Was ist Polyneuropathie?

Viele kleine Nervenschäden

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des Nervensystems, die eine große Zahl an Nervenzellen gleichzeitig betrifft. Dabei wird nicht wie bei anderen Krankheiten eine ganze Zelle oder ein Organ als Ganzes geschädigt, sondern es kommt zu vielen kleinen Schädigungen, die zusammengenommen Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen verursachen. Außerdem wird das Gehen unsicher und die Muskelkraft nimmt ab, sodass man im Alltag nicht mehr so mobil ist. Wer an einer Polyneuropathie leidet hat deshalb manchmal Schwierigkeiten, im Alltag oder bei der Arbeit aktiv zu sein.

Warum betrifft Polyneuropathie meist die Hände und Füße?

Bei den meisten Betroffenen beginnt Polyneuropathie in den Zehen- oder Fingerspitzen. Das liegt daran, dass die Länge des Nervs seine Anfälligkeit für die Nervenschäden bestimmt. Wenn zum Beispiel Chemotherapie oder Diabetes einzelne Schäden in den Nerven verursachen, kann der Körper das ausgleichen und man spürt davon nichts. Je länger ein Nerv jedoch ist, desto mehr Angriffsfläche bietet er. Das heißt, dass auf langen Nerven, die zum Beispiel von den Zehenspitzen bis zum Rückenmark gehen viele kleine Schäden auftreten können, die zusammengenommen für Probleme sorgen. Deshalb sind Körperpartien, die nahe am Körperzentrum sind seltener betroffen.

Wie häufig ist Polyneuropathie?

Polyneuropathie ist in den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung kaum vertreten. Dennoch sind sehr viele Menschen betroffen. Für Deutschland geht man von circa 2 Millionen Betroffenen aus. Je älter man ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Im höheren Alter leiden fast 10% der Bevölkerung an Symptomen solcher Nervenschädigungen. Besonders häufig ist die Krankheit bei Menschen, die an einer Erkrankung wie Diabetes leiden oder die Giften wie zum Beispiel Alkohol ausgesetzt sind. Auch Medikamente, insbesondere bestimmte Formen der Chemotherapie sind giftig für Nerven. Dementsprechend sind auch Krebspatienten häufiger betroffen.

Wodurch wird Polyneuropathie verursacht?

Es gibt sehr viele Ursachen für Polyneuropathie, die sich grob in Stoffwechselstörungen, toxische Schädigungen, Durchblutungsstörungen und infektionsbedingt einteilen lassen. Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Nierenschädigungen und Mangel an Vitaminen (insbesondere B-Vitamine) sind die häufigste Ursache. Die häufigste toxische Ursache ist Alkohol. Insbesondere wenn über lange Zeit viel getrunken wird, schädigt der Alkohol Nerven, gleichzeitig entzieht er dem Körper B-Vitamine, was die Krankheitsentstehung noch beschleunigt. Auch Medikamente, wie bestimmte Formen der Chemotherapie, können eine Polyneuropathie verursachen. In selteneren Fällen verursachen Gifte wie Blei oder Arsen die Nervenschädigungen.
Auch aufgrund von Infektionen wie Borreliose und HIV kann eine Polyneuropathie entstehen, da die Krankheitserreger manchmal die Nerven befallen. Dies ist besonders schlimm, weil sie dort kaum mit Medikamenten erreicht werden können. Es gibt allerdings auch Fälle, bei denen das Immunsystem das eigene Nervensystem angreift, manchmal handelt es sich also um eine Autoimmunkrankheit.