5 Dinge die gegen Polyneuropathie helfen

Was hilft bei Polyneuropathie?

Man hört immer noch sehr häufig, dass man bei Polyneuropathie nichts machen kann. Jeder Patient fragt sich daher "was hilft bei Polyneuropathie?".

Tatsächlich ist die Behandlung sehr schwierig und muss für jeden Einzelnen anders sein. In Internetforen und von vielen Anbietern findet man Berichte über verschiedenste Mittelchen die helfen sollen. Meist sind das aber nur Erfahrungen Einzelner und nicht wirklich verlässlich. Allerdings gibt es Dinge, die häufig helfen und für die es auch wissenschaftliche Belege gibt. Ich versuche darüber hier eine Übersicht zur Orientierung zu geben.

1. Gleichgewichtstraining hilft gegen Polyneuropathie

Eine ausführliche Erklärung zu Gleichgewichtsübungen bei Polyneuropathie finden Sie hier:

Die RICHTIGE Bewegung hilft gegen Polyneuropathie

Das Nervensystem lässt sich speziell trainieren und das hilft bei Polyneuropathie.

Allerdings muss es sehr gezielte Bewegung sein. Viele Menschen haben selbst versucht durch Ausdauer- oder Krafttraining etwas zu erreichen. Auch Therapeuten und Wissenschaftler haben das ausprobiert.

Leider ist der Erfolg relativ gering. Ein solches Training ist zwar für die allgemeine Gesundheit sehr hilfreich, bringt aber nur wenig Hilfe gegen Polyneuropathie (außer wenn Sie an Diabetes leiden, siehe Kasten). Das gleiche gilt übrigens für Dehnübungen.

 

Das Nervensystem ist das anpassungsfähigste Organ!

Das Nervensystem lässt sich am besten mit Gleichgewichtsübungen trainieren. Dabei muss dauernd die Haltung, Muskelspannung und Bewegung des Körpers wahrgenommen und angepasst werden. Dadurch verbessert sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers und die Präzision mit der Bewegungen gesteuert werden können.

Körperliche Anstrengung ist dabei nicht nötig.

Außerdem entsteht ein Trainingseffekt sehr viel schneller als bei klasischem Fitnesstraining, denn das Nervensystem passt sich extrem schnell an! Deshalb verbessert sich das Gleichgewicht auch nach kürzester Zeit wenn man fleißig übt!

Achtung Diabetiker!

Wenn Ihre Polyneuropathie durch Diabetes entstanden ist, ist Kraft- und Ausdauertraining extrem wichtig um die Ursache der Nervenschäden zu bekämpfen.

Das muss nicht schwierig sein oder Stunden dauern - wenn man weiß wie es geht.

Unter folgendem Link finden Sie mehr Informationen dazu wie Sie mit dem richtigen Training Ihren Blutzucker reduzieren können!

Neurone sind die Datenleitung des Körpers

Verbesserung der Schmerzen und Symptome

Diese Verbesserungen im Nervensystem helfen gegen die Schmerzen und Missempfindungen bei Polyneuropathie. In einer Vielzahl an Studien hat sich außerdem gezeigt, dass dadurch die Mobilität und das Gleichgewicht besser werden.

Zusätzlich berichten die Patienten, die solche Übungen machen aber auch von weniger Schmerzen und Missempfindungen durch die Polyneuropathie. Das Nervensystem lernt durch ein solches Training offenbar, die Nervenschäden auszugleichen.

Eine Beispielstudie finden Sie hier

Der größte Vorteil: Sie können es selbst zu Hause machen!

Für das Gleichgewichtstraining benötigen Sie kein Fitnesstudio und noch nicht mal einen Therapeuten - wenn Sie wissen wie es geht.

Deshalb habe ich das BalanceSet bei Polyneuropathie entwickelt.

Sie erhalten dabei eine ausführliche Anleitung zum Training zu Hause, ein Balance Pad auf dem Sie üben können und einen Übungsball.

2. Vibrationstraining hilft bei Polyneuropathie

Gleichgewichtstraining ist nicht die einzige Form des Trainings das bei Polyneuropathie hilft. Auch Vibrationstraining kann helfen.

Beim Vibrationstraining stellt man sich auf eine spezielle Platte, die vibriert. Durch die Vibrationen werden in den Nerven Reflexe ausgelöst, die ebenfalls eine Anpassung auslösen. Häufig wird behauptet diese Vibrationen brächten riesige Trainingseffekte. Das ist häufig übertrieben, zumindest was Gesunde angeht. Menschen mit Nervenerkrankungen scheinen aber tatsächlich sehr positiv zu reagieren.

Einige Patienten berichten nach einem solchen Training von weniger Schmerzen und Symptomen.

Vorher mit Experten sprechen

Wenn Sie sich für ein Vibrationstraining entscheiden sollten Sie unbedingt vorher mit einem Fachmann sprechen, denn es gibt große Unterschiede zwischen den Vibrationsgeräten.
Auch die Wirkungen auf die Polyneuropathie, von denen in wissenschaftlichen Studien berichtet wird, sind höchst unterschiedlich.

Es gibt verschiedene Systeme von Vibrationsplatten. Einige Platten vibrieren seitenalternierend, wippen also von Seite zu Seite. Bei anderen bewegt sich die gesamte Platte nach oben und unten. Außerdem gibt es sogenannte 3D- Platten, die sich in alle Richtungen bewegen, sowie rotierende Platten, die den Körper in Schwingung bringen. Welches System für Polyneuropathie am wirksamsten ist, ist bisher noch nicht geklärt. Aufgrund meine persönlichen Erfahrung und des Effekts auf das Nervensystem gehe ich davon aus, dass seitenalternierende Systeme am erfolgversprechendsten sind. Wissenschaftliche Beweise für diese Annahme gibt es derzeit aber noch nicht.

Hinzu kommt, dass beim Vibrationstraining die Gefahr besteht sich zu überlasten, weil man die Anstrengung zunächst fast nicht wahrnimmt. Auch Muskelverspannungen kommen nach dem Training häufig vor. Deshalb sollte man anfangs nur sehr kurz trainieren und die Trainingszeit langsam steigern.

Vibrationstraining und Gleichgewichtstraining am besten zusammen

Gleichgewichtstraining und Vibrationstraining wirken auf unterschiedliche Weise auf das Nervensystem. In einer Studie mit Patienten, die durch Chemotherapie eine Polyneuropathie entwickelten zeigte sich dass die beiden Trainingsmethoden unterschiedlich wirken. (Hier können Sie die Studie nachlesen).

Wenn Sie ein Vibrationstraining machen, sollten Sie daher unbedingt Gleichgewichtsübungen hinzufügen, da diese mit geringem Aufwand und kaum Kosten einen großen zusätzlichen Nutzen bringen.

3. Alpha-Liponsäure hilft bei Polyneuropathie

Eine ausführliche Erklärung zur Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie finden Sie hier:

Alpha-Liponsäure hilft nachweislich - wenn Sie richtig angewendet wird

Alpha-Liponsäure wurde in verschiedenen Studien ausprobiert. Dabei zeigte sich, dass Sie tatsächlich die Symptome der Polyneuropathie verringert.

Allerdings: Nachgewiesen ist das nur für Diabetische Polyneuropathie. Und eine wirklich nennenswerte Verbesserung zeigt sich nur, wenn die Alpha-Liponsäure als Infusion gegeben wird. Ich halte es trotzdem für sinnvoll, auch Alpha-Liponsäure in Tablettenform in Betracht zu ziehen, da sie zumindest die Verschlechterung bremsen können.

Falls Sie nicht an Diabetischer Polyneuropathie, sondern an einer anderen Form leiden ist eine Wirkung der Alpha-Liponsäure zwar noch nicht nachgewiesen, aber auch nicht widerlegt. Es wurden einfach noch keine Studien dazu gemacht. Deshalb  macht es Sinn, Ihren Arzt darauf anzusprechen.

Unbedingt vorher Risiken abklären

Wenn Sie Alpha-Liponsäure ausprobieren möchten, sollten Sie vorher unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen. Die Alpha-Liponsäure kann mit Medikamenten wechselwirken und zum Beispiel die Wirkung bestimmter Chemotherapien reduzieren.

Klären Sie solche Risiken also zuerst ab und lassen Sie sich von einem Experten beraten.

4. Elektrotherapie kann bei Polyneuropathie helfen

Auch hier gilt: Es hilft, wenn man es richtig macht.

Es gibt sehr viele und sehr unterschiedliche Arten der Elektrotherapie. Die zwei für die Polyneuropathie am relevantesten sind die sogenannte TENS und Hochtontherapie.

TENS: kurzfristige Schmerzlinderung

TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) wird häufig bei Polyneuropathie angewandt.

Viele  Patienten berichten von einer Linderung der Schmerzen nach einer solchen Behandlung. Diese hält leider allerdings nur für sehr kurze Zeit an. Nach einigen Stunden ist alles wieder wie vorher.

TENS ist also keine dauerhafte Hilfe. Allerdings hat sie den Vorteil, dass man für sehr wenig Geld ein TENS-Gerät für zu Hause bekommen und sich dann zumindest kurzfristige Linderung verschaffen kann.

Hochtontherapie vielversprechend

Die zweite Methode, die Hochtontherapie scheint hilfreicher zu sein.

In einigen Studien wurden positive Effekte berichtet, die auch länger andauern. Sogar eine Einleitung der Regeneration der Nerven wird vermutet.
Eine Beispielstudie finden Sie hier.

Diese Behandlung ist sehr zeitintensiv, da eine Sitzung zirka eine Stunde dauert und man mindestens drei Sitzungen pro Woche benötigt. Inzwischen gibt es auch Geräte zur Selbstanwendung für zu Hause, die allerdings recht teuer sind. Die Behandlung wird von einigen Ärzten als sogenannte IGEL Leistung angeboten, leider allerdings nicht von den Krankenkassen übernommen.

5. Omega-3-Fettsäuren helfen bei Polyneuropathie

Omega-3-Fettsäuren wurden in einer Studie (hier der Link) mit Brustkrebspatientinnen ausprobiert, die eine Form der Chemotherapie bekamen, die häufig Polyneuropathie auslöst (Paclitaxel).

Die Patientinnen die, die Fettsäuren zu sich nahmen entwickelten seltener Symptome der Polyneuropathie als die Patientinnen, die diese nicht erhielten.

Auch in Tierversuchen mit Diabetischen Mäusen zeigte sich eine Schutzwirkung auf die Nerven.

 

Omega-3-Fettsäuren helfen bei Polyneuropathie und haben nur positive Nebenwirkungen

Nur positive Nebenwirkungen zu erwarten

Um eine verlässliche Aussage zur Wirkung und zur Dosierung der Omega-3-Fettsäuren treffen zu können, gibt es derzeit noch zu wenige Erfahrungen und wissenschaftliche Studien. Allerdings sind von ihnen nur positive Nebenwirkungen zu erwarten. Sie helfen beispielsweise das Herz und die Blutgefäße gesund zu halten. Dementsprechend kann man Omega-3-Fettsäuren getrost und ohne großes Risiko einfach ausprobieren.

Es gibt eine Vielzahl an Firmen, die Präparate mit Omega-3-Fettsäuren anbieten. Seit neuestem auch speziell für Patienten, die Chemotherapie bekommen. Wer lieber die natürliche Variante wählt, kann aber auch einfach Fischöle zu sich nehmen, die viele Omega-3-Fettsäuren enthalten. Diese scheinen aufgrund der speziellen Inhaltsstoffe besser wirksam zu sein als Pflanzenöle. Wie viel genau man zu sich nehmen sollte ist allerdings leider noch nicht geklärt.