Warum manche Patienten mit Polyneuropathie gesünder sind als andere

Es gibt häufig verschiedene Patienten deren Polyneuropathie gleich schlimm ist, die aber unterschiedlich schwer darunter leiden. Die Symptome und das Ausmaß der Schädigungen können exakt die gleichen sein und schränken manche nach kurzer Zeit stark ein, während andere lange mobil und aktiv bleiben. Beide haben aber dieselbe Ausprägung der Polyneuropathie. Seit ich als Therapeut arbeite, sah ich das immer wieder.
Ich glaube, den Grund dafür inzwischen auf den Punkt bringen zu können. Es ist ein fast banal erscheinender Unterschied in der Einstellung zur Erkrankung.

Wollen Sie gesünder sein – oder nur weniger krank?

Ein Teil der Patienten konzentriert sich vorrangig darauf, weniger krank zu sein. Ein anderer Teil hat das Ziel, gesünder zu sein. Was wie ein marginaler und langweiliger Unterschied wirkt, macht meiner Erfahrung nach einen gigantischen Unterschied.

Weniger krank sein zu wollen heißt, man konzentriert sich auf das Unangenehme, das Störende, das Schlechte. Man sieht vor allem, was eingeschränkt ist, und versucht, die Krankheit zu bekämpfen. Das mag bei einer kurzen, akuten Erkrankung sinnvoll sein. Eine chronische Krankheit wie Polyneuropathie vergeht aber nicht mehr. Man kann manche Verbesserungen erreichen, aber völlig verschwinden wird die Krankheit nur in wenigen Fällen. Nur weniger krank sein zu wollen ist deshalb ein Weg in dauernde Unzufriedenheit und Misserfolge.

Man kann gesünder werden, ohne weniger krank zu sein

Die Alternative ist, gesünder sein zu wollen. Man kann gesünder werden, ohne weniger krank zu werden. Man kann sogar gesünder werden, wenn die Polyneuropathie nicht besser wird. Die Nerven in den Füßen oder Händen mögen aufgrund der Polyneuropathie Probleme machen. Man kann aber trainieren, trotzdem sicherer gehen zu können. Man mag die Füße nicht mehr kraftvoll bewegen können, weil die Muskeln der Unterschenkel durch die Polyneuropathie geschwächt sind. Man kann aber dennoch die Muskeln der Oberschenkel, des Rumpfs und der Arme trainieren und stärker werden. Stärken an einer Stelle können dann die Schwächen an anderen Stellen oft ausgleichen.

Arbeiten Sie an dem, was Sie wirklich verbessern können

Wer durch das Üben wieder mobiler wird, dem fällt der gesamte Alltag leichter. Er ist also gesünder. Man kann auch mit Polyneuropathie Ausdauertraining (zum Beispiel Gehen) betreiben und sich mit etwas Übung länger oder schneller bewegen. Wem das gelingt, dessen Herz kann das Blut besser in die Lunge pumpen. Die Lunge kann den Sauerstoff besser ins Blut bringen. Die Blutgefäße können das Blut besser im Körper verteilen. Viele Organe funktionieren also besser. Mit anderen Worten: Man wird gesünder.

Patienten, die so denken, sind auf die Dauer trotz der Erkrankung tatsächlich gesünder, weil sie an den Dingen arbeiten, die sie tatsächlich verbessern können. Sie sind außerdem oft länger mobil und selbständig. Am wichtigsten ist aber vielleicht, dass sie glücklicher sind.

Gesundheit anzustreben, statt nur Krankheiten zu bekämpfen, kann also helfen – auch wenn die Krankheit nicht verschwindet. Dies ist einer der wichtigsten Gedanken, auf denen meine Arbeit beruht.

In den Büchern „Bewegung bei Polyneuropathie“ und „Ernährung bei Polyneuropathie“ möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie diese Denkweise anwenden können. Ich hoffe, dass Sie sich damit selbst gesünder machen können!

Zum Buch Bewegung bei Polyneuropathie

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