Wenn man mit Polyneuropathie nicht mehr aufstehen kann.

Immer wieder sehe ich Patienten, denen es wegen der Polyneuropathie nicht mehr gelingt, aufzustehen. Wer nicht mehr aufstehen kann, dem bleibt oft nichts anderes übrig einen Rollstuhl zu benutzen. Allerdings kenne ich auch Patienten, die mir sagen, ihre Füße seien komplett „tot“ und die trotzdem noch problemlos aufstehen und sogar noch gehen können. Ich will Ihnen hier Tipps geben, wie man es schafft, wieder aufzustehen, und zu verhindern, dass es überhaupt so weit kommt.

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Viele wissen nicht mehr, wie die Bewegung funktioniert

Der häufigste Grund, warum Betroffene nicht mehr aufstehen können, ist, dass sie die Bewegung des Aufstehens nicht mehr richtig ausführen. Wenn man weiß, woran es liegen kann, schaffen es die Betroffenen oft wieder, aufzustehen.

Der Körperschwerpunkt muss über die Füße

Wenn man sitzt, dann ist der Körperschwerpunkt über dem Stuhl. Um aufzustehen, muss man den Körperschwerpunkt nach vorne verlagern. Der Körperschwerpunkt muss über den Füßen sein, sonst ist es physikalisch unmöglich, aufzustehen. Unabhängig davon, wie fit man körperlich ist, es ist nicht möglich, aufzustehen, wenn der Körperschwerpunkt nicht über den Füßen ist.

Den Schwerpunkt weit genug verlagern

Viele schaffen es, ihren Körper ganz kurz anzuheben, fallen dann aber zurück. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Körperschwerpunkt nicht über den Füßen war, sondern dahinter. Im Bild rechts sehen Sie, dass der Schwerpunkt immer noch hinter den Füßen ist. So fällt man sofort zurück, wenn man versucht aufzustehen.

Es gibt dafür zwei einfache Lösungen:

  1. Die Füße nach hinten ziehen. Wenn die Füße deutlich vor dem Stuhl stehen, ist es fast unmöglich, aufzustehen. Um aufzustehen, müssen die Füße nach hinten gezogen werden. Wenn man auf einem Stuhl sitzt, dann sollten die Fersen unter die vordere Kante der Sitzfläche gezogen werden. Das allein reicht oft aus, damit man es wieder schafft, aufzustehen.
  2. Den Oberkörper vorlehnen. Mit komplett aufrechtem Oberkörper kann man nicht aufstehen. Lehnen Sie Ihren Oberkörper also etwas nach vorne. Je nach Stuhl und je nach der Verteilung der Masse am Körper kann es sein, dass man sich sehr weit nach vorne lehnen muss.

Mit Polyneuropathie sollte man häufig üben

Wenn man es mit diesen Tipps schafft, aufzustehen, dann sollte man es häufig üben. Das heißt, einfach immer wieder aufstehen, hinsetzen, aufstehen, hinsetzen, sodass der Bewegungsablauf wieder Normalität wird. Mit Polyneuropathie kann man seinen Körper oft nicht mehr so gut wahrnehmen, wie früher. Deshalb ist es umso wichtiger, häufig und regelmäßig zu üben.

Bei Polyneuropathie fehlt oft die Kraft

Ein zweiter häufiger Grund, es nicht mehr zu schaffen, aufzustehen, ist, dass man zu wenig Kraft in den Muskeln der Hüfte und der Oberschenkel hat. Dem lässt sich aber auf einfache Art vorbeugen, indem man die Muskeln trainiert.

Übungen für die Muskelkraft

Das gelingt ganz einfach, indem man Kniebeugen macht. Falls Sie aufgrund der Polyneuropathie Probleme damit haben, dann halten Sie sich dabei an einem stabilen Gegenstand fest. Sie können sich auch einfach auf einen Stuhl setzen, aufstehen, sich wieder hinsetzen und das Ganze dann immer wieder wiederholen.

Kleine Steigerungen sind entscheidend

Das Wichtigste dabei ist, zu versuchen, sich zu steigern. Das heißt, notieren Sie sich, wie viele Kniebeugen Sie heute geschafft haben. Machen Sie einen Tag Pause und versuchen Sie übermorgen, eine Kniebeuge mehr zu schaffen. Wenn es heute 10 waren, versuchen Sie übermorgen, 11 zu schaffen. In vier Tagen versuchen Sie, 12 zu schaffen und so weiter. So schafft man oft Fortschritte, von denen man selbst überrascht ist. So stellt man sicher, dass man noch lange Zeit keine Probleme beim Aufstehen haben wird.

Übungen gegen Polyneuropathie

Es gibt noch viel mehr Übungen, mit denen man etwas gegen Polyneuropathie tun kann. In meinem Buch “Bewegung bei Polyneuropathie” finden Sie ein System, mit dem Sie das Gleichgewicht verbessern, um sicherer zu gehen und zu stehen, die Muskelkraft trotz Polyneuropathie verbessern und sogar die Ausdauer trainieren können. Dieses System ermöglicht es, trotz Polyneuropathie dauerhaft mobiler und aktiver zu bleiben und die Einschränkungen aufgrund der Krankheit zu reduzieren.

 

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