Der wichtigste Trick, um trotz Polyneuropathie Muskelkraft aufzubauen

Ich spreche immer wieder mit Patienten, die mir sagen, dass ihre Muskelkraft sich nicht verbessert, obwohl sie trainieren. Die mit Abstand wichtigste Ursache dafür ist, dass man das Training nicht anpasst, sondern in jedem Training dasselbe macht. Wer immer das gleiche macht, wird auch immer gleich stark bleiben. Das Training muss konstant angepasst werden, um Fortschritte zu machen. Das kann sehr einfach sein. In diesem Artikel erfahren Sie wie das geht.

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Wer immer dasselbe macht bleibt auch immer gleich stark

Ich kenne viele Patienten, die die Übungen aus meinen Büchern jeden Tag oder alle zwei Tage machen. Sie machen zum Beispiel immer 20 Kniebeugen. Das ist eine gute Gewohnheit. Allerdings wird die Kraft ihrer Beine dadurch auch immer gleich bleiben. Sie werden auch nach Monaten des Trainings weiterhin 20 Kniebeugen schaffen, aber nicht 30, obwohl das meist problemlos möglich wäre.

Uraltes Wissen kann Ihnen helfen

Um zu erklären, wie man stärker werden kann, erzähle ich Ihnen eine uralte Legende. Im antiken Griechenland lebte ein Junge mit dem Namen Milon von Kroton auf einem Bauernhof. Er war schwächlich und wurde oft von den anderen Kindern verprügelt. Milon beschloss deshalb, stark zu werden. Als ein Kalb neugeboren wurde, benutzte er es als Trainingsgewicht. Milon legte sich das Kalb auf die Schultern und trug es im Kreis um das Haus seiner Eltern. Das tat er nun jeden Tag, während das Kalb wuchs. Das Kalb wurde jeden Tag ein kleines bisschen schwerer und Milon wurde ein kleines bisschen stärker. So ging es weiter, bis das Kalb schließlich ein ausgewachsener Stier wurde. Milon war inzwischen so stark geworden, dass er den Stier tragen konnte.

Buch "Bewegung bei Polyneuropathie"

Alles zum Krafttraining bei Polyneuropathie, inklusive Trainingsplänen und Selbsttests sowie zahlreiche Übungen für das Gleichgewicht, sicheres Gehen und die Kraft speziell bei Polyneuropathie finden Sie in meinem Buch Bewegung bei Polyneuropathie. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie ein Exemplar bestellen.

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Auch wer an Polyneuropathie leidet kann dieses Wissen nutzen

Milon nutzte seine Kraft und gewann (nachweislich) siebenmal den Ringkampf bei den Olympischen Spielen. Er gilt als erfolgreichster Athlet der Antike.
Milon wurde von Tag zu Tag stärker, weil sein Trainingsgewicht langsam aber stetig wuchs. Hätte er ein immer gleiches Gewicht verwendet, wäre er auch nicht stärker geworden.

Auch wer an Polyneuropathie leidet kann dieses Wissen nutzen

Was beim antiken Athleten funktionierte, funktioniert auch heute und auch, wenn man alt oder krank ist. Ich zeige immer wieder das Schaubild unten, in dem Sie die Zahl der geschafften Kniebeugen eines 91‑Jährigen mit schwerer Polyneuropathie sehen. Es gelang ihm, seine Kniebeugenzahl durch kleine Steigerungen von Woche zu Woche zu verbessern, bis er mehr als doppelt so viele schaffte.

Man muss sich nicht jedes Mal mehr anstrengen

Er musste sich dazu aber nicht immer mehr anstrengen. Denn er war ja stärker geworden und schaffte mit derselben Anstrengung mehr. Und das ist der Grund, weshalb Krafttraining auch den Alltag besser macht: Man schafft mehr mit weniger Anstrengung. Wer mehr Kraft hat, für den ist der gesamte Alltag leichter.

Das kann bedeuten, dass es einem leichter fällt, schwere Dinge zu tragen oder Treppen zu steigen. Es kann aber auch den Unterschied dazwischen machen, ob man seinen Alltag alleine bewältigen kann oder Hilfe benötigt. 

Dokumentieren Sie Ihr Training

Wenn Sie Kraftübungen machen, dann schreiben Sie sich also auf, welche Übung Sie machen und wie viele Wiederholungen Sie schaffen. Versuchen Sie, beim nächsten Trainingstermin mindestens eine Wiederholung mehr zu schaffen. Notieren Sie erneut die geschafften Wiederholungen. Machen Sie das bei jedem Training. Sie werden nach wenigen Wochen von Ihrer Steigerung beeindruckt sein!

​​​​​​​Zahlreiche Übungen dazu finden Sie in meinem Buch “Bewegung bei Polyneuropathie”
Außerdem sind Übungen in den folgenden Artikeln beschrieben:
Übungen bei Polyneuropathie
Krafttraining bei Polyneuropathie

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Was tun, wenn man wegen der Polyneuropathie nicht mehr stärker wird?

Solche Steigerungen funktionieren nicht mehr so gut, wenn die Polyneuropathie sehr ausgeprägt ist. Vor allem die Muskeln der Unterschenkel lassen sich mit klassischem Krafttraining bei schwerer Polyneuropathie oft nicht mehr kräftigen. Ich habe in solchen Fällen sehr gute Erfahrungen mit BFR‑Training gemacht. BFR ist eine Methode, bei der mit sehr geringen Belastungen die gleichen Effekte erzielt werden können wie normalerweise mit schwerem Krafttraining.

BFR wirkt mit leichter Belastung so gut wie schweres Krafttraining

Man legt dazu Manschetten an, die aussehen wie ein Blutdruckmessgerät. Genau wie beim Blutdruckmessen werden sie aufgepumpt, und man macht dann Kraftübungen, während die aufgepumpten Manschetten am Arm oder Bein sind. Dadurch werden die Muskeln von weniger Blut und daher auch weniger Sauerstoff und Nährstoffen erreicht. Das führt dazu, dass sie schon mit sehr geringer Belastung so angestrengt werden wie sonst nur bei schwerem Training. Deshalb erzielt man so schon mit geringen Gewichten und einfachen Übungen große Kraftsteigerungen. Es gibt sogar Studien, in denen große Kraftsteigerungen nur durch einfaches Gehen mit den BFR‑Manschetten beobachtet wurden.

Möglicherweise besondere Wirkungen auf die Nerven

Meine Vermutung ist allerdings, dass das BFR bei Polyneuropathie sogar eine Wirkung auf die Nerven hat. Denn beim BFR nimmt der Körper wahr, dass nicht genug Blut in den Muskeln ankommt. Er reagiert, indem er Hormone produziert, die die Durchblutung verbessern. Und alles, was für die Durchblutung gut ist, ist auch gut für die Nerven. Die Hormone, die Blutgefäße wachsen lassen, lassen auch Nerven wachsen. Insbesondere EPO, HIF1 und VEGF werden nach BFR‑Training ausgeschüttet. Diese Hormone wirken wie Dünger für Nerven.

Besonders große Kraftsteigerungen

Das scheint auch bei Polyneuropathie zu helfen. Ich probierte BFR mit Patienten aus, die Polyneuropathie hatten und mit klassischem Krafttraining keine Fortschritte erzielten. Bereits nach vier Trainings war die Kraft bedeutend größer geworden. Ich vermute, dass die Nerven aufgrund des BFR‑Trainings die Muskeln wieder besser aktivieren konnten.

Besonders große Kraftsteigerungen

Für alle, die das BFR‑Training selbst ausprobieren wollen, biete ich das BFR‑Set von Bitzer Sporttherapie an. Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie hier:
Ein neues Training für die Nerven?
Mehr zum BFR‑Training erfahren Sie im folgenden Video:

Zum BFR-Set von Bitzer Sporttherapie
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