killer sind dazu da, virenbefallene Zellen zu erkennen und zu zerstören. Sie helfen außerdem dabei, die Abwehrreaktion des Körpers zu verstärken und die spezifische Abwehr zu aktivieren.
Außerdem werden durch Sport die Neutrophilen Granulozyten stärker. Auch diese Zellen töten Eindringlinge und verhindern eine Infektion. Sie sind bei körperlich fitten und aktiven Menschen besser in der Lage, Stoffe auszuschütten, die gefährliche Mikroorganismen zerstören können (der sogenannte Oxidative Burst).

Fitness schützt vor Lungenentzündung!

Dementspechend sind Menschen, die körperlich fitter sind, seltener krank. Denn ihr Immunsystem kann Krankheitskeime leichter bekämpfen. Wenn es doch zu einer Infektion kommt, hat diese bei fitten Menschen häufiger einen milden Verlauf.

Das große Problem beim Corona-Virus - die Lungenentzündung - entsteht bei fitten Menschen daher seltener. Denn die Erkrankungen bleiben häufiger auf die oberen Atemwege begrenzt. Die Krankheit beschränkt sich also zum Beispiel auf die Bronchien, statt die Lunge zu befallen und ist daher wesentlich weniger gefährlich.

In einer finnischen Studie zeigte sich, dass Menschen die körperlich sehr fit sind, dementsprechend nur etwa halb so häufig an Lungenentzündungen erkranken wie Menschen mit geringem Fitnesstand. (hier die Studie zum Nachlesen).

Körperliche Fitness und Gefahr für Lungenentzündung

Körperliche Fitness schützt vor Lungenentzündungen

Fitness bedeutet gute Sauerstoffaufnahme

Wenn man körperlich fitter ist, bedeutet das im Prinzip nichts anderes, als besser in der Lage zu sein, Sauerstoff aufzunehmen.

Die Sauerstoffaufnahmefähigkeit ist das wichtigste wissenschaftliche Maß der körperlichen Fitness.

Denn wer viel Sauerstoff aufnehmen und verbrennen kann, kann sich auch schnell und ausdauernd bewegen.

Falls Sie an den Atemwegen erkranken, profitieren Sie dementsprechend auch von einer höheren Fitness. Denn ein Körper, der sehr viel Sauerstoff aufnehmen kann, steckt Schäden in den Atemwegen natürlich leichter weg.

Wer fitter ist hat mehr Reserven

Sind Sie zum Beispiel in der Lage 10 km zu laufen, bedeutet das, dass Sie in der Lage sind sehr viel Sauerstoff aufzunehmen. Also sehr viel mehr, als Ihr Körper in Ruhe benötigt.

Falls Sie nun an Corona erkranken, das die Lungenfunktion einschränkt, haben Sie daher immernoch große Reserven. Sie können also weiterhin genügend Sauerstoff aufnehmen und geraten nicht in einen kritischen Zustand.

Wenn Sie hingegen zu den Menschen gehören, die bereits bei alltäglichen Dingen aus der Puste kommen, trifft Sie eine Infektion der Atemwege daher deutlich härter.

Die Infektion kann dann dazu führen, dass die Sauerstoffaufnahme so schlecht funktioniert, dass Sie beatmet werden müssen. Und das ist zum Beispiel in Italien der Grund für die vielen Toten: Es gibt mehr kritisch Kranke als Beatmungsgeräte.

Kontaktieren Sie mich für Ihr Training!

Für ein gutes Training muss man nicht unbedingt aus dem Haus gehen und eine Ansteckung riskieren. Wenn man weiß wie, kann man schon in 15-20 Minuten ein effektives Training zu Hause durchführen.

Einen individuellen Trainingsplan dazu kann ich (ohne Ansteckungsgefahr 🙂 ) telefonisch für Sie erstellen. Den Trainigsplan erhalten Sie je nach Wunsch per App oder in Papierform.

Christian Bitzer, Sporttherapeut für Atemwegserkrankungen (DVGS)

Christian Bitzer, Sporttherapeut für Atemwegserkrankungen (Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie)

Telefon: 0176 66 86 91 51

Email: Bitzer.Sporttherapie@gmail.com

Je älter desto schlechter die Sauerstoffaufhnahme

Ein Grund dafür, dass hauptsächlich ältere Menschen an Corona sterben ist, dass ihre Sauerstoffaufnahme schlechter ist als bei jungen Menschen. Wer nicht trainiert, dessen Sauerstoffaufnahmefähigkeit sinkt um etwa 1-2% pro Jahr. Das bedeutet, mit 80 Jahren kann man nur noch halb so viel Sauerstoff aufnehmen wie mit 20. Dementsprechend ist man dann stärker gefährdet.

Wer hingegen Sport treibt, dessen Sauerstoffaufnahme bleibt besser. Es ist mit moderatem Training problemlos möglich, mit 70 Jahren die Sauerstoffaufnahme eines durchschnittlichen 30-Jährigen zu haben. Und dementsprechend gesünder zu bleiben!

Nicht übertreiben

Es gibt allerdings eine Einschränkung: Wer zu hart trainiert, dessen Immunsystem funktioniert schlechter. Nach einem hochintensiven Training kommt es daher zum sogenannten "Open Window Effect". Das heißt, man ist für einige Stunden anfälliger, insbesondere für Atemwegserkrankungen.

Wenn Sie sehr intensiv trainieren, sollten Sie daher direkt nach dem Training besonders auf Hygiene und Abstand von anderen Menschen achten.

Wenn man zu häufig und zu lange trainiert tritt übrigens ein ähnlicher Effekt ein. Ausdauersportler, die sehr lange Trainings absolvieren, erkranken deshalb häufiger an den Atemwegen.

Während einer Erkrankung: Ruhe!

Alle positiven Effekte des Sports sind allerdings vorbeugend. Wenn Sie bereits an einer Atemwegserkrankung leiden sollten Sie sich schonen.

Wer mit einer Erkältung trainiert, provoziert dadurch einen schweren Verlauf und Komplikationen. Es kommt immer wieder vor, dass junge, scheinbar gesunde Sportler an Herzentzündungen erkranken und urplötzlich versterben. Die häufigste Ursache dafür, ist dass man trotz Erkältungen weitertrainiert.

Trainingsplanung und Beratung

Wahrscheinlich können Sie während der Corona-Krise nicht mehr Ihrem üblichen Sport nachgehen. Viele wissen auch nicht, wie sie alleine und zu Hause trainieren können.

Ich kann Ihnen dabei helfen, zu Hause weiterzutrainieren. Planvoll und individuell für Sie, sodass Sie quasi ein Personal Training mit mir machen. Kontaktlos und ohne Ansteckungsgefahr.

Christian Bitzer, Sporttherapeut für Atemwegserkrankungen (DVGS)

Christian Bitzer, Sporttherapeut für Atemwegserkrankungen (Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie)

Telefon: 0176 66 86 91 51

Email: Bitzer.Sporttherapie@gmail.com

Polyneuropathie

Polyneuropathie und Kaffee – der Wachmacher bleibt erlaubt

Kaffee soll bei Polyneuropathie schaden?

Kaffe und Polyneuropathie sind ein Thema, über das sich viele Patienten Gedanken machen. Da die Krankheit die Lebensqualität oft sehr stark einschränkt ist man bei solchen Überlegungen oft schnell verunsichert. In der Medizin sind Sie aber kaum ein Thema und man findet kaum Informationen dazu, wie man mit diesem Genußmittel umgehen soll.

In diesem Artikel versuche ich deshalb, die Tatsachen und wissenschaftlichen Fakten zum Thema Kaffee und Polyneuropathie zusammenzufassen und möglichst viele offene Fragen zu klären. Eines vorneweg: ich möchte Ihnen den Kaffee als Polyneuropathiepatientin oder -Patient nicht verbieten!

Kurz zusammengefasst:

Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Kaffee bei Polyneuropathie schädlich sein könnte. Falls Sie aufgrund von Diabetes an Polyneuropathie leiden, könnte Kaffee sogar eher positiv wirken.
Es gibt keinen Grund dafür, bei Polyneuropathie grundsätzlich auf Kaffee zu verzichten. Lediglich wenn Ihr Arzt aus guten Gründen dazu rät, sollten Sie den Kaffeekonsum unterlassen.

Schadet Kaffee bei Polyneuropathie?

Polyneuropathie und Kaffee

Polyneuropathie und Kaffee

Das war mir neu!

Eine Patienten fragte mich vor ein paar Tagen etwas verunsichert, ob sie mit ihrer Polyneuropathie noch Kaffee trinken dürfe.

Sie hatte gelesen, man solle den Kaffeekonsum einschränken, da er die Polyneuropathie verschlimmere. Mir war bisher nicht bekannt dass Polyneuropathie und Kaffee zusammenhängen sollen, also machte ich mich ans Recherchieren.

Mehr Informationen zur Ernährung bei Polyneuropathie finden Sie hier.

Angeblich Störung des vegetativen Nervensystems

Zunächst findet man bei der Suche nach Informationen kaum etwas. Man findet lediglich ein paar Websites, auf denen empfohlen wird, den Kaffeekonsum bei Polyneuropathie einzuschränken, da er das vegetative Nervensystem beeinflusst und die Koordination im Nervensystem beeinträchtigt.

Dass Kaffee das vegetative Nervensystem beeinflusst ist ja richtig und ist einer der Gründe, warum Kaffee ein Wachmacher ist, aber schadet das oder verschlimmert es gar die Polyneuropathie? In den meisten Fällen bestehen die Nervenschäden bei Polyneuropathie doch gar nicht vorrangig im vegetativen Nervensystem. (Das vegetative Nervensystem ist vereinfacht gesagt der Teil des Nervensystems, der uns wach oder müde macht und Dinge wie die Atemgeschwindigkeit und die Verdauung regelt die unbewusst ablaufen, es gibt besondere Formen der Polyneuropathie, die es besonders angreifen, diese sind allerdings nicht sehr häufig)

Die meisten Menschen leiden an Schmerzen, Taubheit und Missempfindungen in den Füßen und Händen. Und die entstehen nicht durch Probleme im vegetativen Nervensystem.

Sind solche Behauptungen da nicht eher Vermutungen als Aussagen, die auf Fakten basieren?

Was weiß die Wissenschaft zu Polyneuropathie und Kaffee?

Um verlässliche Informationen zu finden, suche ich nach wissenschaftlichen Studien. Dazu durchsuche ich medizinische Datenbanken, in denen sich die meisten Studien finden lassen.

In solchen Fällen ist die beste Adresse "Pubmed", die wichtigste Datenbank für medizinische Studien. Wenn es Beweise für medizinisch relevante Wirkungen von Genussmitteln gibt, dann lassen sie sich hier ziemlich sicher finden. Leider finden sich allerdings fast keine Studien zum Thema. Zumindest nicht mit Menschen. Offenbar hat kaum ein Forscher sich bisher die Frage gestellt ob Polyneuropathie und Kaffee zusammenhängen.

Das Einzige was ich tatsächlich finde sind zwei Studien mit Mäusen, die an Diabetes litten. Durch den Diabetes wurden bei diesen Mäusen Schäden an den Gehörnerven ausgelöst (sie litten an Auditorischer Neuropathie). Wenn die Tiere Kaffee bekamen schützte das die Gehörnerven. Die Nerven funktionierten besser und konnten besser Signale verarbeiten. Die Mäuse konnten also besser hören, denn die Nerven funktionierten besser, wenn sie Kaffee bekamen. Hier der Link zu einer der Studien.

 

Schützt Kaffee sogar vor Polyneuropathie?

Eher eine Schutzwirkung zu erwarten?

Also mit Menschen gibt es überhaupt keine Untersuchungen dazu, ob Kaffee bei Polyneuropathie schadet. Bei Tieren gibt es Hinweise darauf, dass der Kaffee sogar schützen könnte. Das reicht für eine echte Empfehlung allerdings noch nicht aus.

Wirklich viel weiß man zum Thema also noch nicht und Studien, die die Wirkung des Kaffees bei Patienten mit Polyneuropathie direkt untersuchen gibt es noch garnicht. Das heißt, aus wissenschaftlicher Sicht kann man, wenn überhaupt nur Vermutungen aufgrund der Tierversuche anstellen. Das ist nun wirklich keine Begründung dafür, den Patienten den Kaffee zu verbieten.

Aber was ist sonst noch bekannt? Dass Kaffee einige Wirkungen auf den Körper und die Gesundheit hat, weiß man ja. Welche Wirkungen könnten denn mit der Polyneuropathie zusammenhängen?

Bei Diabetischer Polyneuropathie ist Kaffee eher hilfreich

Was man sicher sagen kann ist, dass regelmäßiger Kaffeekonsum bei Diabetes eher hilft als schadet. Und Diabetes ist eine der häufigsten Ursachen der Polyneuropathie.

Durch Kaffeekonsum wird die Gefahr, an Diabetes Typ 2 zu erkranken reduziert. Wie Sie der Grafik unten entnehmen können, sinkt die Gefahr um etwa ein Drittel wenn man sechs Tassen am Tag trinkt. (Wenn Sie auf die Grafik klicken gelangen Sie zur Studie aus der die Daten stammen)

Übrigens sinkt das Risiko weiter, wenn man mehr als 6 Tassen Kaffee täglich trinkt. Allerdings muss man schon ein großer Kaffeeliebhaber sein um solche Mengen zu trinken und man kann durchaus annehmen dass solche Mengen das gesunde Maß übersteigen.

Falls Sie an Diabetes leiden interessiert Sie vielleicht mein Training gegen Diabetes

Bewegung gegen Polyneuropathie

Mit den richtigen Übungen können Sie sich selbst gegen Polyneuropathie helfen.

Die Nervenschäden in den Händen und Füßen lassen sich durch das richtige Training des Gehirns ausgleichen. Dadurch lernt man wieder, sicherer zu gehen und Stürze zu vermeiden. Häufig werden sogar die Schmerzen besser.

Hier finden Sie Übungen für zu Hause:

Kaffee schützt Diabetiker vor Folgeerkrankungen

Auch wenn man schon an Diabetes leidet, kann regelmäßiger Kaffeekonsum den Blutzucker etwas senken. Regelmäßiger Konsum scheint den Langzeitblutzucker  HbA1c um maximal 0,5 senken zu können. Das ist zwar kein riesiger Unterschied, aber für ein Genußmittel doch beeindruckend. Interessanterweise entsteht dieser Effekt nur langfristig. Unmittelbar nach dem Genuß von Kaffee steigt der Blutzucker sogar kurzfristig an.

Auch die Gefahr, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu erleiden, scheint durch Kaffee bei Diabetikern etwas gesenkt zu werden. Diese kommen bei Diabetikern leider besonders häufig vor und der Kaffee senkt die Gefahr etwas. Das gilt natürlich nur wenn man den Kaffee nicht mit Zucker süßt 😉

Aber wenn der Kaffee also einen positiven Effekt auf den Blutzucker hat, wieso sollte er dann bei Diabetischer Polyneuropathie schaden? Dafür gibt es weder statistische Hinweise noch andere stichhaltige Argumente. Es scheint sogar eher so zu sein, dass der Kaffee gegen den Diabetes und damit auch gegen die Nervenschäden hilft.

Wenn Ihre Polyneuropathie also durch Diabetes ausgelöst wurde und Sie gerne Kaffee trinken, dann machen Sie ruhig weiter damit! Sie werden sich damit eher etwas Gutes tun als sich schaden. Und man muss doch schon auf so vieles Verzichten, ist es da nicht schön sich wenigstens noch hin und wieder einen Kaffee gönnen zu können?

Vitaminmangel bei Polyneuropathie durch Kaffee ausgleichen?

Hinzu kommt, dass Kaffee Niacin (Vitamin B3) enthält und die Aufnahme von Vitamin B12 fördert. Ein Mangel an B-Vitaminen kann ebenfalls eine Polyneuropathie auslösen, deshalb sollte ein Mangel an B-Vitaminen dringend vermieden und entsprechend viele B-Vitamine in der Ernährung enthalten sein. (Mehr zum Thema Ernährung bei Polyneuropathie finden Sie hier)

Die Mengen an B-Vitaminen im Kaffee sind allerdings nicht sehr groß, das Heißgetränk alleine wird also keinen gewaltigen Unterschied machen, wenn Sie an aktuem Mangel an B-Vitaminen leiden.

Gleichzeitig scheint der Kaffee aber zu einem Verlust an Vitamin B1 zu führen. Auch diese Wirkung ist nicht so groß, dass man deshalb auf den Kaffee verzichten müsste. Insbesondere wenn man ansonsten auf die Ernährung achtet. Bezüglich Vitamin B1 ist es wichtiger, auf Alkohol zu verzichten, der dem Körper den wichtigen Nährstoff in viel größerem Maße entzieht.

Was Vitamine angeht, ist allerdings allgemein zu sagen, dass das Potenzial für die Heilung der Polyneuropathie begrenzt ist. Wenn man an Nervenschäden leidet, die durch einen Mangel an Vitaminen ausgelöst wurden, macht es natürlich durchaus Sinn, viele dieser Vitamine zu sich zu nehmen. Auch wenn ein Mangel bei Ihnen gemessen wurde, sollten Sie diesen natürlich ausgleichen.

Allerdings gibt es, was Vitamine angeht eine allgemeingültige Regel:

Mehr Vitamine aufzunehmen, als nötig ist um den Bedarf zu decken, bringt keinen zusätzlichen Nutzen!

Das heißt, eine normale Versorgung mit Vitaminen aller Art genügt. Wenn Sie keinen Mangel an Vitaminen haben, wird es auch nichts nutzen, Vitaminpillen zu nehmen, oder auf eine Ernährung mit vielen dieser Vitamine zu achten. Deshalb sind bisher auch alle Versuche gescheitert, Polyneuropathie mit Vitaminpräparaten zu heilen.

Also sind mögliche Wirkungen auf den Vitaminhaushalt auch kein Grund für Polyneuropathiepatienten, den Kaffee jetzt vom Frühstückstisch zu verbannen.

Ihnen wird schon genug verboten

Lassen Sie sich also den Kaffee wegen der Polyneuropathie nicht vermiesen. Man muss als Polyneuropathiepatient schon auf so vieles achten. Die Krankheit bringt schon schon genügend Probleme und Einschränkungen mit sich.

Da muss man die Lebensqualität nicht noch verschlechtern, indem man auch noch auf den Kaffee verzichtet. Insbesondere, weil es keine belastbaren Gründe dafür gibt. Es gibt wie gesagt keine wissenschaftlich Grundlage dafür, den Kaffee wegen der Neuropathie wegzulassen.

In der chinesischen Medizin empfohlen

In der chinesischen Medizin wird in manchen Fällen empfohlen, den Kaffeekonsum zu reduzieren, wenn man an Polyneuropathie leidet. Wenn Sie bei Ärzten oder Naturheilkundlern in Behandlung sind und eine richtige Diagnostik betrieben wurde, die dann die Grundlage für eine solche Empfehlung ist, halten Sie sich bitte daran.

Erfahrene Fachleute haben in manchen Fällen sicher gute Gründe dafür dass sie Ihnen vom Kaffee abraten.

Aber das gilt nicht allgemein für alle Menschen mit Polyneuropathie. Es sind individuelle Empfehlungen.

Für die breite Masse gilt: Es gibt keinen Grund, den Kaffee bei Polyneuropathie grundsätzlich wegzulassen!

Falls Sie mehr zum Thema Ernährung bei Polyneuropathie wissen möchten finden Sie unter folgendem Link mehr Informationen:
Ernährung bei Polyneuropathie

Gezielte Übungen für das Nervensystem bei Polyneuropathie

Das Nervensystem ist der Teil des Körpers, der am schnellsten auf körperliches Training reagiert. Übungen die Ihnen helfen, trotz der Schäden durch die Polyneuropathie den Alltag gut zu bewältigen finden Sie hier:

Polyneuropathie

Training gegen Schmerzen bei Polyneuropathie

Schmerzen sind bei Polyneuropathie neben Missempfindungen und Taubheit das schlimmste Symptom. Neueste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass die richtige Bewegung helfen kann. Das Beste daran: Sie können zu Hause selbst eine solches Training gegen die Schmerzen bei Polyneuropathie durchführen!

Eine sehr ausführliche Beschreibung der Schmerzbehandlung bei Polyneuropathie finden Sie übrigens hier: Schmerzen bei Polyneuropathie und was Sie dagegen tun können

Wissenschaftlich nachgewiesen: Schmerzen bei Polyneuropathie werden durch Bewegung besser!

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass gezieltes Training bei Polyeuropathie hilft, Gleichgewicht und Gangsicherheit zu erhöhen. Deshalb fragten sich Wissenschaftler wie Patienten lange Zeit: Könnte Training auch gegen Schmerzen bei Polyneuropathie und sogar gegen Taubheit und Missempfindungen helfen? Jetzt liegen wissenschaftliche Studien vor, die genau das belegen. Zwei davon möchte ich Ihnen kurz vorstellen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Schmerzen bei Polyneuropathie lassen sich reduzieren

Die Studien zeigen: Gezieltes Training reduziert die PNP-Symptome. Die StudienteilnehmerInnen verringerten durch ihr Training die lästigen Hitze- und Kältemissempfindungen, die Taubheit und das Kribbeln in Händen und Füßen. Ausdrücklich weisen die Studien darauf hin, dass dies einer Kontrollgruppe, die nicht trainierte, eben nicht gelang: Training lohnt sich! Spürbar. Deshalb gehen die Wissenschaftler sogar so weit, dass sie behandelnden Ärzten empfehlen, dieses wohltuende Training ihren PatientInnen zu anzuraten. Wobei es auch kein Problem ist, wenn der Arzt das nicht tut: Dann macht man das eben selber. Die Übungen sind leicht und können sehr gut zu Hause durchgeführt werden. Hier ist der Link dazu:

Wer die Übungen handlich in Form der beliebten Broschüre möchte oder auch das nützliche Balance Pad oder gar das ganze Balance Set, findet alles Gewünschte hier:

Zu alt dafür?

Ich höre von vielen PatientInnen: „In meinem Alter mache ich keinen Sport mehr!“ Das braucht auch niemand. Die Übungen sind kein „Sport“ wie Fußball oder Skifahren. Die Übungen sind vielmehr so einfach, dass sie quasi jeder und jede in jedem Alter jederzeit ausführen kann – und viel Freude damit hat. Viele sagen auch: „In meinem Alter wird das nicht mehr besser.“ Auch das widerlegt insbesondere die erste Studie: Für ältere TeilnehmerInnen waren die Verbesserungen der Symptome sogar stärker als bei Jüngeren. Endlich zahlt sich das Alter mal aus! Für eine Verbesserung ist es also nie zu spät.

Sogar bessere Reflexe!

Eine zweite Studie, hauptsächlich von Forschern der Sporthochschule Köln, ließ PNP-PatientInnen ein Gleichgewichtstraining und ein Vibrationstraining absolvieren. Hier zeigte sich, dass sie damit ihre Schmerzen reduzierten und sogar ihre Reflexe verbessern konnten. Auch das Gleichgewichtstraining besticht durch einen schönen Vorteil: Sie können es zu Hause in den eigenen vier Wänden machen. Man braucht dafür kein Fitness-Studio, keinen Trainer, keinen Arzt, keinen Physiotherapeuten. Einfacher und angenehmer geht’s nicht.

Anstrengung mus nicht sein - wenn man mit Köpfchen übt

Bei den Übungen kam es übrigens nicht darauf an sich möglichst stark anzustrengen. Es geht hier nicht um Fitnesstraining. Es geht darum, das Nervensystem zu trainieren, nicht Muskeln oder Ausdauer.

Wenn man sich sehr stark anstrengt führt das sogar zu einem kleinen Trainingseffekt. Denn das Nervensystem kann sich besser anpassen wenn man erholt ist und sich noch gut konzentrieren kann. Es handelt sich eher um einen Lernprozess als um ein Ftinesstraining. Denn man lernt neue Bewegungen und insbesondere, das Gleichgewicht besser zu halten.

Das bringt das Nervensystem dazu, sich an die neuen Aufgaben anzupassen. Und diese Anpassung führt dazu, dass die Nervenschäden die die Polyneuropathie verursachen ausgeglichen werden. Und dadurch werden die Schmerzen besser.

Kraft- und Ausdauertraining als Bonus

Wenn man anstrengendes Kraft- und Ausdauertraining betreibt dann richtet sich das Training hauptsächlich an die Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem. Das Nervensystem steht nicht im Fordergrund.

Polyneuropathiepatienten, die Krafttrainnig oder Ausdauertraining betreiben erreichen dementsprechend auch keine großen Effekte auf die Nerven. Natürlich hat das Training sehr sehr viele positive Effekte auf den Körper und die Gesundheit. Allerdings reicht es allein nicht aus um sich gegen die Polyneuropathie zu helfen. In Studien in denen Patienten mit Polyneuropathie ein solches Training absolvierten kam es zwar zu leichten Verbesserungen, der Effekt war aber so klein dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stand.

Allerdings: Führt man ein Training für das Nervensystem durch und fügt dann noch ein Kraft- und Ausdauertraining hinzu, ergänzen sich die Wirkungen gegenseitig und man erreicht größere Verbesserungen.

Die Wirkung des Trainings auf das Nervensystem wird verbessert und die Polyneuropathie verbessert sich schneller. Gleichzeitig wirkt auch das Kraft- und Ausdauertraining besser, weil das besser funktionierende Nervensystem eine bessere Koordination bewirkt und es erlaubt, die Muskelkraft besser einzusetzen.
Besonders ausgeprägt ist die Wirkung von Kraft- und Ausdauertraining übrigens bei Diabetischer Polyneuropathie. Hier kommt es sogar zu besseren Werten was die Nervenleitgeschwindigkeit angeht, außerdem scheinen mehr Nerven in den Füßen von Diabetikern zu wachsen wenn sie trainieren. Wissenschaftliche Studien dazu finden Sie hier: Singleton et al. (2014); Kluding et al. (2012).
Ausführliche Trainingsempfehlungen bei Diabetes und Diabetischer Polyneuropathie finden Sie hier: Diabetische Polyneuropathie, Sport für Diabetiker.

Am besten ist es also wenn man als Polyneuropathiepatient spezielle Übungen für das Nervensystem mit Kraft- und Ausdauertraining kombiniert. Wenn Sie allerdings nur Zeit für eines von beidem haben, sollten Sie sich auf das Nervensystem konzentrieren.

Probieren geht über Studieren

Sie werden die wohltuenden Effekte des Trainings am eigenen Körper und im eigenen Alltag spüren. Also lautet das Rezept ganz einfach: Probieren Sie es aus! Warum nicht heute gleich? Es lohnt sich. Legen Sie los!

Beispielübungen finden Sie hier:

Trainingstherapie

Der größte Ernährungsfehler bei Krebs

Vermeiden Sie den größten Fehler bei Ihrer Ernährung!

In unserer Gesellschaft denken die meisten Leute, dass dünn gleich gut ist. Man hat schon überall gehört, dass Übergewicht schlecht für die Gelenke ist, für das Herz und für die Arterien. Bei Krebspatienten ist das allerdings anders. Eine der größten Gefahren für sie sind Mangelernährung und Untergewicht.

Die Experten von was-essen-bei-krebs.de haben in diesem Video sehr schön erklärt, warum es für Krebspatienten entscheidend ist, ausreichend Reserven aufzubauen. Auf dieser hervorrangenden Webseite erfahren Sie übrigens alles was Sie über Ernährung bei Krebs wissen müssen!

Trainingstherapie

Mit Training ist alles möglich

Viele denken: Jetzt ist alles aus! Nie wieder Joggen, Radeln, Abenteuerurlaub. Teresa Rodriguez (43) dachte das nach einer üblen Krebs-Erkrankung und nach Entfernung der halben Lunge auch. Jetzt besteigt sie in nur einem Sommer die fünf höchsten Berge Spaniens. Unmöglich? Nein, denn: Mit Training ist Unglaubliches möglich.

Der Trick beim Training

Wenn ich von solch unglaublichen Leistungen auf Vorträgen und im Personal Training spreche, sagen manche: „Hab ich auch schon probiert. Ich hab trainiert! Hat aber nicht funktioniert.“ Wenn wir uns dann eine Minute unterhalten, wird schnell klar: Du hast trainiert, fleißig trainiert, gut trainiert – aber nicht progressiv trainiert. Das ist das Geheimnis.

Du bist, sagen wir, jeden zweiten Tag 30 Minuten gejoggt. Wochenlang! Aber du hast immer noch fünf Kilo zu viel. Und das muss so sein, denn: Wenn du immer dasselbe machst, kommt immer dasselbe dabei heraus. Du bleibst gleich stark, gleich schnell, gleich schwach, gleich dick. Das Geheimnis unglaublicher Trainingserfolge und das Geheimnis von Teresa Rodriguez ist: Progressives Training ist unglaubliches Training.

Trainiere! Progressiv!

Wenn du die Trainingsintensität steigerst, steigert sich auch deine Leistung, deine Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, die Gewichtsabnahme, was auch immer. Ich habe Teresa kennengelernt. Sie sagt: „Nach der Lungen-OP war ich schon total außer Atem, wenn ich bloß meine Kinder auf dem Schulweg begleitet habe. Die Ärzte sagten mir: Mehr als 20 Minuten Spaziergang wird nicht mehr möglich sein.“ An dieser Stelle sei erwähnt, dass Teresa vor ihrer Erkrankung keine ausgesprochene Sportlerin war, keine Modellathletin, sondern ein Mensch wie du und ich. Also spazierte sie ihre 20 Minuten.

Als sie nach einigen Spaziergängen merkte, dass das immer besser ging, spazierte sie 23 Minuten lang. Nach einigen Wiederholungen ging auch das besser. Sie legte noch eine paar Minuten drauf. Und so weiter – immer weiter und weiter. Das war 2011. Und heute, im Sommer 2017, hat sie sich so weit gesteigert, dass sie die fünf höchsten Berge Spaniens besteigen kann. Den Camino de Santiago hat sie schon fünfmal gemacht. Was würden dazu wohl die Ärzte sagen, die meinten, dass nicht mehr als 20 Minuten Spaziergang drin seien? Die würden vielleicht „Unmöglich!“ sagen. Dabei ist es nicht unmöglich, sondern „nur“ unglaublich. Unglaublich gut. Unglaublich einfach. Und unglaublich wirksam.

Tipps zur Anwendung

Wenn das Training progressiv ist, wenn die Progressionsschritte klein genug sind und wenn man sich Zeit lässt, den Körper an die jeweils nächste Progression zu gewöhnen, kommt man quasi vom Invaliden auf den Gipfel. Ein ganz einfaches Rezept. Und gerade weil es so einfach ist, machen es viele falsch.

Sie wählen die ersten Schritte zu groß, werden prompt überfordert, scheitern, werden enttäuscht – und verlieren jede Motivation. Deshalb: Wähle deine Schritte klug und klein! Kleine Schritte sind richtige Schritte. Niemand isst eine Salami am Stück. Fang nie zu anstrengend an, aber steigere die Intensität nach und nach. Eben so, wie sich dein Körper an die neue Anforderung gewöhnt. Du wirst dich wundern, was mit diesem Prinzip alles möglich ist.

Wie es weitergeht, wenn es nicht mehr weitergeht

Viele trainieren bereits mit der Progression – und erreichen irgendwann ein Plateau: „Seit fünf Wochen drehe ich jeden zweiten Tag meine acht Runden im Wald – aber eine neunte schaffe ich einfach nicht!“ Oder: „Seit Monaten stemme ich 80 Kilo auf der Bank, aber schaffe keine 82 Kilo!“ Ende Gelände?

Nein, das ist nicht das Ende, das ist lediglich ein Plateau, eine Hochebene vor dem nächsten Gipfel. Du kommst am besten von diesen Plateaus runter und weiter hoch, indem du anders trainierst, die Methode wechselst, eine andere Übung mit selber oder ähnlicher Belastung einbaust – es gibt viele Möglichkeiten. Wenn du wissen möchtest, welche die beste für dich ist – ruf an (0176 66 86 91 51) oder schreib mir.

Polyneuropathie

Handschuhe bei Chemotherapie – Kleiner Trick, große Wirkung!

Mit Handschuhen bei Chemotherapie die Polyneuropathie verhindern!

Wir wollen Patienten helfen mit der Chemotherapie – schaden ihnen aber leider oft unabsichtlich und unvermeidlich: Die Chemotherapie hat schwere Nebenwirkungen, eine davon ist die Polyneuropathie. Jetzt aber zeigt eine Studie: Es könnte eine einfache, risikolose, kostengünstige Möglichkeit geben, das Auftreten von Polyneuropathie um über die Hälfte zu reduzieren. Das entscheidende Hilfsmittel - Gummihandschuhe - kostet bloß ein paar Cent …

Handschuhe schützen bei Chemotherapie vor Polyneuropathie

Kurz Zusammengefasst

Wenn man während der Chemotherapie-Infusion Kompressionshandschuhe trägt, kann man dadurch das Risiko für Polyneuropathie wesentlich reduzieren. Dazu genügen einfache OP-Handschuhe. Diese sollten eine Nummer zu klein gewählt werden. Außerdem sollten je zwei Handschuhe übereinander getragen werden um genügend Kompression zu erreichen.

Verblüffende Hilfe durch Handschuhe während der Chemotherapie-Infusion

Bisher waren Ärzte und Therapeuten relativ machtlos gegen die Polyneuropathie, die durch Chemotherapie ausgelöst wird. Es gab keine Mittel um die Polyneuropathie zu vermeiden und auch kaum welche um sie zu behandeln wenn Sie einmal auftrat. Allerdings gibt es neue Hoffnung. Denn jetzt zeigt eine japanische Studie unter Federführung von Shigeru Tsuyuki vom Red Cross Hospital in Osaka eine so verblüffend einfache wie wirksame Lösung: Handschuhe. Nein, keine technisch hochgerüsteten, volldigitalisierten Handschuhe 4.0, sondern ganz normale OP-Handschuhe für ein paar Cent das Paar.

Handschuhe bei Chemotherapie

Wie man die Handschuhe benutzt als Videoanleitung

90 Minuten, erstaunlicher Effekt

Die japanischen Wissenschaftler ließen ihre Probanden bei der Verabreichung des Wirkstoffes die OP-Handschuhe tragen. Und zwar angefangen 30 Minuten vor Gabe der Chemotherapie, während der 30 Minuten der Verabreichung und 30 Minuten danach. Insgesamt also lediglich 90 Minuten für einen überraschenden, ungeahnt großen Effekt.

Der Trick dabei

Weil sich jetzt natürlich jede(r), fragt, weshalb simple Handschuhe Polyneuropathie verhindern können: Es war ein Trick dabei. Die Patientinnen und Patienten trugen keine Handschuhe ihrer Größe, sondern eine Nummer kleiner. Und sie trugen nicht ein Paar, sondern zwei. Spätestens hier erkennt jede erfahrene Pflegekraft das Wirkprinzip dahinter: Kompression. Was natürlich naheliegt, aber was die Wissenschaft durch zusätzliche Studien bestätigen möchte.

Auch mit der richtigen Bewegung können Sie sich gegen die Polyneuropathie helfen!

Probieren geht über Studieren

Einstweilen kann man bei der Behandlung von Krebspatientinnen und Krebspatienten auf diese weitergehende Abklärung verzichten, denn die Wirkung der simplen Handschuhe in der japanischen Studie während der Chemotherapie war enorm: Das Auftreten von chemotherapie-induzierter Polyneuropathie sank von 76,1 Prozent auf 21,4 Prozent für sensorische Polyneuropathien und von 57,1 Prozent auf 26,2 Prozent für motorische Polyneuropathien. Das ist umwerfend. Und alles nur wegen ein paar Handschuhen; genauer: wegen zwei Paaren.

Handschuhe bei Chemotherapie Polyneuropathie (motorisch)

Brillantes Design

Wobei das Design der Studie geradezu brillant war, um Konfundierung (verfälschte Ergebnisse) zu vermeiden: Es wurde nicht wie üblich mit einer Testgruppe und einer Kontrollgruppe getestet, sondern viel einfacher: Alle Probanden trugen die Handschuhe nur an einer Hand. Die andere blieb frei – und litt. Für die Betroffenen mag das unangenehm sein, für den Nachweis der Wirksamkeit ist das praktisch ideal.

Das Wirkprinzip der Handschuhe bei Chemotherapie

Die Kompression durch die Handschuhe verringert die Durchblutung: Es wird weniger chemischer Wirkstoff in die Finger gespült und damit die Nerven der Finger auch weniger geschädigt. Um Skepsis zu beschwichtigen: Nein, ein OP-Handschuh, selbst wenn er eine Nummer zu klein und doppelt getragen wird, kann keine menschliche Hand so einschnüren, dass sie Schäden davonträgt. Ganz im Gegenteil. Was ohnehin keine Frage ist, denn: Niemand zwingt Patienten dazu, den Handschuh überzustreifen. Sollte einem Patienten die Kompression unangenehm werden, kann er die Handschuhe jederzeit ablegen. Wichtig ist allein: Es gibt kein Risiko, wenn er oder sie die Handschuhe während der Gabe der Chemotherapie anbehält.

Eis-Handschuhe während der Chemotherapie haben denselben Effekt

Eine weitere japanische Studie zeigt übrigens, dass der gleiche Effekt auch durch Kälte zu erreichen ist (Kanbayashi et al. 2020). Dazu gaben die Wissenschaftler einer Gruppe Probanden kühlende Handschuhe, die einem Kühlakku ähneln in den man die Hand steckt. Diese trugen Sie für 60 Minuten während sie die Chemotherapie erhielten. Eine zweite Gruppe erhielt Kompressionshandschuhe, die sie genau wie hier beschrieben verwendete. Das Ergebnis der beiden Gruppen war fast identisch.

Wenn Sie Zugang zu solchen Kältehandschuhen haben können Sie also wählen, was Ihnen angenehmer ist. Falls Sie an einer Latexallergie leiden sollten Sie ebenfalls versuchen, Eishandschuhe zu bekommen. Ansonsten können Sie einfach die beschriebenen Gummihandschuhe nehmen.

Warum machen das nicht längst alle?

Wenn ein simpler Handschuh so genial wirkt, warum lassen ihn dann nicht sämtliche Kliniken und Praxen anlegen? Weil die japanische Studie in wissenschaftlichen Zeitspannen gerechnet nagelneu ist: Sie wurde erst im September vergangenen Jahres veröffentlich. Wenn Sie der/die Erste in Ihrer Praxis oder auf Ihrer Station sind, der oder die davon erfährt: Sprechen Sie bitte darüber!

Aus einem einfachen Grund: Nur so erfährt der/die Interessierte davon. Das ging auch mir so: Ich bekam den Tipp mit der Studie von Dr. Isabell Pfeiffer, die bei Celgene in München arbeitet. Wer die Studie lesen möchte: Hier geht's zur Studie.

Weitersagen!

Jetzt geht es darum, die frohe Botschaft möglichst schnell möglichst vielen weiterzusagen. Damit kein Mensch unnötig leiden muss. Und damit der Handschuh-Trick in der Praxis erprobt werden kann. Nur so entsteht auch nützliches Feedback, das mich natürlich sehr interessiert. Schreiben Sie mir doch, wie Sie darüber denken und/oder was die Diskussion im KollegInnenkreis ergeben hat: Email

Oder versenden Sie diesen Artikel weiter.

Hier finden Sie übrigens einen ausführlichen Artikel zu Übungen bei Polyneuropathie durch Chemotherapie
Wenn Sie sich für körperliches Training trotz Krebs interessieren finden Sie hier ausführliche Informationen: Training gegen Krebs

Auch mit der richtigen Bewegung können Sie sich gegen die Polyneuropathie helfen!

Trainingstherapie

Was wollt ihr wissen?

Schadet Krafttraining dem Herzen? Kriegt man vom Joggen Arthrose? Gibt es einen Fettverbrennungspuls? Interessante Fragen – wenn ihr sie stellt. Die Blog-Texte in dieser Reihe sind nämlich nicht nur für euch, sondern auch von euch. Welche Fragen brennen euch auf den Nägeln?

Jede Frage wird beantwortet

Viele schicken mir E-Mails mit ihren Fragen. Andere fragen mich, wenn ich zur Behandlung bei ihnen bin. Wieder andere rufen an. Egal: Jede Frage wird beantwortet. Versprochen. Denn eins ist klar: Wer fragt, ist fitter. Gesundheit, Fitness, Wellness, in jedem Lebensalter leistungsfähig sein und sich wohl in der eigenen Haut fühlen – das alles beginnt nicht mit der wöchentlichen Joggingrunde oder dem Studiobesuch, sondern im Kopf. Der klügere Kopf sitzt auf dem fitteren Körper: Mens sana in corpore sano. Wer klüger ist, ist gesünder. Wer fragt, kriegt Antworten. Wer mehr Antworten hat, hält sich leichter und besser fit. Zum Beispiel auch mit Kurz- und Kugelhantel – das war die erste Frage: Schadet Krafttraining dem Herzen?

Schadet Krafttraining dem Herzen?

Diese Frage höre ich häufig. Immerhin starben früher einige bekannte Bodybuilder am Herzinfarkt. Das wissen viele. Was viele nicht wissen: Sie starben nicht wegen des Krafttrainings, sondern wegen der Steroide, die sie schluckten. Und obwohl diese Todesursache nahe liegt, glaubte man lange Zeit: Ausdauertraining ist gut fürs Herz – Krafttraining ist gut für die Muskeln.

Erst vor circa zehn Jahren konnten wissenschaftliche Studien nachweisen, dass das so nicht stimmt. Dass vielmehr richtig ist: Krafttraining ist nicht nur für die Muskeln gut, sondern auch für das Herz. Weil es den Herzmuskel kräftigt, wenn er viel Blut in die Muskulatur pumpen muss, weil Sie gerade mit 50 kg auf der Hantelstange Kreuzheben machen. Ergo: Ausdauertraining ist gut. Krafttraining ist gut. Am besten ist natürlich beides zusammen, schön abwechselnd.

Aber Joggen geht doch auf die Gelenke!

Das hört man auch oft. Weil es so viele Jogger im Knie haben. Oder im Kreuz. Und außerdem: Wenn man immer und immer wieder das Knie mit dem ganzen Körpergewicht stoßartig belastet – das kann doch gar nicht gesund sein!

Doch. Kann es. Und ist es. Denn der physiologische Zusammenhang ist genau umgekehrt: Alles am Körper, das sachgerecht belastet wird, nutzt sich dadurch nicht ab, sondern wird dadurch stärker. Das entscheidende Wort ist dabei: „sachgerecht.“ Natürlich macht sich jede(r) das Knie oder das Kreuz kaputt, der oder die binnen eines Quartals vom Schreibtisch weg auf Halbmarathon trainiert: Das ist schlicht zu viel, zu heftig, zu intensiv. Denn Gelenke, Knochen und Knorpel brauchen sehr viel länger als das Herz-Kreislaufsystem, um sich an die gestiegene Belastung anzupassen. Diese Zeit sollte man/frau ihnen geben. Es gibt einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen sinnvoller Bewegung und Überforderung. Kennen Sie ihn?

Die wichtigste Frage

Tatsächlich ist das die wichtigste Frage für alle, die sich bewegen und dabei gesund und fit bleiben/werden möchten: Wie viel tut mir gut? Wie viel ist genau richtig für mich? Viele muten sich zu wenig zu, schonen sich ängstlich und schaden damit ihrer Gesundheit. Wenn zum Beispiel eine Frau mitte 30 seit fünf Jahren Bizeps-Curls mit 3 kg macht – das ist Selbstbetrug. Wenn Männer bei der Rumpfbeuge vor oder nach dem Freitagskick seit Jahren mit den Fingerspitzen bis zum Knie kommen – was soll das? Aber gekickt wird dann wie die Weltmeister – und hinterher zwickt’s halt. Krasse Unter- und krasse Überforderung an einem einzigen Trainingsabend – Wahnsinn. Und das Jahr für Jahr. Dass man sich damit ruiniert, ist logisch. Die Goldene Mitte zu finden, ist gar nicht so leicht. Aber es ist möglich.

Sporteln kann jede(r). Klug trainieren nur wenige. Wenn Ihr also im Zweifel seid, ob Ihr auf der Goldenen Mitte trainiert: Fragt doch! Am besten jemand, der sich damit auskennt. Bleibt noch eine unserer Anfangsfragen offen: Gibt es den berühmten Fettverbrennungspuls?

Alle reden darüber. Erst neulich wieder im Studio meinte eine: „Brems dich! Wenn du mehr als 130 Puls hast, verbrennst du zu wenig Fett!“ Stimmt das? Worauf tippen Sie? Es gibt eine Antwort. Bald. An dieser Stelle.

Trainingstherapie

Lass es krachen!

Wie viel muss ich trainieren, damit es was bringt? Das werde ich oft gefragt. Viele kennen die Antwort nicht und machen aus Angst, zu viel zu tun, zu wenig. Und wundern sich, dass der gewünschte Effekt ausbleibt. Sport ist in dieser Hinsicht wie ein Medikament: Wirkt, wenn die Dosis stimmt. Kennen Sie Ihre?

Sport ist nicht gleich Sport

„Ich tu was für meine Gesundheit!“, sagen viele, die Sport treiben. Wenn ein Diabetiker zum Beispiel zum Walking rausgeht, erzielt er damit tatsächlich einen kleinen positiven Einfluss auf seine Erkrankung – wenn er drei Stunden in der Woche walkt. Drei Stunden? Bisschen viel, finden einige.
Würde der Diabetiker statt der drei Stunden Walking sich auch bloß eine Viertelstunde auf den Hometrainer setzen und so intensiv reintreten, dass er ins Schwitzen kommt – dann würde er in der viel kürzeren Zeit einen viel größeren Effekt für seine Gesundheit erzielen als wenn er drei Stunden walkt. Das hören viele nicht gern.

„Sanftes Training“ ist Unfug

Spazieren gehen, walken, eine Runde schwimmen, mit dem Rad ein bissel rausfahren – das sind angenehme Betätigungen. Angenehm ist aber nicht gleich gesundheitseffektiv. Nicht, wenn ich drei lange Stunden walken muss, um den Effekt von 15 kurzen Intensiv-Minuten auf dem Ergometer zu erreichen. Populär ist das nicht.
In Magazinen und Studios wird gerade heftig für „Sanftes Krafttraining für Frauen“ geworben. Entschuldigung, aber so etwas gibt es nicht. Genauso wenig wie es weiße Rappen gibt. Man kann Kraft nicht sanft trainieren. Wer nicht dabei schwitzt, baut keine Kraft auf.

Die 70%-Regel

Die Wissenschaft hat längst herausgefunden: Wenn Sie nicht mindestens 70 Prozent Ihrer Maximalkraft bei einer Kraftübung einsetzen, tut sich zum Beispiel für die Knochendichte gar nichts. Wer über die magische 70%-Schwelle geht, wird mit dichteren Knochen belohnt, die stabiler und damit bruchsicherer sind.

Nehmen wir Bianca, fit, 28 und zierlich gebaut.
Mit äußerster Anstrengung kriegt sie beim Bizeps-Curl die 7 kg-Kurzhantel gerade ein Mal bis zur Schulter hoch: ihre momentane Maximalbelastung. Nach diesem Test trainiert sie einmal die Woche jeweils drei Sätze à 20 Wiederholungen mit einer 3-kg-Hantel. Sie hat danach das Gefühl, dass sie etwas getan hat und dem Hantelprogramm gerecht wurde, das sie in der neuesten Ausgabe eines Hochglanz-Fitnessmagazins gelesen hat. Aber davon werden weder ihre Muskeln stärker noch ihre Knochen. Weil die Belastung unterhalb der 70%-Schwelle liegt. Sie hat sich zwar bewegt und ihre Kraftausdauer wuchs. Aber nicht ihre Muskelstärke und ihre Knochendichte.

Sie möchten beides? Dann folgen Sie der 70 Prozent-Regel. Von dieser haben Sie noch nie etwas gehört oder gelesen? Raten Sie mal, warum nicht. Weil sie nicht in ist. Nicht „sanft“ genug. Die Regel ist nicht sanft, sie ist wirksam. Was ist Ihnen lieber?

Doppelt besser

Der Regel zu folgen ist gleich doppelt besser. Denn eins ist ja wohl klar: Es kostet Sie und mich viel mehr Zeit und Überwindung, drei Kilo 20 Mal zu heben als fünf Kilo zehn Mal. Außerdem haben wir doch alle schon die Erfahrung gemacht: Ein schweres Gewicht wenige Male zu stemmen fühlt sich weitaus befriedigender an als ein „Fliegengewicht“ gefühlt fünfzig Mal herumzuwerfen. Da ist nix bei. Sanft?

Sanft ist Käse. Gymnastik oder Massage dürfen sanft sein. Training ist nicht sanft. Entweder du trainierst oder du sitzt in der Badewanne mit netter Musik, Kerzenlicht und einem Glas Wein. Wer das Badewannenkuschelerlebnis beim Training sucht, leidet unter Beschwerden, die keine körperliche Ursache haben … Tragische Konsequenzen hat dieser Irrtum, wenn es wo zwickt.

Wenn’s wo zwickt

Wo zwickt’s denn? Kein Problem: Dann macht man was und dann ist es auch schon besser. Horst zum Beispiel hat’s im Kreuz. Also zeigt ihm der Studio-Instructor zwei wirklich gute Übungen, die macht Horst und: „Immer noch nicht besser! Ich glaube, das muss man operieren!“ Jetzt echt?
Horst sitzt sich angefangen von Schule über Ausbildung bis heute ins Büro seit 20 Jahren ununterbrochen das Kreuz am Schreibtisch kaputt, fünf Tage die Woche, zehn Stunden pro Tag. Er macht dazu noch sechs Stunden Spinning die Woche und wundert sich, dass zweimal drei Minuten Kreuzübungen keine Wunderheilung bringen? Horst hat’s wohl nicht nur im Kreuz …

Als die Schmerzen nach dem Absteigen vom Spinning-Bock mal wieder so heftig sind, dass er sich kaum aufrichten kann, macht er „aus reiner Verzweiflung“ seine zwei Übungen immer und immer wieder. Eine halbe Stunde lang. Danach ist er schmerzfrei. Seit Monaten zum ersten Mal. Weil er endlich schlau/geplagt genug war, um die richtige Dosis zu trainieren. Die Dosis bringt die Wirkung. Und den Spaß.

Die Dosis bringt den Kick!

Du willst doch nicht auch noch beim Training mit Handbremse leben! Mensch, nirgendwo haben wir noch Gelegenheit, mal so richtig Vollgas zu geben, körperlich zu zeigen, was wirklich in uns steckt, alles zu geben, uns bis zur erlösenden Erschöpfung zu verausgaben, es der Welt zu zeigen, dass wir es immer noch draufhaben. Nie darfst du was machen.
Deshalb baut der Körper doch mit den Jahren so dramatisch ab. Nicht wegen des Alters! Sondern wegen des zweckfremden Gebrauchs. Der Körper ist so dankbar, wenn du ihn regelmäßig bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus forderst. Deshalb reagiert er auch so super drauf. Er lohnt es dir! Lass ihn ran, lass ihn raus! Lass es krachen!

Die richtige Dosis finden

Heißt das, dass wir uns täglich voll verausgaben müssen? Nein, genau das nicht. Training bis zum Blackout ist zwar auch ein Spaß, aber das Gegenteil von gesund. Wer wirklich etwas für sich und seine Gesundheit tun möchte, sollte im Bereich zwischen den 70 Prozent und dem Blackout bleiben.
Das ist im Prinzip leicht, wenn man mal für sich und seine Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit herausgefunden hat, wo die 70%-Schwelle liegt. Das muss niemand alleine herausfinden. Ich helfe Ihnen gerne dabei. Anruf (Tel. 0176 66 86 91 51) oder Mail genügt. Dafür sind wir Trainer schließlich da.

Polyneuropathie

Wie Sie trotz Chemotherapie beweglich bleiben

Die Medizin verfügt heutzutage über viel bessere Methoden zur Chemotherapie als früher. Die Überlebenschancen von Krebserkrankten liegen sehr viel höher als noch vor zehn Jahren. Leider kommt es im Zuge einiger Chemotherapien zu Nervenschäden – der Polyneuropathie (PNP). Das Gleichgeweicht leidet. Schmerz und Missempfindungen treten auf. Die Sturzgefahr steigt. Viele trauen sich nicht mehr, am alltäglichen sozialen Leben teilzunehmen. Manchmal muss die Dosis der Chemotherapie gesenkt oder diese sogar ganz abgebrochen werden. Ein neues spezielles Übungsprogramm kann jedoch helfen.

Das Polyneuropathie-Training
Bis vor kurzem gab es tatsächlich noch kein Mittel gegen die Nervenschäden. Weder Medikamente noch Vitamine oder die Elektrostimulation konnten helfen. Außerdem wirkt die Polyneuropathie dosis-beschränkend. Oft muss die Chemotherapie abgebrochen oder niedrig dosiert werden, weil die Polyneuropathie zu schlimm wird. Dementsprechend sind dann leider oft auch die Behandlungsergebnisse nicht so gut wie erhofft. Seit neuestem jedoch gibt es ein Training, das bislang noch den wenigsten bekannt ist, weil es so neu ist. Die Nachweise seiner Wirksamkeit sind überzeugend: Das Polyneuropathie-Training ist die bislang einzige bekannte Intervention, die wirklich hilft. Und das Schönste daran: Sie können es selber machen. Ohne große Hilfsmittel. In wenigen Minuten. Da dieses hilfreiche Programm in der Praxis der Krebsbehandlung so neu ist, dass es noch nicht großflächig verbreitet ist, habe ich das Training so konzipiert, dass Sie es bei sich zu Hause in den eigenen vier Wänden einfach und schnell anwenden können. Das einzige Trainingsgerät, das man benötigt ist ein Balance Pad.

Das Trainings- und Wirkprinzip
Ein weiterer Vorteil: Das Training strengt nicht an und es gibt deutliche Hinweise darauf, dass es selbst dann wirkt, wenn Sie „nur“ zweimal die Woche für 8 Minuten Zeit finden. Bei diesem Trainingsumfang zeigten sich in einer Studie der Sportonkologie der Universitätsklinik Freiburg deutliche Verbesserungen des Gleichgewichts und sogar der Missempfindungen in den Füßen. Besser noch: Die „Nebenwirkungen“ sind alle positiv. Eine davon ist, dass es umso mehr Spaß macht, je eher es zur Alltagsroutine wird. Die Freude am Training stellt sich vor allem dann ein, wenn Sie stand- und gehsicherer werden und sich wieder trauen, aus dem Haus zu gehen oder sogar wieder Sport zu treiben. Jedoch ist es während der Chemotherapie auch schon als großer Erfolg zu betrachten, wenn Ihr Gleichgewicht sich nicht verschlechtert. Aber Training ist doch immer anstrengend und belastend? Dieses nicht. Denn statt Muskeln zu trainieren (anstrengend), wird das Gehirn trainiert (keine körperliche Anstrengung nötig). Das Gehirn lernt, die Schäden an den Nerven auszugleichen. Es lernt, aus dem Wenigen, was an Nervensignalen im Gehirn ankommt, einfach mehr zu machen. Dahinter steht das universelle Trainingsprinzip: Was Sie trainieren, verbessert sich. Was Sie üben, können Sie besser. So haben wir als Kinder alle Radfahren gelernt: Am Anfang noch wackelig, aber dann mit jedem zurückgelegten Meter immer sicherer. Das ist das Trainingsprinzip. Es liegt auch dem folgenden einfachen Programm zugrunde.

Das Trainingskonzept
Das Training stärkt jene Fähigkeiten, auf die es in Ihrem Alltag ankommt: Sicher Gehen, sicher Stehen – und dann beides jeweils unter Ablenkung. Denn wenn Sie zum Beispiel in der City zu Fuß unterwegs sind, möchten Sie auch unter der vielfachen Ablenkung einer lebhaften Innenstadt sicher stehen und gehen. Das komplette Programm umfasst deshalb insgesamt 16 Übungen und Varianten sowie einen Selbsttest zur Trainingssteuerung. Aus Platzgründen konzentrieren wir uns im Folgenden auf drei zentrale Übungen. Zuvor einige Sicherheitshinweise, die Sie unbedingt beachten sollten.

Sicherheit geht vor

Wenn Sie das Gleichgewicht trainieren, sorgen Sie bitte immer dafür, dass nichts passieren kann, wenn Sie einmal die Balance verlieren. Das heißt: Bei Übungen im Stehen am besten in einem Türrahmen üben. Damit Sie nötigenfalls sich sofort mit beiden Händen abstützen können. Bei Übungen im Gehen: Immer an der Wand lang – oder am Rücken eines Sofas. Und niemals in der Nähe von Glasschränken oder -türen, dem guten Geschirr oder anderen zerbrechlichen Dingen. Wenn ein Partner neben Ihnen hergeht, gibt das zusätzlich Sicherheit – ist aber nicht unbedingt nötig. Wenn Sie einen schlechten Tag erwischt haben, unter Schwindel, Fieber oder einem Infekt leiden, wenn es zu Blutungen kam oder Sie außerordentlich erschöpft oder müde sind, wenn schon vor dem Üben der Puls hoch ist oder bei Übelkeit sollten Sie nicht üben. In diesen Situationen ist Abwarten und Erholen immer besser als Aktionismus. Insbesondere in den ersten 24 Stunden nach Gabe der Chemotherapie sollten Sie das Training aussetzen.

1. Übung: Statisches Gleichgewicht im „Tandemstand“
Sicher und fest zu stehen, ist oft schon eine Herausforderung. Das Polyneuropathie-Training beginnt deshalb mit der einfachsten Übungen: freihändiges Stehen, 30 Sekunden lang. Wenn Sie das zwei, drei Tage hintereinander mühelos schaffen, dann gehen Sie zum Tandem-Stand über. Stellen Sie einen Fuß hinter den anderen auf den Boden. Der große Zeh des hinteren berührt dabei die Ferse des vorderen Fußes. Das ist der (geschlossene, nicht versetzte) Tandem-Stand. Und wieder: Versuchen Sie, 30 Sekunden zu schaffen. Wenn es Ihnen (noch) nicht gelingt, bleiben Sie einfach so lange stehen wie es geht. Und probieren es noch einmal. Nach einigen Versuchen schaffen Sie einige Sekunden mehr: Das ist ein Erfolg! Jede Sekunde zählt. Wenn diese Variante Sie nicht mehr herausfordert, probieren Sie die Steigerung mit geschlossenen Augen.

2. Übung: Dynamisches Gleichgewicht im Gehen

Diese Übung steigert Ihr dynamisches Gleichgewicht und Ihre Gangsicherheit. Gehen Sie wie in Zeitlupe. Versuchen Sie, bei jedem Schritt das Bein ungefähr zwei Sekunden in der Luft zu halten. Auf diese Weise stehen Sie bei jedem Schritt sekundenlang auf einem Bein – das trainiert Ihr Gleichgewicht intensiv und in der Bewegung. Und immer daran denken: an der Wand oder dem Sofarücken entlang! Bei dieser Übung gilt: Je langsamer Sie gehen, desto besser. Fünf Sekunden das Bein während des Schreitens in der Luft zu halten sind besser als drei. Auch beim Gehen gilt: Ziel sind immer 30 Sekunden zu üben. Vielleicht nicht gleich beim ersten Mal. Versuchen Sie einfach, beim nächsten Mal ein paar Sekunden mehr herauszuholen. Wer dagegen 30 Sekunden auf Anhieb schafft: Prima. Auf zur nächsten Übung!

3.Übung: Dynamisches Gleichgewicht unter Ablenkung

Diese Übung ist zugleich Abschluss und Ziel jedes Trainings. Sie trainieren damit, wieder sicher zu gehen, während Sie gleichzeitig etwas anderes tun. Genau das machen wir nämlich im Alltag ganz oft. Weil wir jetzt schon auf dem höchsten Niveau üben, gilt hier ganz besonders: Sicherheit ist oberstes Gebot! Nehmen Sie zunächst einen Ball in die Hand. Gehen Sie ganz normal, wobei Sie den Ball von einer Hand in die andere werfen. Der Wurf muss nicht hoch sein. Wichtig ist, dass Sie ganz normal gehen, während Sie sich selber mit dem Ball ablenken. Wenn Sie 30 Sekunden schaffen, ohne dass der Ball herunterfällt oder Sie sich abstützen müssen, können Sie die neu gewonnene Gangsicherheit körperlich spüren und können stolz auf sich sein.

Ein großer Helfer
Für die meisten Polyneuropathie-Patientinnen und -Patienten ist die dritte Übung schon recht anspruchsvoll. Das heißt: Am Anfang vielleicht noch zu schwierig. Damit Sie nicht lange trainieren müssen, bis es besser wird, wurde ein nützliches Hilfsmittel erfunden, das sich in der Praxis tausendfach bewährt hat und das viele bereits kennen: das Bitzer Pad. Es ist praktisch eine künstlich wackelige Unterlage. Wenn Sie darauf üben, verbessert sich Ihr Gleichgewicht sehr viel schneller. Für Polyneuropathie-Patienten ist dabei entscheidend: Verwenden Sie niemals ein Pad, das selber eine Gefahrenquelle darstellt, weil es entweder zu rutschig ist, zu breit oder so hoch, dass Sie beim Drübersteigen oder Üben daran hängenbleiben. Es gibt spezielle Pads für PNP-Patienten. In meinem Shop können Sie auch ein Balance Set für Chemotherapiepatienten bestellen, in dem Sie ein spezielles Balance Pad, eine Übungsanleitung und einen Übungsball finden.

Wer übt, wird belohnt
Das Training wirkt übrigens nicht nur dann, wenn bereits Symptome auftreten. Es wirkt auch vorbeugend, noch bevor Sie eine Chemotherapie antreten. Wenn Ihr Gleichgewichtssinn vor der Therapie dem eines geübten Sportlers entspricht, stehen Sie nach einer therapiebedingten Einschränkung immer noch besser da als viele Untrainierte. Dann können Sie immer noch den Alltag problemlos bewältigen. Und das wollen wir schließlich alle.